Der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist tot. Er sei im Alter von 87 Jahren in den USA gestorben, teilte die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem mit. Wiesel verfasste zahlreiche Publikationen über den Holocaust und erhielt 1986 den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz gegen Gewalt und Rassismus. Staatsmänner aus aller Welt würdigten ihn mit bewegenden Worten.

Der 1928 in Rumänien geborene Wiesel hatte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt. Sein Vater starb in Buchenwald. Seit Kriegsende engagierte sich der in New York lebende Schriftsteller dafür, die Erinnerung an die Opfer des Holocaust zu erhalten. Zu seinen berühmtesten Büchern zählt der autobiografische Roman La Nuit (Nacht), der 1958 in Frankreich erschien.

Im Juni 2009 besuchte Wiesel gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald, wo er in einer bewegenden Rede mahnte, aus Auschwitz und Buchenwald zu lernen. Vor zwei Jahren wurde er in New York mit einem der höchsten deutschen Orden, dem Großen Verdienstkreuz mit Stern, geehrt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte bestürzt auf den Tod Wiesels. "Der Staat Israel und das jüdische Volk trauern zutiefst um Elie Wiesel", sagte Netanjahu. "Der Wortkünstler Elie hat mit seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit und seinen faszinierenden Büchern den Sieg des menschlichen Geistes über die Grausamkeit und das Böse verkörpert."

Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin ehrte Wiesel als Kämpfer gegen jegliche Form von Hass. "Elie Wiesel verkörperte die Entschlossenheit des menschlichen Geistes, die dunkelsten Teufel zu bezwingen und allen Widrigkeiten zum Trotz zu überleben", sagte Rivlin.

Ein Lehrer der Menschheit

US-Präsident Barack Obama würdigte Wiesel als "eine der großen moralischen Stimmen unserer Zeit" und "Gewissen der Welt". Wiesel sei nicht nur einer der prominentesten Holocaustüberlebenden gewesen, hieß es in einer ungewöhnlich ausführlichen Erklärung des Präsidenten. "Er war ein lebendes Denkmal."

Bundespräsident Joachim Gauck schrieb in einem Kondolenzbrief an die Witwe Wiesels: "Wir haben einen großartigen Menschen und außerordentlichen Gelehrten und Schriftsteller verloren." Wiesel habe es verstanden, "als Zeitzeuge die Erinnerung an die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte wach zu halten und vor allem junge Menschen vor den Gefahren von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu warnen".

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte zum Tod des Holocaustüberlebenden: "Mit Elie Wiesel geht nicht nur ein großer Autor, Philanthrop und Gelehrter von uns, sondern vor allem ein unermüdlicher Streiter gegen Hass, Intoleranz und Gewalt." Nach dem Horror des Holocausts habe Wiesel sein Leben dem Kampf gegen Gleichgültigkeit und Vergessenheit gewidmet. Er verneige sich vor Wiesels Lebenswerk, sagte Steinmeier.

Nicht stumm sein im Angesicht von Ungerechtigkeit

Das Internationale Auschwitz-Komitee bezeichnete den Auschwitzüberlebenden als "Lehrer der Menschheit". "Elie Wiesel war kein Weg zu weit und kein Anlass zu gering, Menschen über die Schrecken und Verbrechen von Auschwitz zu informieren", sagte Christoph Heubner, der Vize-Exekutivpräsident der Überlebendenorganisation, im polnischen Oświęcim.

Der Friedensnobelpreisträger Schimon Peres erinnerte an Wiesel als Menschen, der sich stets gegen das Vergessen eingesetzt hat. "Wiesel hat seine Spuren in der Menschheit hinterlassen durch das Erhalten und Hochhalten des Vermächtnisses des Holocausts."

Der jüdische Weltkongress zeigte sich bestürzt über den Tod Wiesels. "Elie Wiesel war einer der großen jüdischen Lehrer und Denker der vergangenen 100 Jahre", sagte Präsident Ronald S. Lauder in Brüssel. "Er lehrte uns über das Judentum, über Israel und darüber, nicht stumm zu sein im Angesicht von Ungerechtigkeit."