"Ich knall dich ab, du linke Sau"; "Wir lieben dich, du gibst uns Hoffnung" – zwei Zuschriften, die ich bekommen habe. Sie markieren die Antipoden der Reaktionen, die mich seit Wochen regelrecht überschwemmen. Die erste von einem deutschen Leser, die zweite von einem Syrer, der seit zwei Jahren in Deutschland lebt.

Seit ich mit meiner Sendung Marhaba – Ankommen in Deutschland begonnen habe, haben mich mehr als 5.000 Mails und Zuschriften erreicht. Die eine Hälfte von Deutschen, die andere Hälfte von Arabern. In Marhaba erkläre ich, wie wir Deutschen und unser Land ticken. Auf Arabisch, speziell für Flüchtlinge. Nachdem wir das erste Video Ende September auf unserem Facebook-Account bei n-tv hochgeladen haben, hat sich die Sendung in einer Weise verbreitet, wie wir es nicht erwartet hatten. Millionen Abrufe weltweit. Zuschriften aus allen Teilen der Erde, von Nordamerika, Australien, Japan bis hin zu Rückmeldungen aus fast allen arabischen Staaten.

Deutschland wird in der arabischen Welt als Land der Hoffnung wahrgenommen. Die Kanzlerin gefeiert und geliebt dafür, dass sie syrischen Flüchtlingen Hoffnung gemacht hat, dass sie bei uns ein neues Leben beginnen können – zumindest ist das die Wahrnehmung in arabischen Ländern. Und dann auch noch ein Deutscher, der auf Arabisch Marhaba sagt: Willkommen. Das passt in das Bild, das man gerade von uns hat. Und so haben alle großen arabischen Medien über die Sendung berichtet, als würden wir auf einmal ein 24-stündiges Vollprogramm machen. Journalisten aus Dubai, Kairo und Beirut schicken uns Bewerbungen und wollen für unser Programm arbeiten.

Flüchtlinge einbinden

Auf der anderen Seite trifft die Sendung auch in Deutschland offenbar einen ganz bestimmten Nerv. Nämlich den derjenigen, die Angst haben vor Islamisierung, Flüchtlingswellen, allem Fremden. "Vaterlandsverräter", "Dich muss man mit der Merkel in einer Gummizelle einsperren", sind noch zwei der freundlicheren Zuschriften. Was wir bei vielen Artikeln in diesen Tagen zum Thema Flüchtlinge feststellen, gilt auch für die Sendung Marhaba: Zuspruch oder Ablehnung. Dazwischen gibt es nichts. Zuspruch aber auch – das ist wichtig zu schreiben – von vielen deutschen Lesern, die das Signal der Sendung unterstützen.

Die Frage lautet doch: Wie erreichen wir die Menschen, die inzwischen zu Hunderttausenden, wenn nicht Millionen unter uns leben? Über Flüchtlinge zu sprechen, zu beklagen, dass sie das Grundgesetz nicht kennen, nicht unsere Werte teilen und einfach anders sind – das führt nicht weiter, wenn der Adressat dieser Diskussion davon gar nichts mitbekommt. Dazu möchte ich einen Beitrag leisten, denn das ist mein Verständnis als Journalist. Medien sind dafür da, gesellschaftliche Debatten zu spiegeln, ihnen einen Platz zur Diskussion zu geben – und dazu müssen sie all die erreichen und miteinbeziehen, die Teil unserer Gesellschaft sind. Das trifft auf die Flüchtlinge, die bei uns sind, längst zu.

Falscher Adressat

Gerichtet an die Flüchtlinge sage ich: Seht her, das ist Deutschland, das sind wir! Ein Land voller Vielfalt und Toleranz, wie ihr es vielleicht in eurem Leben noch nicht erfahren habt. Ich mache einen Schritt auf euch zu, indem ich auf Arabisch mit euch spreche. Nun müsst auch ihr einen Schritt tun und euch auf unser Land einlassen.

Den Hass-Schreibern, Pöblern und Ängstlichen sage ich: Es ist nicht mein Ziel, eine Islamisierung voranzutreiben. Es ist auch nicht mein Ziel, die deutsche Sprache aufzugeben. Es ist mein Ziel, für die Zeit, die es braucht, bis Menschen sich mit uns auf Deutsch austauschen können, eine Starthilfe zu geben. In der ich sehr klar sage, wer wir sind, was unsere Werte sind und was wir erwarten von Flüchtlingen, denen wir Zuflucht gewähren: nämlich uns Deutsche kennenzulernen und einen Platz bei uns zu finden. 

Ablehnung bringt nichts, egal wie wohl oder unwohl sich der Einzelne fühlt angesichts des Flüchtlingsphänomens. Nicht den Flüchtlingen ist diese große gesellschaftliche Herausforderung vorzuwerfen, sondern der deutschen, europäischen, westlichen Außenpolitik, die versagt hat, der Anarchie in Teilen der arabischen Welt zu begegnen. Wer Vorwürfe machen will, der sollte dort seinen Adressaten suchen.