Verstorben 2016

28. Dezember: Debbie Reynolds

Ihr Aufstieg war steil: Nach nur wenigen Statisten- und Nebenrollen bekam Debbie Reynolds 1952 die Hauptrolle in dem Musicalklassiker Singin' in the Rain. Ihr Partner Gene Kelly hatte Bedenken, da die 19-Jährige kaum Tanzerfahrung hatte, doch Reynolds biss sich durch und eroberte die Herzen der Kinozuschauer. An diesen Erfolg reichte sie im Laufe ihrer Karriere zwar nicht mehr ganz heran, dennoch war sie bis ins hohe Alter eine viel beschäftigte Schauspielerin. Für ihre Rolle in dem Musical The Unsinkable Molly Brown wurde sie 1965 für den Oscar als Beste Hauptdarstellerin nominiert.

Ihr Privatleben war aufreibend und fand unter ständiger Beobachtung der Klatschpresse statt. Der Vater ihrer beiden Kinder, der Entertainer Eddie Fisher, verließ die Familie für Elizabeth Taylor und zahlte keine Alimente. Auch ihre beiden weiteren Ehemänner hätten sie finanziell ausgenommen, beklagte Reynolds später. Um ihre Schulden begleichen zu können, tourte sie in den siebziger Jahren unablässig mit ihrer Musikshow. Einen Tag nach dem überraschenden Tod ihrer Tochter Carrie Fisher erlitt Reynolds einen Schlaganfall. Sie starb im Alter von 84 Jahren in Los Angeles. 


27. Dezember: Hans Tietmeyer

Als unerbittlicher deutscher Sparer macht man sich keine Freunde. Das weiß Finanzminister Wolfgang Schäuble und das war auch Hans Tietmeyer klar, der von 1993 bis 1999 Präsident der Deutschen Bundesbank war. "Stabilitätsfanatiker", "Hohepriester der Mark" – solche Zuschreibungen musste er sich gefallen lassen. Seine Karriere führte ihn vom Wirtschaftsministerium über das Amt des Finanzstaatssekretärs und des wichtigen Ratgebers für Bundeskanzler Helmut Kohl an die Spitze der Bundesbank. Tietmeyer kämpfte für eine Zentralbank, die unabhängig von der Politik die Stabilität der Währung garantiert.

Deutschland habe bei einer Währungsunion "viel zu verlieren", sagte Tietmeyer 1990, "nämlich eine der erfolgreichsten und besten Geldverfassungen der Welt". Trotzdem half er, dem Euro den Weg zu ebnen und anfängliche Turbulenzen abzufangen. Noch 2008 erklärte er die gemeinsame europäische Währung zum Erfolg. Was er wohl heute zur Lage der europäischen Währung und Europas sagen würde?

Der Ökonom Tietmeyer steht für die alte, heute oftmals verklärte Bundesrepublik: Er stammt aus einem westfälischen Dorf, einem kirchlich orientierten Beamtenhaushalt mit elf Kindern, in dem das Geld knapp war. In Porträts wird er Marktwirtschaftler genannt, konservativ, katholisch, Workaholic. Der Prediger eines seelenlosen Kapitalismus aber war er nicht. Wettbewerbspolitik, Sozialpolitik, Ordnungspolitik – auch das hatte er im Sinn. Mit 85 Jahren hat er sich nun von einem Europa verabschiedet, das über diese Balance wieder diskutieren muss. Lesen Sie hier unseren Nachruf



Carrie Fisher am Set von "Das Imperium schlägt zurück" © Lucasfilm/Sunset Boulevard/Corbis via Getty Images

27. Dezember: Carrie Fisher

Sie war sehr hübsch, sehr schelmisch, vor allem aber: Prinzessin Leia. Carrie Fischer war erst 20 Jahre alt, als sie unter George Lucas den ersten Teil des Blockbuster-Universums Star Wars drehte und in der Rolle der Leia Organa weltberühmt wurde. Im Gegensatz zu ihrem Filmpartner Harrison Ford schaffte es Fisher später kaum, sich vom Image dieser Sternenprinzessin zu lösen. Sie schauspielerte weiterhin und bewies zum Beispiel in ihrer Nebenrolle in Harry und Sally ihr komödiantisches Talent, doch vor allem arbeitete sie mit Texten. Sie schrieb etliche eigene Bücher und überarbeitete Drehbücher wie jene zu Sister Act und The Wedding Singer. Im kommenden Jahr wird sie ein letztes Mal bei uns im Kino zu sehen sein: dann wieder als Prinzessin Leia in Episode VIII. Lesen Sie hier unseren Nachruf

27. Dezember: Vera Rubin

Dunkle Materie ist für das Universum wie Luft für den Menschen: allgegenwärtig, notwendig, unsichtbar, aber zu bemerken. Und damit eines der großen Mysterien des Alls. Erstmals nachgewiesen wurde Dunkle Materie von der Astronomin Vera Rubin in den siebziger Jahren. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Unter anderem wurde sie 1981 in die US-Akademie der Wissenschaften gewählt – als zweite Frau überhaupt. Und der damalige US-Präsident Bill Clinton verlieh ihr 1993 die National Medal of Science.

Ihre bedeutendste Entdeckung gelang Rubin, als sie mit ihrem Kollegen Kent Ford die Andromeda-Galaxie am Carnegie Institution of Washington erforschte. Der Sternhaufen verhielt sich nicht, wie er sollte: Die Sterne im Zentrum der Galaxie waren genauso schnell wie am Rande – und nicht langsamer wie angenommen. Daraus leitete Vera Rubin die Existenz der unsichtbaren Masse ab. Heute gehen Physiker davon aus, dass diese 90 Prozent des Universums ausmacht. Die Theorie der Dunklen Materie war schon 1933 von dem Schweizer Astrophysiker Fritz Zwicky vorgestellt worden, erst die Amerikanerin konnte jedoch deren Existenz bestätigen. Rubin starb im Alter von 88 Jahren in der Gegend von Princeton im US-Bundesstaat New Jersey.



George Michael bei einem Auftritt in Wien 2012 © Heinz-Peter Bader/Reuters

25. Dezember: George Michael

Er war ein Superstar und wurde dennoch oft unterschätzt. Nach drei Jahrzehnten im Popgeschäft galt George Michael vielen als harmloser Großgestensänger, als Urheber des nervigsten Weihnachtslieds aller Zeiten, auch das Image des virilen Draufgängers aus Wham!-Tagen haftete ihm bis zum Schluss an. Dass er als Songschreiber über ein begnadetes Musikverständnis verfügte – Careless Whisper schrieb er mit 17 Jahren – und auch noch fähig war, für unterschiedlichste Gefühlslagen die perfekte Stimme zu finden, sind seltene Qualitäten im hellen Scheinwerferlicht. 

