Der Journalist, Buchautor und Gastronomiekritiker Wolfram Siebeck ist tot. Der Autor sei nach kurzer Krankheit im Alter von 87 Jahren gestorben, teilte seine Familie im badischen Mahlberg mit.

Siebeck machte das Genießen zum Beruf: Er schrieb für den Feinschmecker und den Restaurantkritiker, bis 2011 verfasste er eine wöchentliche Kolumne in der ZEIT. Auch Bücher veröffentlichte er, noch in diesem Jahr etwa Siebeck. Kulinarische Skizzen. Seit 2011 betätigte er sich auch als Blogger – der letzte Beitrag für sein Reisetagebuch Wo is(s)t Siebeck erschien im Oktober 2015. Sein Ziel war dabei stets: Die Leser sollten dafür sensibilisiert werden, dass Essen und Trinken von höchster Qualität sein sollte. 

Eine Reise nach Frankreich im Jahr 1950 hatte sein Interesse an kulinarischen Themen geweckt. Für den von der mütterlichen Mehlschwitzenküche traumatisierten Deutschen bedeutete dies eine Art Erweckungserlebnis. In späteren Erinnerungen und Artikeln hatte Siebeck immer wieder betont, wie sehr ihm als Jungen das von seiner Mutter und Großmutter gekochte Essen widerstrebt hatte. "Meine Mutter kochte miserabel", sagte er einst. Außerdem habe es in den Vorkriegs- und Kriegsjahren "nichts Gescheites zu essen" gegeben.

Als 1958 in Köln die Zeitschrift Twen gegründet wurde, bekam Siebeck darin eine kulinarische Kolumne. Auch für den stern schrieb er viele Jahre. Durch die Mitarbeit bei der ZEIT mit einer wöchentlichen und im Feinschmecker mit einer monatlichen Kolumne schrieb sich Siebeck in die vorderste Reihe der Restaurantkritiker.

Siebecks scharfe Kritik war gefürchtet und respektiert. Dem Manager Magazin verriet Siebeck einst, die Totalverrisse habe er oft gar nicht erst abgeschickt. "Ich bin dafür da, die Leute zum Essen zu locken, statt sie abzuschrecken", sagte er.

Siebeck wurde 1928 in Duisburg geboren. Als Sohn eines NS-Verwaltungsbeamten und späteren Wirts wuchs er in Essen und Bochum auf. Bei Kriegsende geriet er 1945 als Flakhelfer in Norddeutschland in britische Kriegsgefangenschaft und wurde einige Monate auf der Insel Fehmarn interniert. Eine kleine Erbschaft ermöglichte ihm ab 1950 den Besuch der Werkkunstschule in Wuppertal, wo er eine Ausbildung zum Grafiker absolvierte. Bis 1967 war Siebeck als freier Illustrator und Pressezeichner tätig, danach als Publizist.

Jahrzehntelang kämpfte Siebeck gegen Fast Food und Fertiggerichte. "Das, was der Masse gefällt, gefällt mir nicht", sagte er. Kochshows im Fernsehen nannte er hysterisch.

Seinen Ruf als schreibender Querdenker kultivierte er gerne. Altersmilde konnte er bei sich nicht feststellen.