Die irakisch-britische Architektin Zaha Hadid ist tot. Wie ihr Büro in London bestätigte, starb sie in Miami überraschend an einem Herzinfarkt. Nach Angaben des britischen Senders BBC war sie dort in einem Krankenhaus, wo sie sich ursprünglich wegen einer Bronchitis behandeln ließ. Hadid wurde 65 Jahre alt.

Hadid wurde 1950 in Bagdad geboren und wuchs dort auf. Ihr Vater war ein wohlhabender Geschäftsmann und Mitbegründer der Progressive Democratic Party. Die Familie lebte einen westlichen Lebensstil und verließ den Irak nach der Machtübernahme des Diktators Saddam Hussein und dem Ausbruch des Krieges mit dem Iran in Richtung Jordanien. Künstlerische Freiheit erfuhr Hadid nach eigenen Worten aber erst in London: "Meine Wahlheimat ist Großbritannien, das einzige Land, in dem man künstlerisch erfolgreich und zugleich exzentrisch sein kann."

Nachdem Hadid zunächst Mathematik in Beirut studiert hatte, begann sie Anfang der siebziger Jahre ihr Studium an der renommierten Architectural Association School in London, wo auch der Stararchitekt Rem Koolhaas zu ihren Dozenten gehörte. 1980 gründete sie in der britischen Hauptstadt schließlich ihr eigenes Architekturbüro und verwirklichte im Laufe der kommenden Jahrzehnte in unzähligen Ländern Projekte. 2004 erhielt sie als bis dahin einzige Frau den Pritzker-Architekturpreis, der als Nobelpreis der Architektur gilt.

Für die Galerie, nicht für die Wirklichkeit

Seit Jahren gehörte Hadid zu den internationalen Stars der Architekturszene, mit ihren modernistischen, futuristischen Entwürfen erwarb sie sich Anerkennung und Ruhm. Von Hadid stammen unter anderem das Nationalmuseum für moderne Kunst Maxxi in Rom und das Schwimmstadion für die Olympischen Spiele 2012 in London. Auch in Deutschland hinterließ sie ihr architektonisches Erbe, etwa in Leipzig, wo sie das Zentralgebäude der dortigen BMW-Werke baute, und in Wolfsburg, wo sie für das Wissenschaftsmuseum phæno verantwortlich war.

Experten bezeichneten ihre Werke als kinetisch, als fließend und fluide, sie selbst wurde als "queen of the curve", als Königin der Kurven, weltberühmt. Viele ihrer Konstruktionen aus Zement, Glas und Stahl bieten hohe, helle Räume – und oftmals keinen einzigen rechten Winkel. Das Vitra-Feuerwehrhaus in Weil am Rhein war der erste Bau, mit dem sie 1993 den internationalen Durchbruch schaffte, nachdem zuvor viele ihrer Entwürfe zwar bewundert, von den Bauherren aber meist als zu kühn verworfen worden waren. Oft musste sich Hadid anhören, dass ihre Ideen eher für die Galerie und weniger für die Wirklichkeit geeignet seien.

London, Rom, Hongkong, Südtirol

Diese Vorbehalte galten auch in ihrer Wahlheimat England, wo sie lange kaum Aufträge bekam. In den vergangenen Jahren erwarb sie sich dann aber ihren späten Ruhm, als sie nach dem Bau des London Aquatics Centre mit der neuen Serpentine Sackler Gallery erstmals ein permanentes Baudenkmal mitten in London realisieren konnte. "Es ist uns gelungen, mit diesem Projekt die alte und neue Welt zu vereinen", sagte sie anlässlich der Eröffnung der Gallery 2013, für die sie ein gigantisches fließendes Dach über ein altes Munitionslager stülpte.

Ein ganz besonderer Coup gelang ihr noch vor ein paar Monaten: Gemeinsam mit Bergsteigerlegende Reinhold Messner entwarf sie in Südtirol ein neues Bergmuseum. Auf 2.275 Metern Höhe entstand ein beeindruckender Bau, das größtenteils unterirdische Museum Corones zeigt die Entwicklung des Bergsteigens. Um Platz zu schaffen, ließ Hadid den Berg teilweise aushöhlen, von außen sind drei schräge Würfel zu sehen, die auch als Aussichtspunkte dienen. Der Beton zeigt dabei geschwungene Linien – und setzt damit einen starken Kontrast zur felsigen und schroffen Bergwelt.

Korrekturhinweis: Ursprünglich hatte es in diesem Text geheißen, Zaha Hadid habe als einzige Frau den Pritzker-Architekturpreis bekommen. Das stimmt nicht, denn 2010 bekam auch Kazuyo Sejima diesen Preis. Wir haben das entsprechend geändert. Die Redaktion