Read the English version of this article here.

Jetzt ist die Welt also wieder in Ordnung. Die USA gehören wieder den Weißen und die Hispanics, die Schwarzen, die Homosexuellen, die Intellektuellen, die Liberalen und all die anderen, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts in den Demokratien des Westens um Sichtbarkeit und Gleichberechtigung gekämpft haben, sind auf ihre Plätze verwiesen worden. Es ist eine Tragödie.

Es ist kein Kampf der Armen gegen die Reichen gewesen: Nicht nur die weißen Arbeiter haben für Donald Trump gestimmt. Auch mehr als die Hälfte der weißen Männer mit Universitätsabschluss und einem Jahreseinkommen von 50.000 Dollar haben sich für Trump ausgesprochen. Das entscheidende Merkmal, das die Wähler von Donald Trump verbindet, ist nicht die soziale Klasse, sondern die Hautfarbe. Dieser Wahlsieg ist nicht das Ergebnis eines Klassen-, sondern eines Kulturkampfes.

Was man nicht vergessen darf: Es ist gerade einmal eine Generation her, dass volle Kirchen in den weißen Vororten, patriarchalisch geführte Familien, ethnisch homogene Büros von den meisten Amerikanern und Westeuropäern als selbstverständlich aufgefasst wurden. Erst die kulturelle Revolution von 1968 hat entdeckt, dass es politische Gruppen gibt, die im politischen Prozess nicht zu Wort kommen: Frauen, Homosexuelle, ethnische Minderheiten.

Müssten nicht alle zufrieden sein?

Der Schriftsteller Philip Roth hat in seinem Roman Amerikanisches Idyll beschrieben, wie diese Ordnung kollabiert ist und eine junge Generation ihren bürgerlichen Eltern ihre Heuchelei um die Ohren gehauen hat. Eine Demokratie, die ganze Bevölkerungsschichten nicht abbildete, war ihres Namens nicht wert.

Heute sitzt diese Generation an den Schaltstellen der Macht: Sie hat die Globalisierung modelliert, den farbenblinden Neoliberalismus erfunden, sie will den Menschen durch Technologie befreien, sie schreibt die Leitartikel, führt die Konzerne, tritt für eine "Ehe für alle" und die Legalisierung von Cannabis ein.

Und sie ist selbstverständlich davon ausgegangen, dass ihre kulturelle Dominanz allen nützen würde. Sie hat geglaubt, dass sich auch die Reaktionäre in der Welt, die sie da erschafften, würden einrichten können. Schließlich büßten diese Leute nichts ein, nur weil Homosexuelle heiraten und Kiffer kiffen konnten. Alle würden in dieser Welt ihren Platz haben.

Diese Revolution wurde von den Theoretikern der Postmoderne begleitet. Sie saßen in Paris, Princeton und Berkeley, und sie postulierten, dass Wirklichkeit durch Sprache hergestellt wird, dass die Antwort immer von der Frage abhängt, dass politische Verhältnisse verändert werden können, indem man andere von ihnen sprechen lässt. Die gesellschaftliche Ordnung, die Sprache, die Weltanschauung, die ihre Eltern für Naturgesetze hielten, all das war künstlich und gebaut, und das bedeutete wiederum, dass man es umbauen konnte.

Dass allerdings schon der Verlust der exponierten Stellung als Demütigung empfunden werden konnte, darauf ist niemand gekommen. Dass Gleichberechtigung nicht unbedingt ein Ideal ist, wenn man zuvor das Premiumpaket gebucht hatte und besser behandelt wurde als alle anderen, das kam niemandem in den Sinn. In einer gerechteren, liberaleren Welt müssten doch bitte alle zufriedener sein.