Gabriel Macht als Harvey Specter in der Serie "Suits" © Sky Go

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"Suits", Vox, Sky Go, iTunes
Was macht eigentlich Don Draper? Kann uns herzlich egal sein. Der Bourbon trinkende Pomadenheld aus Mad Men hat einen würdigen Nachfolger gefunden: Er heißt Harvey Specter und ist Staranwalt in einer erfolgreichen New Yorker Kanzlei, äußerst geübt im beugen von Rechtsauffassung und weiblichem Stolz. Seine Überzeugungskraft verdankt er seiner Intelligenz, seinem Charme und natürlich seinen maßgeschneiderten Anzügen. Die Justiz-Serie, deren Hauptrolle er besetzt, heißt folgerichtig Suits. Gabriel Macht spielt Harvey Specter schon seit 2011. Bisher wurden fünf Staffeln und mehr als 70 Folgen gedreht. In Deutschland laufen sie inzwischen auf Vox, zwischen CSI: Poughkeepsie und Gravy CIS. Zugegeben, der Sendeplatz allein wirft ein paar schmierige Schatten auf Specters tadellosen Dreiteiler. Aber wer wollte einen Mann schon nach seinem Aussehen beurteilen. Rabea Weihser

"Master of None", Netflix
Aziz Ansaris Sitcom Master of None verhält sich zu Woody Allens Manhattan wie das Brooklyn von 2015 zum Manhattan von 1979: Alles ist sehr viel teurer, ernster und schwieriger. Damals ging es um einen Mangel an Sex, heute um ein Überangebot an Sexismus. Weil außerdem alle Charaktere der Serie knapp über dreißig sind, klopft der Ernst des Lebens mittlerweile unüberhörbar an: Alle heiraten, bekommen Kinder oder ziehen hektisch nach Tokio. Master of None ist vielleicht die erste Sitcom über blanke Panik. Felix Stephan

"Der Staat gegen Fritz Bauer", Regie: Lars Kraume, Alamode Film
Nicht abschrecken lassen von der pumpernickeldrögen Fünfziger-Jahre-Hornbrillen-Ästhetik. Der Staat gegen Fritz Bauer ist ein Lehrstück über Courage, die Menschen aufbringen, auch wenn sie ihre Existenz damit aufs Spiel setzen. Klingt altmodisch, sollte man aber mal drüber nachdenken. Grandios wie immer Ronald Zehrfeld, hier als homosexueller Staatsanwalt. Und sogar Burkhard Klaussner hat Regisseur Lars Kraume eingefangen. Wiebke Porombka

Sebastião Salgado: "Genesis", Taschen
Von den Kriegen und dem Elend der Welt innerlich zerrüttet, zog sich einer der größten Fotoreporter unserer Zeit aus dem Weltgeschehen zurück. Acht Jahre lang reiste Sebastião Salgado in entlegene Teile der Erde, um so etwas wie den Ursprung unseres Planeten zu entdecken. In archaischen Landschaften, ornamentalen Eismassen und dem Blick der vielen Geschöpfe, die er fotografiert hat, sieht man die Zärtlichkeit, mit der er der Unschuld unserer Erde begegnet ist. Die Bilder wurden in diesem Jahr erstmals im C/O Berlin in einer großen Ausstellung gezeigt. Mehr Fotos findet man im Katalog dazu. Knapp vier Kilogramm wiegt dieser monumentale Bildband. Was er zeigt, ist unbezahlbar. Silke Janovsky

Biennale des photographes du monde arabe contemporain, Paris, bis 17. Januar 2016
Die Fotografie ist eine Kunst, die uns lehrt, die Wirklichkeit dieser Welt anders zu sehen. Wir sehen also auf einem Bild nicht einfach ein kleines Mädchen, das sich Vogelkäfige anschaut. Weil die Aufnahme aus Syrien stammt. Wir sehen auf einem anderen nicht einfach acht Porträts eines Ägypters. Weil das Tragen bestimmter Kleidung scheinbar einen anderen Menschen aus ihm macht. Was wir aber sehen, ist die Vielfältigkeit des Ausdrucks von Künstlern überall in der arabischen Welt. Wo? In Paris. Auf der ersten Biennale für Fotokunst aus dem arabischen Raum. Wenke Husmann

"Airline Visual Identity 1945-1975", Callisto Publishers
Flugreisen als Hobby, das ist natürlich wahnsinnig blöd. Aber die ökologische Transformation muss ja nicht ausgerechnet im eigenen Bücherregal beginnen: Der Bildband Airline Visual Identity 1945-1975 zeigt die brillante Posterwerbung von Fluggesellschaften – von Lufthansa bis PanAm – in einer Zeit, als die Welt dringend durchgelüftet werden musste und man jedem Provinzhocker nur empfehlen konnte, wegzufliegen. Weit weg. Hauptsache, raus. Klaus Raab

"Terror", Ferdinand von Schirach
Im Oktober wurde Terror zeitgleich in Frankfurt und Berlin uraufgeführt, Ferdinand von Schirachs erstes Theaterstück. Es dreht sich, na klar, um ein juristisches Problem. Das Szenario: Terroristen entführen ein Passagierflugzeug mit 164 Menschen an Bord, um es ins vollbesetzte Münchner Olympiastadion stürzen zu lassen. Bevor es sein Ziel erreicht, schießt ein Major der Luftwaffe das Flugzeug ab – entgegen eines anders lautenden Befehls. Alles andere wäre absurd gewesen, sagt der Major später vor dem Schöffengericht, das den Rahmen des Stücks bildet. Die Schöffen sind wir, die Zuschauer. Bislang wurde das Stück an sieben Spielstätten in Deutschland gezeigt. Im Schnitt plädierten knapp 60 Prozent der Zuschauer für Freispruch. Alexander Krex