Der Pegida-Gründer Lutz Bachmann erfährt es gerade am eigenen Leib: Kriminelle Ausländer, die sich im Rahmen des europäischen Freizügigkeitsabkommens in Europa niederlassen wollen, haben es schwer. Sie werden stigmatisiert, Resozialisierungsprogramme sind rar, eine zweite Chance wird ihnen von der Gesellschaft oft verwehrt. Wenn sie es dann noch mit einer breiten, politischen Front gegen sich zu tun haben, dann, ja was dann? Es ist ein Jammer, dass sich die Medien an manchen Themen länger aufhalten und andere Meldungen über das Wochenende einfach so verschwinden.

Dabei gilt es kurz, innezuhalten und einige Aspekte zu beleuchten. Was passiert nun mit Lutz Bachmann, der vom Regionalparlament der Insel Teneriffa zur persona non grata, also zur unerwünschten Person erklärt wurde?

1.
Warum läuft ein deutschnationaler Politaktivist, der seine öffentlichen Ansprachen in Deutschland stets mit "Liebe Patrioten" beginnt, heimlich wie ein Fahnenflüchtiger weg? Und dann auch noch nach Teneriffa? Holger Apfel von der NPD hat es richtig vorgemacht: wenn schon abhauen, dann ins 17. Bundesland, nach Mallorca. Dort überrollt man dann eine Traditionskneipe, nimmt den Spaniern die Arbeit weg und verkauft deutsche Schnitzel. So funktioniert der arbeitsökonomische Blitzkrieg! Zugegeben, ganz neu ist das Modell nicht. Schon der Führer entdeckte die Work-Life-Balance, indem er mehrere Monate auf dem Obersalzberg Homeoffice machte, aber eben in Deutschland und nicht im Ausland!

Bachmann hingegen hat seinen Wohnsitz völlig ins Ausland verlagert und ließ sich von seiner Rivalin Tatjana Festerling verpetzen. Ein klassischer Fall von Verrat unter Kameraden. Was aber war das Motiv für den Wegzug? Von Gastarbeiterschaft kann keine Rede sein, eine Tätigkeit im Sinne einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung kann der Kleinkriminelle Bachmann auf Teneriffa nicht vorweisen. Oder aber es droht dem Abendland keine Islamisierung mehr, weshalb der Kriegsherr das Schlachtfeld verlässt. Bleibt also nur noch Deutschenfeindlichkeit.

2.
Selten sind sich Politiker über Parteigrenzen hinweg einig. Auf Teneriffa aber hat das Parlament einstimmig beschlossen, dass Bachmann dort nicht erwünscht ist. Die Begründung dafür liest sich wie eine Warnung aus dem Robert-Koch-Institut, wenn es über schwere Seuchenerkrankungen wie die Vogelgrippe oder Sars informiert. Bachmann sei "wie ein Virus", sagte der Podemos-Sprecher. Bachmanns Anwesenheit, so der stellvertretende Präsident der Inselverwaltung von der konservativen CC-Partei, sei "traurig" und "furchtbar", die Verlautbarung solle wie eine "Impfung" wirken. Außerdem sei es eine moralische Pflicht, einem Rassisten so und nicht anders gegenüberzutreten. Dass Bachmann mehrfach vorbestraft ist, mache ebenfalls keinen guten Eindruck. Mit anderen Worten, die Spanier wehren sich gegen die Kriminalisierung ihrer Insel, ihre Obergrenze für Rassismus beginnt bei einer Person. 

Dabei sind sie einiges aus Deutschland gewöhnt. Sie nahmen ohne mit der Wimper zu zucken Jürgen Drews ("Mussolini war ja hoch intelligent"), den Wendler ("Gott ist Wendler-Fan") oder Mickie Krause ("Biste braun, kriegste Fraun"). Aber bei Bachmann soll der Spaß aufhören. Wenn man jetzt schon verbannt und verflucht wird, bloß weil man Ängste und Sorgen äußert, ist die Demokratie in höchstem Maße gefährdet. Was Teneriffa hier macht, ist ein Affront gegen die hiesige Mentalität. Bachmann hat rübergemacht, seine Leute aber hier gelassen. Teile der Bundesregierung betrachten die Angelegenheit Pegida nämlich ganz und gar nicht als Seuche, sondern als Ausdruck einer gesunden Demokratie.