George Michael haderte schon früh mit seinem Ruhm und der öffentlichen Beobachtung, der er seit 1984 ausgesetzt war. Nicht zuletzt, weil er fürchten musste, seine Homosexualität könne seiner Karriere schaden. 1998, nachdem alle Welt von der US-amerikanischen Polizei erfahren hatte, dass Michael Männer liebte, drehte er den Spieß um: Im Song Outside thematisierte der Brite die Tabuisierung von gleichgeschlechtlichem Sex. Seine homoerotische Parodie wurde ein Riesenerfolg, zumindest in Europa. In den letzten Jahren war es ruhig um ihn geworden. Immer wieder war die Rede davon, er käme von den Drogen nicht los. Seinen letzten großen Auftritt hatte er 2012 bei der Abschlussfeier der Olympischen Sommerspiele in London. Wie es aus seinem privaten Umfeld hieß, sei George Michael in der Nacht des Heiligen Abends im Alter von 53 Jahren entschlafen. Lesen Sie hier unseren Nachruf


Zsa Zsa Gabor 1952 in dem Film "Moulin Rouge" © Archive Photos/Getty Images

18. Dezember: Zsa Zsa Gabor

Eine Expertin im Heiraten, nebenbei auch noch Schauspielerin: Zsa Zsa Gabor war berühmt fürs Berühmtsein. Diese Prominenz hatte sie vor allem durch ihre zahlreichen Ehen erreicht, von denen jede sie auf zauberhafte Weise wohlhabender machte als zuvor. Als junge Miss Ungarn hatte sie in Wien Musicalgesang gelernt und war Anfang der vierziger Jahre nach Hollywood übergesiedelt. Zack – Hochzeit mit Conrad Hilton, dem Hotelmagnaten.

Die reichen Ehemänner gaben sich die Klinke in die Hand, Gabor spielte insgesamt mehr als 80 Filmrollen, nichts von Weltqualität, aber dank ihrer Ausstrahlung, den zahlreichen Affären und Allüren sowie ihrem Humor wurde sie zum Liebling der Klatschmedien. Acht bis neun Ehen sind überliefert. Ihre Techtelmechtel mit Sean Connery und Richard Burton waren einst die heißesten Themen unter der Trockenhaube. Die letzten 30 Jahre ihres Lebens verbrachte Gabor mit Hans-Robert Lichtenberg, der sich einst den Titel Prinz Frédéric von Anhalt gekauft hatte. Sie schienen sich gut zu verstehen. Zsa Zsa Gabor starb nur wenige Wochen vor ihrem 100. Geburtstag an den Folgen eines Herzinfarkts. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Hildegard Hamm-Brücher an ihrem 90. Geburtstag © Peter Kneffel/dpa

9. Dezember: Hildegard Hamm-Brücher

Sie war die Grande Dame der FDP, eine leidenschaftliche Sozialliberale und Kämpferin für die Demokratie. Ihr Thema war lange Zeit die Bildungspolitik, in der sie sich als Abgeordnete in Bayern, im Bundestag und als Staatssekretärin in Hessen und im Bund früh für Reformen und eine Demokratisierung einsetzte. Vor allem aber kämpfte Hildegard Hamm-Brücher in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik gegen reaktionäre und restaurative Kräfte. In ihren letzten Lebensjahren versuchte sie, die zunehmende Entfremdung zwischen dem Volk und den Politikern und demokratischen Institutionen zu überwinden.

In die Politik (und die FDP) geholt hatte sie 1946 der spätere erste Bundespräsident Theodor Heuss. Die sozialliberale Koalition von 1969 bis 1982 empfand sie als ihre "beste, befriedigendste und erfolgreichste Zeit". Die Wende ihrer Partei von der SPD zur CDU durch ein konstruktives Misstrauensvotum gegen Kanzler Helmut Schmidt geißelte sie in einer denkwürdigen Rede im Bundestag. Schmidt ohne das Votum der Wähler zu stürzen, habe "das Odium des verletzten demokratischen Anstands". Es kostete sie alle politische Ämter.

1994 nominierte die FDP sie als (chancenlose) Bundespräsidenten-Kandidatin. 2002 verließ Hamm-Brücher die Partei, aus Protest gegen antisemitische Umtriebe des stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Möllemann, den der damalige Vorsitzende Guido Westerwelle ihrer Meinung nach zu lange gewähren ließ. Detlef Esslinger schrieb in der Süddeutschen Zeitung, Hamm-Brücher sei die wohl beste Bundespräsidentin gewesen, die Deutschland nie gehabt habe. Sie starb mit 95 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf

November

27. November: Peter Hintze

Es gibt nicht viele Politiker, die immer in der zweiten Reihe bleiben und dennoch viel bedeuten. Peter Hintze war so einer. Der frühere evangelische Pfarrer war unter Helmut Kohl CDU-Generalsekretär und erfand für ihn die "Rote-Socken"-Kampagne, mit der der Pfälzer 1994 die SPD besiegte. Nach der Wahlniederlage 1998 war Hintze einer der wenigen Kohl-Getreuen, der Einfluss behielt. Als Staatssekretär im Familienministerium weihte er Anfang der neunziger Jahre Angela Merkel in die Bonner Welt ein und brachte sie mit den "Jungen Wilden" aus der Unionsfraktion zusammen: Peter Altmeier, Norbert Röttgen, Roland Pofalla und Hermann Gröhe. Hintze wurde einer der engsten Berater der Kanzlerin, Merkel hätte ihn 2005 gern ins Kanzleramt geholt, doch Hintze wurde lieber Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und Koordinator für die Luft- und Raumfahrt.

Mit seinem hellen Intellekt und seiner rheinischen Fröhlichkeit war er über die Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg beliebt und anerkannt. In den letzten Jahren setzte sich der Theologe vor allem für biomedizinische und -ethische Fragen ein – gegen die Linie der eigenen Partei und der Kirchen. So focht er als Vater eines behinderten Sohnes erfolgreich für eine begrenzte Freigabe der Präimplantationsdiagnostik (PID). Und er kämpfte für eine liberale Linie bei der Sterbehilfe. Hintze starb mit 66 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Fidel Castro in Havanna im Jahr 2006 © Adalberto Roque/AFP/Getty Images

25. November: Fidel Castro

Seine Lebenleistungen? Die Vertreibung des Diktators Batista, eine große Landreform, garantierte Bildung und Gesundheitsversorgung für alle. Das klingt nach viel – auf die Dauer reichte es aber nicht, was der legendäre Fidel Castro seinem Volk zu bieten hatte. Kaum war Castro in Havanna an der Macht, begann er damit, eine stramme Parteidiktatur aufzubauen. Als selbsternannter Antiimperialist traf er mit seinem smarten Auftreten besonders im Westen den linken Zeitgeist der sechziger Jahre.

