Jan Böhmermann hat sich zu den Reaktionen auf sein Schmähgedicht gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan geäußert. Im Interview mit der ZEIT weist er den Vorwurf zurück, dass es sich bei dem Gedicht nicht um Satire handele: "Es geht und ging nie um Beleidi­gung, ich habe mir den Text ja eben gerade nicht zu eigen gemacht", sagt der Satiriker und Moderator. Auf die Frage, ob er geahnt habe, dass Satire in Deutschland eine derartige Wirkung entfalten kann, antwortete er: "Nein. Aber hätte ich es gewusst, hätte ich meine Satire vorher bei der zuständigen Polizeidienststelle, der Feuerwehr oder wenigstens dem Ordnungsamt angemeldet."

Böhmermann sei es nicht um die Schmähung an sich gegangen: "Präsident Erdoğan zu beleidigen ist mir zu doof. Ich denke, das hat man auch dem reichlich bescheuerten Schmähgedicht angemerkt." Es sei ihm eher um die Illustration einer Beleidigung gegangen, die auch mit plumpen Klischees und Vorurteilen hantiere. "Jeder, der dieses Gedicht aus dem Zusammenhang nimmt und losgelöst von der gan­zen Nummer vorträgt, hat nicht alle Latten am Zaun."

Böhmermann wehrt sich in dem Gespräch gegen den Vorwurf, dass das Gedicht rassistisch sei: "Die für mich schmerzhafteste Vorstellung ist wirklich, dass mich jemand wegen dieser Nummer ernsthaft für einen Rassisten oder Türkenfeind halten könnte." Der Moderator verbittet sich ausdrücklich, das Gedicht aus dem Kontext gerissen zu betrachten und die Aktion zu hoch zu hängen. "Ich habe einen rumpeligen, aber komplexen Witz gemacht, mehr isses ja nicht. Und jetzt wird eben im Namen des Volkes verhandelt: Witz gegen Bundesregierung. Ich bin gespannt, wer zuletzt lacht."

Jan Böhmermann - “Ich bin gespannt, wer zuletzt lacht” Der türkische Präsident Erdoğan hat ihn wegen seines Schmähgedichts verklagt. Die Regierung Merkel ermächtigte die Justiz dazu. Anfang Mai 2016 sprach Jan Böhmermann zum ersten Mal nach der Affäre in der ZEIT. © Foto: Marc Beckmann/Agentur Ostkreuz

Er habe von vielen Seiten Unterstützung erfahren, sagt Böhmermann weiter. Jeder zweite Kommentar zu der Affäre habe ihn mindestens zum Schmunzeln gebracht. Dabei habe Böhmermann sich sehr über die Solidarität gefreut: "Wer hätte gedacht, dass Didi Hallervorden und Mathias Döpfner mal Hand in Hand für die Kunstfreiheit kämpfen?"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird von Böhmermann scharf kritisiert: "Am allermeisten habe ich mich über die Tatsache amüsiert, dass die Chefin des Landes der Dichter und Denker offenbar nicht einen Moment über das Witzgedicht und besonders seine Einbindung nachgedacht hat, bevor sie sich mit ihrem öffentlichen Urteil blamiert hat." Er habe sich "gemeinsam mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdoğan – wir folgen uns gegenseitig bei Twitter – per Direktnachricht über die Kanzlerin beömmelt", behauptet der Satiriker.

In dem vollständigen Interview lesen Sie ab sofort in der ZEIT-App oder ab Mittwoch in der aktuellen Ausgabe der ZEIT, warum Böhmermann darauf bestand, das Interview schriftlich zu führen und warum er inzwischen mehr auf die Justiz als die Politik setzt.

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