Das Amtsgericht Tiergarten hat Gina-Lisa Lohfink wegen falscher Verdächtigung zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt. Das entspricht 80 Tagessätzen je 250 Euro. Das Model hatte behauptet, im Juni 2012 von zwei Männern, ihren Bekannten Pardis F. und Sebastian C., vergewaltigt worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft glaubte der 29-Jährigen nicht und klagte stattdessen Lohfink an. Einen Strafbefehl wies sie jedoch zurück, weshalb der Fall vor Gericht kam.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Verfahren eine Geldstrafe in Höhe von 24.000 Euro gefordert. Staatsanwältin Corinna Gögge sagte: "Frau Lohfink ist nicht Opfer einer Sexualstraftat geworden. Sie hat gelogen und Ermittler bewusst in die Irre geführt."

Der Urteilsspruch wurde mit Buhrufen aus dem Publikum quittiert. Lohfink verließ noch während der Urteilsverkündung den Gerichtssaal. Die Verteidigung hatte Freispruch für ihre Mandantin gefordert. Lohfinks Anwalt Burkhard Benecken will gegen die Verurteilung in Berufung gehen. "Das Urteil ist ein Skandal", sagte Benecken. Er wolle mit Lohfink besprechen, ob sie die Kraft für die Berufung habe. Er mache sich jetzt Sorgen um alle Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen wollten.

Lohfink hatte in ihrer letzten Stellungnahme unter Tränen gesagt, was die beiden Männer ihr angetan hätten, sei pervers und gemein gewesen. Sie habe den Sex nicht gewollt und auch nicht gefilmt werden wollen.

Das Gericht warf der 29-Jährigen widersprüchliche Angaben in mehreren Punkten vor. Außerdem seien die Handybilder und -videos von der Nacht der angeblichen Vergewaltigung erheblich umfangreicher als die der Öffentlichkeit bekannten Ausschnitte. Zwang oder Gewalt seien darauf nicht zu erkennen.

Am letzten Verhandlungstag hatte ein Sachverständiger zudem den Einsatz von K.-o.-Tropfen mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen. Der Medikamenten- und Drogenexperte Torsten Binscheck-Domaß sagte, Lohfink sei in der umstrittenen Nacht wach, ansprechbar und orientiert gewesen. Das ergebe sich aus den Videofilmen, die in der Nacht gemacht wurden. Es gebe keine Anhaltspunkte für K.-o.-Tropfen. Unter deren Wirkung könne man keine Pizza bestellen und mit der Managerin telefonieren, sagte der Sachverständige.

Auch wurden zwei Zeuginnen der Verteidigung gehört. Dabei handelte es sich um eine Ex-Freundin von Sebastian C. sowie um eine Frau, die Lohfink und Pardis F. beim Verlassen eines Berliner Nachtclubs gesehen haben will.

Lohfinks Anwalt Benecken und sein Kollege Christian Simonis mussten sich vom Gericht harsche Kritik anhören. Die Anwälte hätten "schon in außergewöhnlicher Art und Weise dieses Verfahren für nicht prozessrelevante Interessen missbraucht", sagte Richterin Antje Ebner. Die im Internet verbreiteten Handyvideos von dem Geschlechtsverkehr zwischen Lohfink und ihren Bekannten hatten eine Debatte über das Sexualstrafrecht und den Umgang mit möglichen Opfern und Beschuldigten angestoßen.

"Nicht hier, um berühmt zu werden"

Die Richterin sagte, Lohfink habe durch ihre Vergewaltigungsvorwürfe große Aufmerksamkeit erfahren, die "medial auch ausgenutzt wurde". Als Motiv für ihre erlogene Vergewaltigungsgeschichte vermutete Ebner Scham über die im Internet verbreiteten Sexvideos. Lohfink habe es in der Folge verpasst, die einmal in die Öffentlichkeit gelangten Vorwürfe zurückzunehmen, und stattdessen die Aufmerksamkeit für sich genutzt. Genau das hatte Lohfink in ihren letzten Worten bestritten. "Ich bin gar nicht hier, um berühmt zu werden", sagte sie unter Tränen.

Benecken hatte in seinem Plädoyer gesagt, dass es durch Lohfinks Auftreten gelungen sei, eine Verschärfung des Sexualstrafrechts herbeizuführen. Das sei "ein riesengroßer Erfolg", sagte Benecken über die im Juli vom Bundestag beschlossene Strafrechtsreform. Doch dem widersprach die Richterin entschieden: Die Gesetzesnovelle sei allein auf die sexuellen Übergriffe während der Kölner Silvesternacht sowie auf die Umsetzung der sogenannten Istanbul-Konvention zurückzuführen, ein Übereinkommen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.

Sebastian C., der zusammen mit seinem Bekannten Pardis F. an einem Juniwochenende im Jahr 2012 mit Lohfink Geschlechtsverkehr hatte, nahm das Urteil sichtlich erleichtert zur Kenntnis. F. hatte einen Strafbefehl wegen der Verbreitung der Bilder akzeptiert, das Verfahren gegen C. läuft noch.