Erdoğan als Katze, Erdoğan als Peperoni, Erdoğan als Sultan oder Kamel – und immer blöde dreinschauend. Seit Jahren schon haben die türkischen Satirezeitschriften Penguen (Pinguin), Leman und Uykusuz (Schlaflos) ihren alten Minister- und jetzigen Staatspräsidenten Recep Tayyip für sich als Lieblingsmotiv entdeckt. Weil sie ihn regelmäßig verspotten, werden die Karikaturisten regelmäßig von Erdoğan verklagt – denn Kritik an seiner Person gilt in der Türkei fast schon als Tabu. Das bekam vor einigen Tagen auch die Redaktion von extra3 zu spüren, die ein satirisches Lied auf den Präsidenten gesendet hatte.

In der Türkei sind die drei wöchentlich erscheinenden Comic- und Satirezeitschriften keineswegs Nischenprodukte. Sie verkaufen nach eigenen Angaben bis zu hunderttausend Exemplare landesweit. Ihre Cover sind meist politisch, immer in Opposition zur Regierung, ihre Zeichner sind im ganzen Land als Avantgardisten bekannt. Die Blätter sind linksliberal und progressiv, ihr Spott ist nicht beleidigend, sondern anarchisch und beißend.

Weil immer häufiger regierungskritische Medien von Anhängern der regierenden AKP übernommen werden, stellte sich die Redaktion von Penguen Anfang März vorsorglich selbst unter staatliche Kontrolle. "Alles ist sehr schön", sagt ein simples Strichmännchen auf einem schlichten weißen Cover. Wenige Tage später, nach dem Terroranschlag in Ankara, titelte Penguen als Anspielung auf die von der Regierung immer wieder ausgerufene Nachrichtensperre: "Heute bin ich auch nicht gestorben. Allah, Allah...interessant!", sagt ein Mann, und weiter: "Oder bin ich etwa gestorben, und weiß es wegen der Nachrichtensperre nicht?"

"Sie haben uns gesagt, dass sie uns töten"

Als der Staatspräsident behauptete, die USA seien zuerst von Muslimen entdeckt worden, hob Leman ihn wieder auf den Titel: Ein erboster Erdoğan strandet in Amerika, und ist entsetzt über die Natur. So befiehlt er, sofort ein Einkaufszentrum und eine Moschee zu bauen. Erdoğans Klagewut spornt die Redaktion sogar noch an. Als er Leman wegen einer Tierkarikatur verklagte, zeichneten sie ihn fortan einfach als Gemüse weiter.

Zwar machen sich alle drei Blätter über den Islam, Sex und Erdoğan lustig, aber Witze über den islamischen Propheten Mohammed oder gar Mohammed-Karikaturen können und wollen sie in der mehrheitlich sunnitisch-islamischen Türkei nicht zeigen. Als im Januar 2015 die Pariser Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo attackiert wurde, druckten die Magazine in der Türkei als Solidaritätsbekundung auf einer schwarzen Titelseite die "Je suis Charlie"-Parole – die Mohammed-Karikaturen waren nirgends zu finden.

Dennoch wurden die Karikaturisten von Islamisten, Regierungsanhängern oder Ultranationalisten bedroht. "Sie haben uns gesagt, dass sie uns töten, uns Köpfe und Hände abtrennen und in Stücke schneiden wollen", erzählte Zafer Aknar, Redaktionsleiter bei Leman. In sozialen Netzwerken wurde in Anspielung auf die zwölf Todesopfer der Charlie Hebdo-Attentäter eine Kampagne mit dem Titel "Es gibt bei Leman mehr als zwölf" gestartet. "10.000, 20.000 beschimpfen uns regelmäßig in den sozialen Medien. Es scheint, als hätten sie eine regelrechte Armee von Beschimpfern. Einer sagt: 'Los, beleidigt sie', und dann machen sie es. Natürlich macht einem das Angst. Wir bezahlen einen hohen Preis für unsere Arbeit", sagte Aknar in einem TV-Interview.