Weniger beliebt war er beim großen Nachbarn USA, was natürlich viel mit seiner Sowjet-Verbrüderung zu tun hatte. Als die UdSSR jedoch 1989 die Wirtschaftshilfen einstellte, ging es mit den Lebensumständen in Kuba endgültig bergab: während der von der Regierung euphemistisch "Sonderperiode" genannten Zeit in den Neunzigern litten viele Menschen unter der Nahrungsmittelknappheit. Aus gesundheitlichen Gründen übergab Castro ab 2006 die Regierungsgeschäfte sukzessive seinem jüngeren Bruder Raúl, der dann umsetzte, was Fidel nie wollte: ein wenig Markt und Kommerz sowie Kontakte zu den USA. Fidel Castro starb im Alter von – offiziell – 90 Jahren in Havanna. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Sharon Jones 2014 auf dem Jazz Fest Vienna © Georg Hochmuth/DPA

18. November: Sharon Jones

Zu klein, zu dunkelhäutig, zu dick fürs Showgeschäft? Als Sharon Jones in den achtziger Jahren mit ihrer großartigen Soulstimme Geld verdienen wollte, lehnte man sie ab. Dass sie im Alter von 45 Jahren zum Publikumsliebling wurde, mit allem, was sie ausmacht, gibt Anlass zur Hoffnung, dass gute Musik immer Gehör finden wird und dass Rassismus und Sizeismus überwunden werden können.  

Jones' Erfolg ist eng verbunden mit der Gründung des Labels Daptone Records und dem Ruhm ihrer Backing Band, den fabelhaften Dap-Kings, die sich Amy Winehouse kurzerhand auslieh. Es war dieser raue Old-School-R'n'B, der Anfang der Nuller Jahre seinen zweiten Frühling erlebte. Sharon Jones brachte dem Showgeschäft eine bodenständige Ehrlichkeit zurück, die sich zwischen Kotelettkleidern und Lack-Catsuits längst verflüchtigt hatte. Sie starb im Alter von 60 Jahren an Krebs.



11. November: Ilse Aichinger

Ihr Lächeln rühre daher, hat Ilse Aichinger einmal gesagt, dass sie einen solchen Zorn auf die Welt habe. Es war Teil nicht nur ihres Lebens-, sondern auch ihres poetologischen Programms, diesem Zorn nicht mit großer Geste, sondern durch die Kunst der sukzessiven Verknappung, der Aussparung, eine Stimme zu verleihen. 

Die Schriftstellerin, die 1942 in Wien die Deportation von Angehörigen miterleben musste, erzählt in ihrem 1948 erschienenen Roman Die größere Hoffnung in verfremdeten, bis heute faszinierenden Bildern von der Bedrohung durch das NS-Regime und dem kindlichen Widerstand dagegen. Wenige Tage nach ihrem 95. Geburtstag ist Ilse Aichinger in ihrer Geburtsstadt Wien gestorben. Lesen Sie hier unseren Nachruf

7. November: Leonard Cohen

Die Familie, in die Leonard Cohen 1934 hineingeboren wurde, gehörte in der kanadischen Stadt Westmount einer Art jüdischem Adel an, sie stellte stadtbekannte Rabbis und Fabrikanten. Die Shoah spielte sich zwar auf der anderen Seite des Atlantiks ab, trotzdem traf sie den jungen Leonard tief. Die bange theologische Vorhaltung, dass der Gott der Juden so etwas zugelassen hatte, prägte sein Werk bis zum Schluss.   

Noch bevor er seine erste Songzeile schrieb, hatte es Leonard Cohen als Dichter und Romanautor schon zu einiger Bekanntheit gebracht. Zu Weltruhm gelangte er allerdings erst als Musiker. Er hat Hymnen wie So long, Marianne, Suzanne oder Hallelujah geschrieben, eine Hitmaschine war er aber nie. Cohen war ein stiller Künstler, seine Lieder erkundeten die Schnittmenge zwischen Intimität, Sprache und Klang, und sie begleiteten seine Fans auf der ganzen Welt behutsam auf ihren Expeditionen in das eigene Selbst. Lesen Sie hier unseren Nachruf von Fabian Wolff und eine Würdigung von Florian Werner

2. November: Oleg Popow

Er war einer der letzten großen Clowns. Mehr als 60 Jahre stand er in der Manege. Geboren wurde Oleg Konstantinowitsch Popow 1930 in einem Vorort von Moskau. Nach ersten Auftritten in der russischen Provinz kam er 1955 zum Moskauer Staatszirkus, dessen wichtigster Artist er wurde. Popow wurde auf der ganzen Welt gefeiert, 1969 wurde er mit dem Titel "Volkskünstler der Sowjetunion" geehrt.

Vielleicht war Popow gerade deshalb so ein begnadeter Clown, weil er die Härten des Lebens kannte. Er wuchs in Armut auf, sein Vater starb, als er sieben Jahre alt war. "Ich versuche, gut zu sein, aber man geht das ganze Leben über Dornen, bis man zur Blume kommt", sagte er 2013 dem ZEITmagazin. "Ich bin noch auf dem Weg. Erst wenn die Blumen auf meinem Grab liegen, bin ich angekommen."

Als seine erste Frau 1990 starb, musste Popow dennoch auftreten, "es war eine furchtbare Situation für mich". Mit seiner zweiten Frau Gabriele, einer Deutschen, lebte Popow im fränkischen Ort Egloffstein. Er reiste aber immer wieder zu Gastauftritten in seine russische Heimat. Während einer Tournee ist er dort, in der Stadt Rostow, gestorben. Er wurde 86 Jahre alt.

Oktober

Manfred Krug © Ulli Winkler/Ullstein Bild

21. Oktober: Manfred Krug

Manfred Krug hatte in seinem Leben mindestens zwei Karrieren. Als junger Mann war er einer der populärsten Schauspieler der DDR und ein gefeierter Jazzinterpret. Doch auch er blieb von staatlicher Zensur nicht verschont: Sein heute berühmtester Film, Frank Beyers Spur der Steine, wurde 1965 von der SED verboten. 1976, beendete Krug diese erste Karriere, indem er die Protestnote gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnete. Er wurde kalt gestellt, bekam keine Rollen mehr und wanderte 1977 mit seiner Familie aus.

