Das kann man alles unsäglich finden, als grob menschenverachtende und inkohärente rechte Geisteshaltung abtun, gegen die anzukämpfen ist. Aber ist es nicht viel interessanter, dieses hysterische Aufbäumen einer jungen Generation von Männern im Netz, die sich in Zeiten sexueller Liberalität nach längst vergangenen patriarchalen Privilegien sehnt, in seiner inneren Logik zu verstehen zu suchen? Es gibt dafür auch eine Wissenschaft, sie heißt Gender Studies, und ist in ihren besten Momenten tatsächlich in der Lage, genau diese Zusammenhänge zwischen dem rechtspopulistischen Unbehagen an der Moderne, der Angst vor der Globalisierung und dem wirtschaftlichen Abstieg sowie dem Gefühl des Zurückgelassenwerdens durch die Umwälzungen der Geschlechterordnungen der letzten Jahrzehnte analytisch zu beschreiben. Und zu zeigen, wie politische Haltungen mit Haltungen zur Sexualität, zur Gesellschafts- und Geschlechterordnung, innig verwoben sind, in Deutschland genauso wie in anderen Weltteilen. Für die arabische Welt hat das zum Beispiel Shereen El Feki in ihrem Buch Sex und die Zitadelle großartig analysiert.

Weniger wissenschaftlich, aber umso ironischer, hat Stefanie Sargnagel das Problem in einem Beitrag für die radikalfeministische Wiener Performance-Truppe Burschenschaft Hysteria im Juni auf den Punkt gebracht:

"Dieser Rechtsruck, der sich den Schutz der Frauen auf die Fahnen schreibt, während dieselben Menschen Frauen, die nicht spuren, Vergewaltigungen wünschen, sie als fette Huren beschimpfen, ihnen die Frauenhäuser nehmen, das Recht auf Abtreibung einschränken und sie in möglichst wenig öffentlichen Positionen sehen wollen, nährt sich durch die Angst vor politischem Islam, der eh ähnliche Ambitionen hat. Im Grunde geht's um einen aggressiven Wettbewerb zweier Patriarchate, dem wir einzig und allein eines entgegensetzen können: Die uneingeschränkte Einführung des Matriarchats. Den Rückzug von Männern in den privaten Bereich, in dem sie den Schutz und die Entmachtung spüren, die sie längst brauchen. In dem sie durch Fürsorge und der Gestaltung eines liebevollen Nests endlich die emotionale Reife lernen, nach der sie sich insgeheim sehnen. Heil Hysteria."

Mit den satirisch überzogenen Maximalforderungen der Burschenschaft Hysteria muss man nicht ernsthaft mitgehen. Aber es wäre von Vorteil, sich wieder mal klar zu machen, dass Feminismus und Genderforschung keine überflüssigen Hobbys gebildeter Frauen sind oder gar ein ideologischen Verblendungszusammenhang, der weltverschwörerisch an der Natur vorbeizuregieren sucht. Sondern vielmehr ziemlich gute Werkzeuge zur Beschreibung des anhaltenden Ringens um die Umsetzung grundlegender Ideale der Moderne – individuelle Freiheit etwa, oder der Abschied von archaischen Gesellschaftsstrukturen zugunsten einer Vielfalt von Lebensformen.

Klar allerdings auch, dass Gender Studies sich dabei nicht einzig auf die Benachteiligung von Frauen beschränken dürfen, sondern gerade angesichts der beschriebenen Phänomene mal wieder dezidiert und konzentriert mit Männern beschäftigen sollten. Nicht mit der Frage, ob sie schön oder hässlich sind, sondern damit, was sie so denken und wie es ihnen so geht. Und wie sie eigentlich mit den widersprüchlichen Anforderungen und Rollenerwartungen der Gegenwart umgehen. Denn wenn uns Herr Zürcher eins lehrt, dann dies: hinter dem Angriff auf angeblich hässliche Feministinnen steht nicht nur ein Zweifel an der eigenen Attraktivität, sondern ein ganz grundsätzliches Unbehagen am Heute, das bei Ausfälligkeiten gegen Frauen nicht stehen bleibt, sondern in eine umfassende Ablehnung von Anderem und Anderen mündet.