Der Dirigent Kurt Masur ist tot. Er starb im Alter von 88 Jahren, wie seine Sprecherin Anna-Barbara Schmidt bestätigte. Masur gehörte zu den Anerkanntesten seines Faches. Die New Yorker Philharmoniker, bei denen er von 1991 bis 2002 wirkte, würdigten in einer Stellungnahme Masurs Lebenswerk. Während seiner elfjährigen Zeit als Chefdirigent des renommierten US-Orchesters habe Masur neue Standards gesetzt und ein Vermächtnis hinterlassen, dass immer noch nachwirke, erklärte der Präsident der Philharmoniker, Matthew VanBesien.

Die Musik war für den Dirigenten Kurt Masur mehr als nur ein Beruf. "Wenn man alle Menschen der Welt in einen Konzertsaal setzen könnte, würden sie zumindest für zwei Stunden friedvoll sein", sagte er einmal.   

Der in Schlesien geborene Masur begann schon mit fünf Jahren, sich selbst das Klavierspiel beizubringen. Eigentlich wollte er Organist werden. Doch als 16-Jähriger erfuhr er beim Arzt, dass seine Finger wegen einer genetischen Sehnenverkürzung im Laufe der Zeit verkrüppeln würden. Deshalb wurde er Dirigent. Masur studierte an der Musikhochschule Leipzig, bekam dann Kapellmeister-Jobs in Halle, Erfurt und an der Leipziger Oper, war Chefdirigent bei Walter Felsenstein an der Komischen Oper Berlin sowie Chefdirigent bei den Dresdner Philharmonikern.

Im August 1970 trat der Ingenieurssohn in die Fußstapfen von Felix Mendelssohn Bartholdy – als Kapellmeister des Leipziger Gewandhauses. Dort erlangte er in den 1970er Jahren internationale Anerkennung durch die Umsetzung zahlreicher Stücke deutscher Komponisten. "Ich bin mit den Musikern gewachsen. Es war ein Geschenk, ein gegenseitiges Geben und Nehmen", sagte er später. Masur prägte den besonderen Klang des Gewandhausorchesters, absolvierte mit dem Ensemble 900 Tourneekonzerte; zu DDR-Zeiten auch im "kapitalistischen Ausland". 1981 erfüllten ihm die DDR-Oberen sogar den Traum einer neuen Spielstätte. Das Gewandhaus wurde gebaut.

Im Herbst 1989 gehörte Masur zu den sechs Unterzeichnern des Aufrufes "Keine Gewalt", mit dem Montagsdemonstranten und Staatsgewalt zum Dialog aufgefordert wurden. Damit trug er maßgeblich zum friedlichen Verlauf der Demonstrationen bei. Der Aufruf zur Gewaltfreiheit habe eigentlich nur freiere Lebensumstände zum Ziel gehabt, sagte er später.


Noch als über 80-Jähriger tourte der international gefragte Masur neun Monate im Jahr um die Welt. Auch seine Parkinsonkrankheit, die er 2012 öffentlich machte, hinderte ihn nicht daran. Im Frühjahr 2012 brach er sich bei einem Auftritt in Paris das Schulterblatt. Ein Jahr später stürzte er in Tel Aviv und brach sich die Hüfte. Dennoch kehrte er an das Pult zurück. Bis zu seinem Tod war er Ehrendirigent in Leipzig. Zuletzt hatte er vom Rollstuhl aus dirigiert.

Für sein musikalisches Schaffen wurde Masur mit den bedeutendsten internationalen Auszeichnungen bedacht, unter anderem 1995 mit dem Bundesverdienstkreuz, 1996 mit der Ehrengoldmedaille für Musik des National Arts Club (New York) oder 1999 mit dem Deutschen Fernsehpreis. 2010 wurde er mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet.

Die Beisetzung soll nach Angaben der New Yorker Philharmoniker im privaten Kreis stattfinden. Zudem soll es eine öffentliche Gedenkveranstaltung geben.