Die Rolle des Fernfahrers Franz Meersdonk in der ARD-Vorabendserie Auf Achse (1977-1992) machte ihn auch in Westdeutschland berühmt. Später wurden Krug und sein Kollege Charles Brauer die "Swinging Cops" des Tatort. Krugs Paraderolle aber bleibt die des unkonventionellen Anwalts in Liebling Kreuzberg, die ihm sein bester Freund Jurek Becker auf den Leib geschrieben hatte und die er von 1986 bis 1998 spielte. 2014 wurde er am Herzen operiert. Jazz sang er dennoch weiter und ging sogar noch auf Tour. Mit 79 Jahren starb Manfred Krug in Berlin. Lesen Sie hier unsere Themenseite u.a. mit Nachrufen von Armin Mueller-Stahl, Regine Sylvester und Christoph Dieckmann



Thailands König Bhumibol Adulyade bei einer Feier zu seinem 83. Geburtstag im Jahr 2010 © Pornchai Kittiwongsakul/AFP/Getty Images

13. Oktober: König Bhumibol Adulyadej

Wer jemals in Thailand war, kennt Bhumibols Konterfei: Ein Bild von Thailands König hängt dort in nahezu jedem Ladengeschäft und Restaurant. Das Volk verehrte ihn zutiefst. Bereits im Jahr 1950 war Bhumibol König geworden. Seitdem vermochte er eine Autorität aufzubauen, die es ihm ermöglichte, politisch zerstrittene Fraktionen im Staat zu befrieden.

Kritiker warfen ihm vor, dabei zu große Nähe zum mächtigen und wiederholt putschenden Militär gepflegt zu haben. In den fünfziger und sechziger Jahren gehörten Bhumibol und seine Frau Sirikit zu den Glamour-Paaren in der westlichen Boulevardpresse. Mit dem Alter wurde es ruhiger um sie. Thailands König starb im Alter von 88 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Dario Fo 2009 während des Karnevals in Venedig © Alessandro Bianchi/Reuters

13. Oktober: Dario Fo

Wenn Gelächter ein Laut der Vernunft ist, war Dario Fo einer der vernünftigsten. Seine Stücke, seine Travestien und Possen verspotteten Hoheiten und Exzellenzen. Der italienische Satiriker und Theaterautor ließ seine Stücke mit Vorliebe an ungewöhnlichen Orten aufführen: Die Fußgängerzone oder das Mailänder Piccolo-Theater waren ihm lieber als die große Stadttheaterbühne.

Als dieser volksnahe Autor, der immer wieder mit Auftrittsverboten belegt wurde, für sein Schaffen 1987 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, war das eine kleine Sensation. Bis zuletzt erhob Fo seine Stimme im politischen Kampf Italiens, gegen Berlusconis Meinungsmonopol genauso wie gegen dessen mafiöse Verstrickungen. Im Alter von 90 Jahren starb er in Mailand. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Andrzej Wajda 2013 bei den Filmfestspielen in Venedig © Gareth Cattermole/Getty Images

9. Oktober: Andrzej Wajda

In Polen kennt jeder Andrzej Wajda als den Regisseur, der in seiner Danziger Trilogie einen desillusionierten Blick auf den polnischen Kommunismus warf; der den Kampf der Heimatarmee im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis zeigte; der die Entstehung der Gewerkschaft Solidarność festhielt – Wajda erklärte den Polen ihr eigenes Land, das sie manchmal selbst nicht mehr verstanden. 

Dafür und für die leidenschaftliche Art und Weise, in der er dies tat, erhielt er auch im Ausland viel Anerkennung: Er bekam 1981 in Cannes die Goldene Palme für Der Mann aus Eisen, 2000 erhielt er den Oscar für sein Lebenswerk. Sein jüngster Film Powidoki (Nachbilder), der von dem Künstler Władysław Strzemiński in der Nachkriegszeit handelt, ist in diesem Jahr Polens Kandidat für den Oscar. Lesen Sie hier unseren Nachruf

September

28. September: Schimon Peres

Schimon Peres könnte man auch "Mr. Regierung von Israel" nennen: In seiner politischen Karriere nahm er ein Dutzend Ministerposten ein und war zweimal Premierminister. Von 1959 bis 2007 saß er zudem als Abgeordneter in der Knesset, von 2007 bis 2014 war er Staatspräsident. Wahrscheinlich hat kein Funktionsträger eines demokratischen Staates jemals so viele politische Ämter und Befugnisse inne gehabt wie er.

Peres kam 1923 als Szymon Perski in Polen auf die Welt; als nicht in Israel Geborener nahm er daher eine gewisse Außenseiterrolle ein. Im Gegensatz zu den meisten seiner Politikergeneration war er kein Armeegeneral, er organisierte aber im Unabhängigkeitskrieg 1948 Waffen im Ausland. Im Laufe seiner Karriere wandelte sich Peres vom Falken zur Taube. Im Westen galt er vielen als Vordenker eines "neuen Nahen Ostens", während ein Teil seiner Landsleute ihn als Träumer abtaten.

Als Außenminister unter Itzhak Rabin setzte er sich für den Dialog mit der PLO des damaligen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat ein und trieb das im Geheimen ausgehandelte Osloer Abkommen mit voran. 1994 wurde ihm dafür zusammen mit Rabin und Arafat der Friedensnobelpreis verliehen. Peres starb im Alter von 93 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Arnold Palmer 2008 bei einem Golfturnier in Augusta, Georgia © Hans Deryk/Reuters

25. September: Arnold Palmer

Der Amerikaner Arnold Palmer war der erste Golfstar der Welt. In den Fünfzigern und Sechzigern machte er den Sport in seiner Heimat, aber auch über sie hinaus populär. Viermal gewann er in dieser Zeit das US Masters, zweimal die British Open. Durch seinen Sport wurde er Millionär, außerdem erzielte er als einer der ersten Sportler hohe Einnahmen durch Werbung. 

Auch wegen seiner freundlichen Art galt der King of Golf Nachfolgern wie Tiger Woods als Vorbild. Erst mit 77 Jahren zog sich Palmer aus dem Turnierbetrieb zurück. Zehn Jahre später starb er in Pittsburgh.



