Ganz am Anfang des Wahlkampfs um die US-Präsidentschaft, als wir noch alle naiv und unschuldig waren, hieß es, dass Donald Trump mit einem Schimpfwort sein eigenes Ende besiegelt habe. Im Dezember 2015 sagte Trump über Hillary Clinton, dass sie 2008 schlonged wurde. Das ist eine eher seltene Derivation eines der vielen schönen jiddischen Wörter für Penis. Und auch wenn es nicht mehr viele fromme Großmütter gibt, die noch instinktiv spüren, wie schmutzig dieses Wort ist: Dass ein (damals noch prospektiver) Kandidat eine Kandidatin so explizit sexualisiert beleidigt hatte, würde wohl alles ändern, wie die Washington Post schrieb.

Seitdem schießt Trump seine Unausstehlichkeiten aus allen Rohren, ernsthaft geschadet hat ihm das bisher nicht. Nur die Beschimpfungen haben an Farbe verloren. Dabei war schlonged sowieso ungewöhnlich kreativ für Trump, dessen Lieblingsbeleidigung Loser ist. Der Mann ist die verkörperte Bestätigung vieler Ängste, aber in diesem Fall vor allem einer Befürchtung: Dass wir geradewegs auf eine Ressourcenknappheit der Schimpfwörter zusteuern, weil wir mit ihnen zu verschwenderisch umgehen.

Denn auch sie kommen nicht einfach so auf uns zugeflogen wie die Kotstückchen, mit denen sich Affen bewerfen. Scheiße ist ein Schimpfwort, Kot ist es nicht. Diese doppelten Standards sind in jeder Sprache zu finden, ganz besonders aber in der Kultur des amerikanischen Englisch, das gleichzeitig von extremer Permissivität und Proskription geprägt ist.

Eine Ode ans Fluchen

Erst langsam nehmen sich Linguistiker des Themas an und untersuchen, je nach Forschungsschwerpunkt, den syntaktisch-morphologischen Aufbau einer Phrase wie I don't give a fuck oder allgemeiner die neurologische oder soziolinguistische Bedeutung des Fluchens. Dabei geht es nicht um eine Verrohung der Sprache, schließlich fungiert Linguistik deskriptiv, nicht proskriptiv. Nur Michael Adams von der Indiana University übertritt diese Grenze – und zwar in die andere Richtung. In seinem Buch In Praise of Profanity beschreibt er die "vielen positiven persönlichen, sozialen und ästhetischen Aspekte des Fluchens".

Trotz des luftigen Tonfalls ist es vor allem eine linguistische Studie, die versucht, Profanität zu kategorisieren. Dabei muss sie von Obszönitität (die justiziabel sein kann) und dem Slang abgegrenzt werden. Im Kern der Untersuchung steht eine Feststellung: "Profanität ist ein Problem, weil wir es zu einem machen."

"What the fuck?"

Zu welchen Verrenkungen das führt, zeigen schon die standards and practices, die Regeln, nach denen amerikanische Radio- und Fernsehsender ihre Sendungen auf anstößige Inhalte filtern. So darf auf ohne Kabelanschluss zugänglichen Sendern wie NBC oder CBS zwar crap gesagt werden, aber nicht shit. Asshole geht nicht, ass hingegen schon, weil damit, theoretisch, auch ein Esel gemeint sein könnte.

Auch für Filme gelten ähnlich arbiträre Regeln. Mehr als zweimal darf das Wort fuck in einem Film nicht auftauchen, sonst ändert sich die Altersbeschränkung von PG-13 (teils unangemessen für Unter-13-Jährige) zu R (unter 17 Jahren nur in Begleitung Erwachsener). Und das nach fast 50 Jahren intensivem Gebrauch im Kino und inzwischen auch im Fernsehen. Aus dem Mund von Könnern zeigt das gute alte fuck immer noch Wirkung. Der sonst so sanft erscheinende Philip Seymour Hoffman war so ein Experte: In Charlie Wilson's War lieferte er das beste What the fuck? der Filmgeschichte.