Der französische Dichter Yves Bonnefoy ist tot. Das Pariser Collège de France, wo Bonnefoy früher als Professor tätig war, bestätigte entsprechende Medienberichte. Der 93-Jährige galt als einer der bedeutendsten französischen Lyriker der Nachkriegszeit.

Bonnefoy wurde 1923 als Sohn eines Arbeiters und einer Lehrerin in Tours geboren, studierte Mathematik und Philosophie. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand er in Paris kurzzeitig den Surrealisten nahe, entfernte sich aber bald wieder von dieser Gruppe. Einen Namen als Dichter machte er sich 1953 mit seinem ersten Lyrikband Douve in Bewegung und regungslos. "Poesie ist die Erfahrung dessen, was die Wörter überschreitet", sagte Bonnefoy selbst einmal.

Die Lyrik nehme in der modernen Bildung "nicht den Platz ein, den sie verdient", beklagte der Dichter. Bonnefoy schrieb auch Essays und erzählende Texte, übersetzte Theaterstücke von Shakespeare und Gedichte von John Keats. Der Nachwelt hinterlässt er mehr als 100 Bücher. Sein Werk umfasst neben Lyrik vor allem Prosa voller menschlicher Erfahrungen und Emotionen. Er wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem tschechischen Franz-Kafka-Literaturpreis.

Bonnefoy starb bereits am Freitag. Frankreichs Staatschef François Hollande würdigte ihn als "Zauberer des Wortes".