Max Mannheimer © Alexandra Beier/Getty Images

23. September: Max Mannheimer

Er war einer der letzten bekannten Überlebenden des Holocaust, der aus eigener Anschauung von den Schrecknissen des NS-Vernichtungssystems berichten konnte. Und er tat es mit der ihm eigenen Gabe, auch grauenvollste Erinnerungen mit einem Stück Humor und der Hoffnung auf das Bessere im Menschen zu verbinden. 1920 im mährischen Neutitschein (Nový Jičín) geboren, war Mannheimer 1943 mit seiner Familie und seiner ersten Frau Eva nach Theresienstadt und dann nach Auschwitz deportiert worden. Seine Frau, seine Eltern und seine Geschwister wurden dort ermordet, nur sein Bruder Edgar überlebte mit ihm. Gemeinsam durchlitten sie auch noch die KZs Warschau und Dachau.

Wie viele Überlebende war Mannheimer ein später Zeitzeuge. Zwar schrieb er schon in den sechziger Jahren für seine Tochter ein Spätes Tagebuch, veröffentlicht wurde es jedoch erst 1985. Zu dieser Zeit begann er über die Leidenszeit zu sprechen, er hielt Vorträge, sprach in Schulen und wurde Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau, eines Zusammenschlusses ehemaliger KZ-Häftlinge. Bis zuletzt blieb er unermüdlich in seinem Kampf gegen das Vergessen. Er wusste, dass es bald keine Zeitzeugen mehr geben wird. Mannheimer starb in München mit 96 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf

21. September: Klaus Harpprecht

Er hätte es sich gemütlich machen können, aber auf den Gedanken kam er nicht: Der Journalist Klaus Harpprecht hat bis ins hohe Alter geschrieben, gestritten, Artikelserien entworfen. Gut möglich, dass ihm die politische Öffentlichkeit einfach zu wichtig war, als dass er sie unbeaufsichtigt hätte lassen können.

Als Kind hatte er die Schrecken des Nationalsozialismus erlebt, seine zwei Brüder starben im Krieg. In der Bundesrepublik stieg er sofort im Journalismus ein, arbeitete für verschiedene Redaktionen, übernahm die Leitung des S. Fischer Verlags, bis ihn Willy Brandt als Redenschreiber ins Kanzleramt holte. Seine Bücher handelten von Thomas Mann und Marion Dönhoff. 2014 veröffentlichte er seine Memoiren. Klaus Harpprecht ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Lesen Sie hier unseren Nachruf

19. September: Karl Dietrich Bracher

Im Sommer 1955 veröffentlichte Karl Dietrich Bracher eines der noch heute bedeutendsten zeitgeschichtlichen Werke: Die Auflösung der Weimarer Republik. Eine Studie zum Problem des Machtverfalls der Demokratie. Es hat die Politikwissenschaft der Bonner Republik maßgeblich geprägt. Mit peinlicher Akribie, ohne Dramatisierung habe Bracher das Drama der Weimarer Republik erzählt, das zur Auflösung geführt habe, aber nicht hätte führen müssen, hieß es 1984 dazu in der ZEIT. "Er erfaßt den verwirrenden Komplex von Anlässen und Ursachen, löst die einzelnen Geschehen auf und verknüpft sie wieder zur Übersichtlichkeit. So zeigt er den Faden, der durch das Labyrinth führt." Und das, obwohl der Althistoriker – 1922 in Stuttgart geboren – die Erste Republik nie bewusst erlebt hatte.

Die Habilitation begründete Brachers Ruhm. Später war er Gastprofessor in den USA, Großbritannien, Israel und Japan. Als Mitglied renommierter Forschungseinrichtungen und Akademien erhielt der Althistoriker zahlreiche Auszeichnungen sowie Ehrendoktorwürden. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Islam Karimow © Host Photo Agency/Ria Novosti/Getty Images

2. September: Islam Karimow

Zum Erbe der Sowjetunion gehörte ein Politikertyp, den man damals in der Kommunistendiktatur so nicht vermutet hatte: der Klanchef. So einer war Islam Karimow aus Usbekistan. Der 1938 in Samarkand geborene Karimow trat 1964 in die KPdSU ein. Der Ingenieur machte Karriere in der Staatsbürokratie und wurde 1989 noch von Michail Gorbatschow, dem letzten Staatschef der UdSSR, zum Vorsitzenden der Kommunistischen Partei der damaligen Usbekischen Sowjetrepublik ernannt.

Im August 1991 nutzte Karimow den gescheiterten Putsch gegen Gorbatschow, um Usbekistan von Moskau abzusetzen. Als geübter Apparatschik baute er dort eine der härtesten Diktaturen Zentralasiens auf, seine Familie beutete das an Rohstoffen reiche Land aus. Um die Nachfolge des mit 78 Jahren an den Folgen einer Hirnblutung verstorbenen Herrschers gibt es gewaltsame Auseinandersetzungen – auch innerhalb des Karimow-Klans.



August

29. August: Gene Wilder

Seine Treuherzigkeit und seine Zappeligkeit brachten Gene Wilder die Liebe und das Lachen Millionen von Kinozuschauern ein. Sein Debüt feierte der 1933 als Jerome Silberman geborene Amerikaner in dem Gangsterdrama Bonnie und Clyde – als schüchterner Leichenbestatter. Daraufhin entdeckte ihn Mel Brooks und machte den jungen Mann mit den blonden Locken zu einem der beliebtesten Komiker Hollywoods. Wilder war der hysterische Buchhalter Leopold Bloom in der Satire Frühling für Hitler und der exaltierte Wissenschaftler-Enkel in Frankenstein Junior. Gemeinsam mit seinem Filmpartner Richard Pryor spielte er in Komödien wie Die Glückjäger, Zwei wahnsinnig starke Typen und Trans-Amerika-Express.

Bei einigen seiner Filme führte Wilder auch Regie und schrieb das Drehbuch, etwa bei Sherlock Holmes' cleverer Bruder und der Liebeskomödie Die Frau in Rot. Im Alter von 83 starb er an den Folgen seiner Alzheimer-Erkrankung.



25. August: Sonia Rykiel

Sie war eine Frau der Tat. Als Sonia Rykiel mit ihrem Sohn schwanger war, fand sie keine ihrem Geschmack entsprechende Umstandsmode. Also entwarf sie einfach selbst Kleidungsstücke, die sie bequem und gleichzeitig stilvoll durch den Tag begleiten konnten. Ihr erstes Stück war ein eng anliegender, fein gestrickter Pullover, der Poor Boy Sweater wurde zum Modeklassiker. 

