Nach der Schließung der regierungskritischen Zeitung Zaman durch die Regierung in der Türkei wird die gedruckte Ausgabe auch in Deutschland zum 30. November eingestellt. Nachdem die Abonnentenzahl der Gülen-nahen türkischsprachigen Zeitung spürbar gesunken ist, hat sich die Geschäftsleitung in Offenbach für die Schließung der Berliner Redaktion entschieden. Ob es mit der Internetversion Zaman-online weitergeht, sei noch unklar. Wahrscheinlich stehe auch in diesem Fall die Schließung bevor, sagte Zaman-Vorstandsmitglied Mustafa Altas.

"Unsere Abonnenten werden besucht, sie werden bedroht, dass sie – wenn sie weiter abonnieren – Schwierigkeiten bekommen würden", sagte der ehemalige Zaman-Chefredakteur und Nochkolumnist Süleyman Bağ zu dem Schritt. Die Zeitung wolle aber weder, "dass Kollegen zu Schaden kommen noch unsere Abonnenten, die uns die Treue halten".

Die Zaman ist aus der Hizmet-Bewegung des Predigers Fethullah Gülen hervorgegangen. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan macht Gülen für den versuchten Putsch verantwortlich. Bereits vor rund zwei Wochen stellte die französische Zaman-Ausgabe ihr Erscheinen ein. In der Türkei war Zaman gemeinsam mit zahlreichen anderen Gülen-nahen Medien nach dem Putschversuch Mitte Juli per Dekret geschlossen worden. Zuvor war das Blatt bereits unter staatliche Zwangsverwaltung und auf Regierungskurs gezwungen worden.

"Die neuen Fakten in der Türkei reichen bis nach Deutschland", sagte Bağ. Die Auflage der deutschen Zaman ist zuletzt deutlich zurückgegangen, 2010 bezogen sie noch etwa 30.000 Menschen, derzeit seien es knapp 10.000, sagte Altas. Dursun Çelik, Leiter des Berliner Büros, erklärte dazu: "Die Bezieher erhalten Drohungen und Anschuldigungen, gegen die Regierung zu sein oder den Putsch zu unterstützen."