"Der König mag keine Badewannen", überschrieb die FAZ eine Meldung über den schwedischen Monarchen Carl Gustaf XVI, der sich erlaubt hatte, über den ökologischen Faktor von Vollbädern laut nachzudenken. Die Nachricht befand sich in der Minirubrik Smalltalk. Die Süddeutsche berichtete ebenfalls ("Schwedischer König möchte Badewannen verbieten lassen") und der NDR und viele andere Medien. Nie schaffte es die Nachricht auf die Politik- oder Wirtschaftsseiten, sondern blieb immer in jenem Ressort, das man in deutschen Medien "Panorama" oder "Welt" nennt. Das ist jene Leseecke, die sich um People, Pomp und Pumps dreht.

Ganz gleich wo die Meldung gebracht wurde, stets wurde die Forderung nach einem Badewannenverbot um den Hinweis ergänzt, "erntet im Netz Spott". Wer das dazuschreibt, diskreditiert damit die Äußerung des Königs und distanziert sich automatisch davon. Andernfalls würde der Hinweis lauten: "Twitter-Nutzer reagieren uninformiert und rückständig".

Wir übertragen lieber stundenlang monarchische Hochzeiten im Ersten Programm und lassen "Experten" zu Wort kommen, die jedes Detail an Schleppe und Kronleuchter erläutern. Wenn aber einer dieser Könige tatsächlich einmal etwas von gesellschaftlichem Belang zu sagen hat, wird es veralbert. Hat es auch noch mit Umwelt zu tun, heißt es sofort: Der hat wohl nicht mehr alle Juwelen am Zepter!

Carl Gustaf wurde am Wochenende vom Svenska Tagbladet interviewt. Die Zeitung zählt zu den seriösen Medien und hat eine konservative Ausrichtung. In dem Interview äußert sich der König zu einigen Klimafragen. Er erzählt unter anderem, dass er in Paris gezwungen war, statt seiner üblichen Dusche ein Bad zu nehmen. Dabei sei ihm klar geworden, wie viel Energie und Wasser das verbrauche.

Er sagt: Man sollte alle Badewannen verbieten.

Das Stockholmer Blatt brachte das sofort groß raus. Und so begann das Zitat seine Reise quer durch die europäischen Medien. Durch die aufgeplusterten Riesenlettern gewann man den Eindruck, dass die europäischen Untertanen noch nie in ihrem Leben etwas über den Zusammenhang zwischen Energieverbrauch und Klimaeffekt gehört hätten. Den Gipfel aber erreichte die FAZ, die das Zitat leicht angeekelt als "kuriosen Vorschlag" bewertete. Im Wirtschaftsteil derweil fragt der Wirtschaftskorrespondent des Blattes besorgt: "Kommen bald die Klimaflüchtlinge?"

Als steuerfinanzierter König hat man es schwer mit nützlichen Hinweisen an die Bevölkerung. Das hat mit der Grundlage zu tun, auf der man Monarch ist. Laut schwedischer Verfassung ist der König Staatsoberhaupt und zur Neutralität verpflichtet. Weder muss er Gesetze unterzeichnen, noch darf er an Regierungstreffen teilnehmen, Minister ernennen und in Kriegsfällen wäre er auch nicht oberster Befehlshaber. Seine Aufgaben sind rein zeremonieller Natur. Er eröffnet die neue Sitzungsperiode im Reichstag und führt den Vorsitz im Auslandsrat.

Alles in allem kann man sagen, dass König Carl Gustaf als politisch völlig irrelevanter, aber immenser Kostenfaktor existiert. Will er sich den Respekt der Bevölkerung erobern, bleibt ihm nur, kein Fleisch zu essen, ein Elektroauto zu fahren und die Bude ordentlich zu dämmen. So, sagt man ihm jedenfalls nach, handhabt er es wohl. Am Ende bleibt ja nur das Engagement für den Umweltschutz. Hier und da ein kurzes Sinnieren über die Körperpflege. Man muss die Bevölkerung da abholen, wo sie ist. Es gibt ja immer noch Menschen, die glauben, dass Badewasser am Badewasserstrauch, teteseptus planschus, wächst.

Der ganze Vorgang, angefangen davon, dass der König ja nicht wirklich gefordert hat (weil er es ja nicht darf), über die zur Veralberung des Vorschlags ausgebreitet auf den Boulevardseiten der Medien, bis hin zu den anschließenden Reaktionen in den Sozialen Netzwerken, illustriert, dass die Europäer es nicht gerne haben, wenn man ihnen erklärt, wie man die Ressourcen der Welt eigenverantwortlich schützen kann, damit andere Menschen auch etwas vom Wohlstand haben. Die Partei der Grünen hat mit dem Vorschlag einen (einen einzigen!) Tag in der Woche in den Kantinen (der öffentlichen Einrichtungen!) nur vegetarische Gerichte anzubieten, eine Wahl verloren. Wie will man diesen beispiellosen Vorgang einem Menschen aus dem Tschad, Sierra Leone, Afghanistan oder einem anderen Land der Welt, das auf das UN-Ernährungsprogramm angewiesen ist, kommunizieren? Das ist nicht zu kommunizieren.

Teile der Gesellschaft glauben immer noch, dass sie via Geburtsort ein natürliches Recht auf Wohlstand besitzen, ohne begreifen zu wollen, dass es das nicht gibt, Wohlstand ohne Kehrseite. Woraus diese Kehrseite besteht, versuchen sich die europäischen Gesellschaften täglich an den europäischen Grenzen vom Hals zu halten.

Ja, was haben denn die politischen Flüchtlinge mit unserem Wohlstand zu tun, wird jetzt der eine oder andere hysterisch aufspringen. Man wird doch wohl noch baden dürfen! Wissenschaftler an englischen und amerikanischen Universitäten versuchen die Wechselwirkung zwischen Klimaveränderung und politischen Konflikten nachzuzeichnen. Aber eigentlich braucht es dafür doch keine Forschung. Der Verstand sagt es einem doch.

Wo Not und Mangel herrscht, wo ausgebeutete Gesellschaften nicht am Wohlstand profitieren und für Hungerlöhne unsere Produkte herstellen, fallen sie übereinander her, entstehen Feindschaften, entstehen soziale und politische Spannungen, werden Kriege angezettelt. Das wissen wir. Das braucht uns keiner mehr sagen. Und trotzdem wird jeder freundliche Hinweis darauf als Zumutung gewertet. Freiwilliger Verzicht der Reichen, der in keiner Weise das Existenzminimum gefährdet, könnte eine der sozial wirkungsvollsten Bewegungen der Zukunft werden und eine starke Geste an die Armen der Welt. Stattdessen verpulverten wir unsere Energien darauf, uns an einer Partei abzuarbeiten, weil sie uns zumuten wollte, dass wir uns an Nudeln, Reis, Brot, Gemüse und Obst satt essen. Das Gleiche gilt für die Vollbäder. Man ist es halt gewöhnt, die pralle Wampe, die wie ein grönländischer Gletscher aus der Wanne ragt, mit warmem Badewasser zu begießen.

Die UN-Klimakonferenz, die dieses Jahr im Dezember in Paris stattfindet, hat sich übrigens einen Gastredner eingeladen, der aktuell ebenfalls in den Zeitungen verspottet, verkürzt zitiert und als "grüner Spinner" verhöhnt wird. Er wird auf dem Gipfel zum Thema Umweltschutz, politische Spannungen und Terrorismus sprechen. Sein Name: Charles Philip Arthur Georges, Prince of Wales, Duke of Cornwall, kurz, seine Majestät Prinz Charles.