Der Axel Springer Konzern will den Bundesgerichtshof entscheiden lassen, ob er 395.000 Euro Schmerzensgeld an Jörg Kachelmann zahlen muss. Ein Sprecher der Axel Springer SE gab bekannt, dass das Unternehmen in dem Streit wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten nun eine Entscheidung der obersten juristischen Instanz anstrebe.

Das Oberlandesgericht (OLG) Köln hatte den Verlag Mitte Juli zu 395.000 Euro Schmerzensgeld an Kachelmann verurteilt. "Es hat Revision nicht zugelassen. Wir haben dagegen Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt", sagte der Sprecher des Medienkonzerns. Wahrheitsgemäße Berichterstattung über Gerichtsverfahren gegen bekannte Persönlichkeiten dürfe nicht durch Strafzahlungen in dieser Größenordnung sanktioniert werden. Andernfalls sei eine einschüchternde Wirkung auf die Presse zu befürchten, so der Sprecher.

Inklusive Zinsen hat Kachelmann nach der OLG-Entscheidung seinem Anwalt Ralf Höcker zufolge Anspruch auf 512.785 Euro Schmerzensgeld. Doch auch eine gute halbe Million Euro könne den Schaden nicht wiedergutmachen, den Springer in Kachelmanns Leben durch seine unzähligen falschen, vorverurteilenden und intimsphärenverletzenden Berichte angerichtet habe, sagte Höcker. "Das war kein Journalismus, sondern blanke Hetze."

Sollte der Nichtzulassungsbeschwerde nicht stattgegeben werden, steht dem Wettermoderator die bisher höchste Entschädigung in einem solchen Verfahren zu. Bisher bekam die schwedische Prinzessin Madeleine in einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg von 2009 mit 400.000 Euro die höchste Summe zugesprochen.

Der Fernsehmoderator Jörg Kachelmann war im Jahr 2010 wegen des Verdachts der Vergewaltigung angeklagt worden. Er bestritt die Vorwürfe und wurde im Mai 2011 vor dem Landgericht Mannheim vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Gegen die damalige Berichterstattung der Bild-Zeitung über den Prozess reichte Kachelmann Klage auf Schmerzensgeld ein.

Das Landgericht Köln hatte ihm daraufhin 635.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Nach der Revision durch den Springer Verlag hatte das Oberlandesgericht Köln (OLG) in zweiter Instanz die Höhe des Schmerzensgeldes verringert.

In der Berichterstattung über den Prozess hatte die Bild-Zeitung über den Prozess nach Ansicht der Richter in ihrer gedruckten Ausgabe und online mehrfach die Grenzen des Erlaubten überschritten und Kachelmanns Persönlichkeitsrecht schwer verletzt. Unter anderem hielt das OLG Fotos nicht für zulässig, die Kachelmann als Häftling im Gefängnishof zeigen.