Noch hat Heiko Kaschel das Steuer selbst in der Hand. © Elisabeth Rank für ZEIT ONLINE

Objects in mirror are closer than they appear, steht an amerikanischen Autospiegeln häufig. Die Zukunft ist nah, die selbstfahrenden Lastwagen rollen bereits. Nun könnte man meinen, das sei nicht schlimm. Den ganzen Tag in so einem Auto, wer will das schon. Wenn der Autopilot das übernimmt, kann man sich zurücklehnen, das ist doch schön. Eine Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigte bereits, dass sich die Ansprüche der Deutschen an ihre Jobs stark unterscheiden. Die Zufriedenheit mit dem eigenen Job hängt für jeden mit anderen Faktoren zusammen: Wie verbunden bin ich mit meinem Arbeitsplatz? Welche Karriere kann ich machen? Fühle ich mich akzeptiert und respektiert? Kann ich meinem Chef vertrauen? Geht es gerecht zu? Kann ich Familie und Privatleben mit dem Job vereinbaren und wenn nicht, wie wird dieses Defizit ausgeglichen? Den einen guten Job gibt es nicht.

Auch Kaschel denkt in letzter Zeit häufiger darüber nach, wie es wäre, mehr zu Hause zu sein, abends noch was unternehmen zu können mit Freunden. Seine Beziehung ging nach zehn Jahren in die Brüche. Auch für seine Tochter, die alle 14 Tage bei ihm ist, wäre er gern häufiger da. Oder abends mal Sport. Busfahren könnte er sich vorstellen, da würden sie auch händeringend suchen. Noch.

Er will sich gebraucht fühlen

Computer brauchen kein Glück. Computer sind trotz schlechter Löhne günstiger, schlafen nicht, werden selten krank. Vielleicht klingelt jetzt das bedingungslose Grundeinkommen beim Rest der Welt? Finnland testet dieses Modell als erstes Land auf nationaler Ebene. Schön und gut, findet Kaschel, "dann kann man sich auch mal eine größere Auszeit gönnen". Arbeiten würde er trotzdem weiter, wenn er jeden Monat einen Festbetrag bekäme. Er will sich gebraucht fühlen. An seinen Eltern habe er gesehen, wie sehr man nach der Rente abbaut, wenn man sich nicht beschäftigt hält. Sein Vater arbeitete immer weiter, wenn auch nur ein paar Stunden am Tag, kleine Botenjobs habe er gemacht trotz Krankheit. "Ein guter Job hält dich am Leben", sagt Lüdtke.

Drinnen ist alles wie immer. Ein paar Geräte wurden erneuert, ein paar sind dazugekommen. Satellitenschüsseln gab es irgendwann, Fernseher. Die Veränderungen im Inneren vollziehen sich langsamer. Auch beim Menschen. Man gewöhnt sich nicht gerne um. Doch genau daran werden wir uns gewöhnen müssen. Das Draußen fliegt so schnell vorbei, man muss die ganze Zeit aufpassen, weil man es nicht spürt. Kein Wind, kein Lärm. Wer fragt, was eine gute Arbeit ist, fragt gleichzeitig noch immer: Was ist ein gutes Leben?

In einem guten Leben weiß man, was man wert ist. Selbstwert definieren viele Menschen heutzutage noch immer über ihren Beruf, eine Aufgabe. Welche Jobs es aber wert sind zu bleiben, darüber richtet gerade vor allem Wirtschaftlichkeit. Effizienz und Produktivität sind die Gewinner, Umweltschutz und Sicherheit kommen kurz danach. Nein sagen kann dazu niemand. Doch es fehlt an Antworten auf die Frage, was mit den Menschen passiert, die rausfallen aus der Hitliste. Wer erzählt, dass er im hohen Alter noch einmal die Branche gewechselt hat, gar wechseln musste, wird nicht als neugieriger, mutiger Held gefeiert, sondern mit Mitleid bedacht, nicht ernstgenommen und schon gar nicht eingestellt. Die wenigsten schaffen gerade in höherem Alter und ohne akademischen Abschluss noch eine saubere Wende, auch wenn sie gern würden. Späte Neuanfänge sind schwer. Ohne Anschluss kommt der Sinn des Lebens schnell abhanden.

Wie es sein soll ohne Job, können sich Kaschel und Lüdtke nicht vorstellen. "Zur Not fahre ich als Beifahrer mit", sagt Kaschel, "aber nur, wenn es sein muss." Aufhören und sich zurücklehnen geht nicht. Er isst jetzt abends auch häufiger Salat: "Man wird ja nicht jünger."