Auf die erste Kollektion folgte eine eigene Boutique, später wurde die Französin von der Vogue zur Königin des Stricks ernannt. 1995 übergab sie das Unternehmenszepter aufgrund ihrer Parkinson-Erkrankung an ihre Tochter Nathalie, die bis 2016 Vorsitzende des Hauses blieb. Rykiel starb im Alter von 86 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Henning Voscherau 2011 bei einer Ehrung im Hamburger Rathaus © Christian Charisius/dpa

24. August: Henning Voscherau

Er war Hamburger von Geburt und Gesinnung. Fast zehn Jahre lang, von 1988 bis 1997, regierte der SPD-Politiker als Erster Bürgermeister die Hansestadt. Mit Fleiß, Nüchternheit, Streitlust, großem rhetorischen Talent und einem gehörigen Stück Arroganz. Seine Hauptfeinde waren die Parteilinken und die Grünen. In seiner Regierungszeit beendete Voscherau den Streit um die besetzten Häuser in der Hafenstraße, nutzte nach der Einheit die Chancen zur Hafenerweiterung und stieß den Bau der HafenCity an.

Voscherau hätte, auch nach eigener Einschätzung, durchaus das Zeug zu höheren politischen Aufgaben gehabt, doch es fehlte ihm die Verankerung in der Bundespartei. Als die SPD bei der Bürgerschaftswahl 1997 schlecht abschnitt und keine andere Möglichkeit als eine Koalition mit den Grünen blieb, schmiss er entnervt hin und zog sich aus der Politik zurück. 2008 hätte er Chancen gehabt, noch einmal als Spitzenkandidat seiner Partei gegen den damaligen CDU-Bürgermeister Ole von Beust anzutreten. Doch er verzichtete, weil er sich der Unterstützung der Landespartei nicht sicher war. Voscherau starb mit 75 Jahren an den Folgen eines Hirntumors. Lesen Sie hier unseren Nachruf


24. August: Walter Scheel

Hoch auf dem gelben Wagen – dieses fröhliche Lied verbinden manche noch heute mit dem früheren Bundespräsidenten Walter Scheel. Und es passte durchaus zu der lässigen, rheinisch-entspannten Art, mit der der FDP-Politiker von 1974 bis 1979 das oberste Staatsamt bekleidete. Darüber wird leicht vergessen, dass Scheel in einer wichtigen Epoche der Bundesrepublik einer der entscheidenden politischen Weggestalter war.

Ende der 1960er Jahre wandte sich die FDP unter seinem Parteivorsitz von der CDU ab und hin zur SPD. 1969 bildete Scheel mit Willy Brandt die erste und bislang einzige sozialliberale Koalition im Bund. Als Außenminister leitete er mit ihm zusammen die neue Ostpolitik der Versöhnung und des Ausgleichs mit Moskau, Warschau, Prag und Ostberlin ein – gegen erhebliche Widerstände auch in der eigenen Partei. Die deutsche Einigung sei dadurch erst möglich geworden, sagte er später. Scheel starb nach langer, schwerer Krankheit mit 97 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf


Der Forscher Donald Henderson © AP

21. August: Donald Henderson

Seit 1980 gelten die Pocken als ausgerottet. Der Dank dafür gebührt dem US-Mediziner Donald Henderson. Er hatte Mitte der sechziger Jahre eine weltweite Impfkampagne durchgesetzt und so dazu beigetragen, eine der tödlichsten Krankheiten in der Geschichte der Menschheit zu besiegen. Zugetraut hatte ihm das zunächst niemand.

Henderson hatte zunächst Medizin, dann Öffentliche Gesundheit an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore studiert. Er arbeitete für die Nationalen Gesundheitsbehörden der USA, als ihn die Weltgesundheitsorganisation beauftragte, die Pockenviren auszurotten. Sein Erfolg lag in der Methode, die er damals entwickelte: der Ringimpfung. Hierbei spritzen Ärzte zunächst dem ersten Überträger einen Impfstoff und anschließend all jenen Menschen, mit denen die Person Kontakt hatte. Noch heute gehen Mediziner so vor, etwa 2015 als sich die Infektionskrankheit Ebola besonders rasch ausgebreitet hatte. Henderson starb im Alter von 87 Jahren in Baltimore.



Lou Pearlman 2002 in Los Angeles © Ron Davis/Getty Images

19. August: Lou Pearlman

Als der junge Geschäftsmann Lou Pearlman den Erfolg der Boygroup New Kids on the Block erlebte, entschied er, selbst ins Musikgeschäft einzusteigen. Als Designer und Chefstratege von Boybands wie N'Sync und den Backstreet Boys prägte er die Popmusik der neunziger Jahre maßgeblich.

Allerdings schloss er unlautere Verträge mit den jugendlichen Künstlern ab und verlor die Prozesse, die seine ehemaligen Schützlinge daraufhin im Laufe der Jahre gegen ihn führten, allesamt. Außerdem stellte sich heraus, dass er nebenher zahllose Anleger um insgesamt mehr als 300 Millionen Dollar betrogen hatte. Im Alter von 62 Jahren starb Pearlman im Gefängnis. Lesen Sie hier unseren Nachruf

18. August: Ernst Nolte

Das intellektuell prägendste Ereignis in seinem Leben war die Begegnung mit seinem damaligen Professor Martin Heidegger, hat Ernst Nolte immer wieder gesagt. Die beiden Denker einte ein spekulativer Blick, der die unterschiedlichsten Phänomene zusammenführen konnte.

Nolte, geboren 1923, wurde wegen seiner verkrüppelten linken Hand nicht eingezogen und konnte ab 1941 in Heidelberg studieren. Nach dem Krieg trieb Nolte die deutsche Ideologieforschung voran wie kaum ein zweiter, isolierte sich allerdings im Zuge des "Historikerstreits", als er den Holocaust als Reaktion auf den Kommunismus darstellte und dabei die Rolle des Antisemitismus negierte.

Dennoch bleiben manche seiner Impulse wegweisend. Er deutete das 20. Jahrhundert als Kampfzeit der Ideologien. Und erklärte gleich nach dem 11. September 2001 den Islamismus als dritte totalitäre, von Ideen getriebene Bewegung gegen das "liberale System". Ernst Nolte wurde 93 Jahre alt. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Der ehemalige Fifa-Präsident João Havelange © Alessandro della Bella/EPA/dpa

16. August: João Havelange

Der Brasilianer João Havelange war ein Vierteljahrhundert Präsident der Fifa. In dieser Zeit trieb er die Kommerzialisierung des Fußballs voran, aber auch die Korruption. Erst 2011 kam heraus, was im Prinzip immer alle wussten: Havelange hatte Schmiergeld in Millionenhöhe angenommen. Außerdem pflegte er Kontakte mit Rios organisierter Kriminalität. Vom Internationalen Olympischen Komitee, dessen Mitglied er war, wurde er zum Rücktritt aufgefordert; als Ehrenpräsident der Fifa trat er erst zwei Jahre später zurück.

