Facebook verfügt in den USA über eine Funktion, die den Nutzern anzeigt, worüber in dem Netzwerk gerade gesprochen wird. Die Funktion heißt Trending Topics und sie zeigt, dass die meisten Amerikaner ein Leben ohne existenzielle Sorgen führen: Sie sprechen über Beyoncés Ehekrise, über den Frühlingsanfang und die neue Folge von How I Met Your Mother. Um zu verhindern, dass die Nutzer jeden Tag zur Mittagszeit das Trending Topic lunch in die Spitzenposition spülen, unterhält Facebook außerdem eine eigene Abteilung, die die Themen sortiert.

Ein ehemaliger Mitarbeiter dieser Abteilung hat seinen Kollegen nun kürzlich in dem Magazin Gizmodo vorgeworfen, ihr Amt zu missbrauchen und Inhalte nach politischen Gesichtspunkten zu sortieren: Themen, die konservative Wähler interessieren könnten, würden eher aussortiert als solche, die sich mit liberalen Positionen beschäftigen. Storys über führende Republikaner wie Mitt Romney oder Rand Paul würden geblockt, Storys über das demokratische Lager hingegen tauchten auch dann in den Trending Topics auf, wenn die Zahlen es nicht rechtfertigten. Innerhalb des Unternehmens nenne man die Mitarbeiter news curators, sagte der Aussteiger.

Einige Tage später wurde der Vorwurf laut, Facebook habe sogar Geschichten über seine manipulierten Trending Topics aus den Trending Topics herausgehalten. Überprüfen lässt sich das alles nicht: Es gibt keine transparenten Kriterien dafür, was die Nutzer zu sehen bekommen und was ihnen vorenthalten wird.

Größte Reichweite der Welt

Facebook hat zwar sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen, allerdings platzte die Meldung in eine ohnehin angespannte Lage: Im April ist eine Umfrage unter Facebook-Mitarbeitern publik geworden, in der es um die Frage ging, ob man versuchen sollte, Donald Trump als Präsidenten zu verhindern. Theoretisch wäre es schließlich denkbar, dass Facebook auf den Timelines seiner amerikanischen Nutzer immer wieder Anti-Trump-Spots auftauchen lässt.

Keine politische Kampagne, kein Fernsehsender könnte dieser Reichweite etwas entgegensetzen. Weshalb jetzt eine Diskussion wieder aufbrandet, die Facebook nach Möglichkeit stets vermeidet: Wie soll die Gesellschaft mit der Meinungsmacht des größten sozialen Netzwerks der Welt umgehen?  

Recht auf eigene Entscheidungen

Mark Zuckerberg hat jetzt führende Republikaner zum Gespräch getroffen, darunter den einflussreichen konservativen Moderator Glenn Beck. Der erklärte vorab, dass er die Einladung zwar annehmen werde, von Facebook aber gar kein Entgegenkommen erwarte. Zu den Grundwerten der republikanischen Partei gehöre die Unabhängigkeit von Unternehmern, schrieb Beck. Und das bedeute, dass er auch dann noch Zuckerbergs Recht verteidigen werde, eigene unternehmerische Entscheidungen zu treffen, wenn es für seine eigene Partei von Nachteil sei.

Wie für jeden anderen Unternehmer besteht aus republikanischer Perspektive auch für Mark Zuckerberg keine Verpflichtung, seine Firma politische Positionen verbreiten zu lassen, die seinen eigenen Überzeugungen zuwiderlaufen. Und daraus, wo er politisch steht, hat Zuckerberg nie einen Hehl gemacht: Er ist wirtschaftsliberal, glaubt an die Macht der unsichtbaren Hand, reagiert empfindlich auf Rassismus, Sexismus, Protektionismus und Isolationismus, hält Religion für Privatsache und hat sich zuletzt immer wieder öffentlich gegen Donald Trump ausgesprochen.