Seine Zöglinge sind unter anderem Sepp Blatter und sein Schwiegersohn, der korrupte Funktionär Ricardo Teixeira. Havelanges Netzwerk veruntreute über Jahrzehnte Vermögen, das der Entwicklung des Fußballs zugestanden hätte. Er starb während der Olympischen Spiele in Rio, die in einem Stadion eröffnet und beendet wurden, das nach ihm benannt ist. Er wurde 100 Jahre alt.



14. August: Hermann Kant

Der Schriftsteller Hermann Kant war nicht nur einer der brillantesten Stilisten der DDR, sondern auch einer der unerbittlichsten Funktionäre. Als Vorsitzender des DDR-Schriftstellerverbandes und Mitglied im Zentralkomitee der SED zensierte und verhinderte er Literatur, berichtete an die Stasi und klagte nach der Wende gegen die Vorwürfe seiner Opfer.

Doch in Romanen wie Die Aula (1965) oder Aufenthalt (1976) beschrieb er die inneren Widersprüche des sozialistischen Deutschlands auf meisterhafte Weise, salbungsvoll und ironisch gleichzeitig. Hermann Kant starb im Alter von 90 Jahren in Neustrelitz. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Ein Selbstporträt von Daniel Josefsohn © Daniel Josefsohn

13. August: Daniel Josefsohn

"Früher war das Skateboard die Verlängerung meines Fußes, dann die Kamera die Verlängerung des Arms", so beschrieb Daniel Josefsohn einst seine körperlichen Dimensionen. Er wurde einer der wichtigsten Fotografen Deutschlands, er porträtierte Franz Beckenbauer, die Klitschkos und Jan Böhmermann.  

2012 erlitt Josefsohn einen Schlaganfall, dessen Folgen er später auch in Bildern verarbeitete. Für das ZEITmagazin führte er ein Jahr lang die Kolumne Am Leben. Josefsohn starb mit nur 54 Jahren in Berlin. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Juli

30. Juli: Angelika Schrobsdorff

Den Holocaust überlebte die deutsch-jüdische Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff in einem bulgarischen Dorf, zum Schein verheiratet mit einem Einheimischen. Nach dem Krieg kehrte sie nach Deutschland zurück, begann zu schreiben und löste im Jahr 1961 mit ihrem freizügigen Roman Die Herren einen Skandal aus.

Zwanzig Jahre später übersiedelte sie nach Jerusalem, wo sie weitere Romane und Erzählungen schrieb und den französischen Filmemacher Claude Lanzmann heiratete. Erst 2006 kehrte sie nach Berlin zurück. Gegenüber Journalisten formulierte sie damals einen Satz, dessen Schärfe und Abgründigkeit auch für ihr Schreiben typisch war: "In Deutschland lässt es sich leichter sterben." Angelika Schrobsdorff wurde 88 Jahre alt.



Der Schriftsteller Péter Esterházy © SINISSEY

14. Juli: Péter Esterházy

Kaum jemand konnte mit so viel Hintersinn und Witz erzählen wie der Ungar Péter Esterházy. Sei es in seinem Monumentalwerk Harmonia Caelestis, in dem er aus Anekdoten, Schnurren, Historischem und Erfundenem, Anspielungen und Assoziationen ein Panorama von knapp 1.000 Jahren ungarisch-österreichischer Geschichte entstehen lässt. Sei es in den literarischen Liebeserklärungen an den Fußball oder in den Texten über seine Mutter.

Esterházy hinterlässt uns ein Erzähllabyrinth, in dem wir uns gern verirren, in den Abschweifungen und Fußnoten, in der Komik und der Metakomik, in der Heiterkeit und Melancholie. Mit 66 Jahren ist er an Krebs gestorben. Die europäische Literatur hat einen ihrer virtuosesten Schriftsteller verloren. Lesen Sie hier unseren Nachruf


Miriam Pielhau 2009 auf der Frankfurter Buchmesse © Jörg Carstensen/dpa

12. Juli: Miriam Pielhau

Miriam Pielhau war eine der bekanntesten Moderatorinnen Deutschlands, Gesicht des Lifestyle-Magazins taff auf Pro7, Kommentatorin von Oscar-Verleihungen, regelmäßige Teilnehmerin in Spiel- und Quiz-Shows. Als im Frühjahr 2008 Brustkrebs bei ihr diagnostiziert wurde, ging Pielhau offensiv mit der Erkrankung um. Sie sprach öffentlich über Therapie, Rückschläge und die Hoffnung auf Heilung und verarbeitete ihre Geschichte in dem Buch Fremdkörper

Zunächst schien es, als habe sie den Krebs besiegt, doch sechs Jahre später kam die Krankheit zurück – diesmal ohne Chance auf Heilung. Wieder kämpfte Pielhau, alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter. Im März 2016 bezeichnete sie sich selbst als geheilt, ihr Tagebuch Dr. Hoffnung: Die Geschichte eines echten Wunders wurde veröffentlicht. Ihr Zustand verschlechterte sich jedoch rapide. Mit 41 Jahren starb Miriam Pielhau an den Folgen ihrer Krankheit.



7. Juli: Wolfram Siebeck

Es ist nicht egal, was man isst. Das war dem Restaurantkritiker und Gourmet Wolfram Siebeck wichtig. Durch Zufall stolperte der Illustrator über das Kulinarische, begeistert erzählte er einem Freund von seinen Reisen nach Südfrankreich und vor allem vom Essen dort. Seine erste Kritik schrieb er über das Maxim's in Paris.

Jahrelang war er Kolumnist des ZEITmagazins. Später entdeckte er neben dem Schreiben auch das lustvolle Kochen für sich. Neugierig blieb er bis zuletzt. Lesen Sie hier die Nachrufe u.a. von Joschka Fischer, Wolfgang Lechner und Joachim Bessing

Der Regisseur Abbas Kiarostami © Marta Perez/EPA/dpa

4. Juli: Abbas Kiarostami

Der iranische Regisseur war ein Künstler der Filmsprache. Er entwickelte einen eigenen Stil, in dem selbst so scheinbar schlichte Dinge wie Bäume oder Zäune nicht bloß gezeigt wurden. Kiarostami inszenierte sie so, dass dem Zuschauer bewusst werden musste, dass er sie nicht tatsächlich sieht, sondern durch eine Kamera. Kino ist keine Abbildung von Realität, demonstrierte der Regisseur, es ist eine Übereinkunft über diese Abbildung.

Dabei blieb Kiarostami so subtil, dass er auch nach der Revolution noch in seiner Heimat Iran arbeiten konnte. Lauter Protest war nicht sein Ton. Eher ließ er den Zuschauer gleich ganz im Ungewissen, ob das, was er da sah, nun real oder fiktiv sei. Ein kluges, irrlichterndes Spiel wie in dem Film Die Liebesfälscher, einer seiner größten Erfolge auch in hiesigen Kinos. Darin begegnen sich eine Frau und ein Mann – und der Zuschauer bleibt bis zum Ende im Ungewissen, ob dies nun ein Kennenlernen ist oder eine Episode aus einer langen Ehe. Lesen Sie hier unseren Nachruf


Der Holocaustüberlebende Elie Wiesel © Jason Reed/Reuerts

2. Juli: Elie Wiesel

"Ich glaube daran, Zeugnis abzulegen, mehr als an alles andere", erklärte Elie Wiesel seine Bitte an andere Holocaust-Überlebende, es ihm gleichzutun. Seine eigenen Erinnerungen an die Deportation als 15-jähriger Junge vom ungarischen Sighet nach Auschwitz, den Todesmarsch nach Buchenwald und die Befreiung durch die US-Armee schrieb er 1954 auf. Der erste Entwurf umfasste noch 900 Seiten und enthielt Hunderte Augenzeugenberichte und Kriegserfahrungen vor allem polnischer Juden. Nach vielen Kürzungen entstand das Buch La Nuit (Die Nacht), das bis heute als einer der zentralen Erinnerungstexte der Shoah gilt.

Nachdem er selbst angefangen hatte zu sprechen, fürchtete Wiesel ein Leben lang, dass die Welt wieder ins Schweigen verfallen könnte. Dem Staat Israel galt seine unbedingte Solidarität; in den sechziger Jahren wollte er die Ausreise sowjetischer Juden nach Israel erreichen, in den neunziger Jahren setzte er sich für die Einbürgerung äthiopischer Juden ein. In ganzseitigen Anzeigen in der New York Times kritisierte er die Israel-Politik der Obama-Regierung. Im Jahr 1986 bekam Wiesel den Friedensnobelpreis, 2000 hielt er eine Rede vor dem deutschen Bundestag. Er starb mit 87 Jahren in New York. Lesen Sie hier unseren Nachruf

2. Juli: Michael Cimino

Die Reaktionen auf Michael Ciminos berühmtestes Werk, den Film Die durch die Hölle gehen über den Vietnamkrieg, hätten nicht unterschiedlicher sein können: Einige hielten ihn für den besten Film aller Zeiten, andere warfen dem Regisseur Rassismus und Verunglimpfung des vietnamesischen Volkes vor. Als das Kriegsdrama im Jahr 1979 bei der Berlinale gezeigt wurde, reiste die Delegation der Sowjetunion demonstrativ ab. Mit fünf Oscars wurde das Kriegsdrama insgesamt ausgezeichnet. 

An diesen Erfolg konnte Cimino in seiner weiteren Karriere nicht mehr anknüpfen. Sein Film Heaven's Gate (1980) floppte so dramatisch, dass er das produzierende Studio ruinierte. Cimino starb mit 77 Jahren in seinem Haus in Los Angeles.



Yves Bonnefoy in Paris im Oktober 2001 © Eric Feferberg/AFP/Getty Images

1. Juli: Yves Bonnefoy

Für die Großen unter den Dichtern beginnt am Tag ihres Todes erst das zweite Leben. So verhält es sich auch bei dem französischen Lyriker Yves Bonnefoy. In Frankreich war er schon zu Lebzeiten eine Berühmtheit, jetzt steht er in einer Reihe mit Baudelaire, Rimbaud, Mallarmé.

Sein letztes Buch L’écharpe rouge (Der rote Schal) erschien erst wenige Wochen vor seinem Tod. Es war der Versuch eines der größten Dichter unserer Zeit, das größte Rätsel zu lösen: sich selbst. Noch mit 93 Jahren schrieb er: "Es ist Zeit, jetzt, höchste Zeit, dass ich mir die wirklichen Fragen stelle." Lesen Sie hier unseren Nachruf


Juni

27. Juni: Bud Spencer

Bevor es mit der Schauspielerei überhaupt losging, hatte Carlos Pedersoli schon zwei oder drei Leben hinter sich: Er war Jurist, Olympionik, Emigrant, Straßenbauarbeiter in Lateinamerika. Dann erfuhr er, dass an einem italienischen Filmset ein großer Mann gesucht wurde. Der Rest ist Geschichte. Als Schauspieler nannte sich Pedersoli Bud Spencer und wurde als das liebenswerteste Kraftpaket des Italowesterns zum Weltstar. Vor allem in Deutschland kamen seine Filme gut an: Vier Fäuste für ein Halleluja war hierzulande der erfolgreichste Film der siebziger Jahre.

In seiner Autobiografie schrieb Pedersoli, dass ihn die Leute so liebten, weil er auf der Leinwand etwas Einfaches, Einfältiges darstellte, mit dem sie sich leicht identifizieren konnten. Womöglich bewunderten viele aber etwas ganz anderes: Seine Bescheidenheit im Angesicht großen Ruhms, seine Selbstironie und Nahbarkeit. Eine Größe, die er sich selbst bis zum Schluss nie angerechnet hätte. Pedersoli wurde 86 Jahre alt. Lesen Sie hier unseren Nachruf

25. Juni: Manfred Deix

Seine Art zu zeichnen hat es sogar in den Duden geschafft: "Deixfigur, die: ins Lächerliche verzerrte Darstellung eines Menschen", steht dort. Manfred Deix' Charaktere sind tatsächlich unverkennbar: Sie kriechen unter fremde Röcke, grabschen in die Lederhose, lecken, lechzen, schnüffeln, hecheln und fallen im nietenbeschlagenen Lederkorsett übereinander her.

Schon als Junge studierte der Österreicher die Gesichter der Gäste im elterlichen Wirtshaus, ihre Dumpfheit, den Suff und die Triebhaftigkeit darin. Als junger Mann zog Deix nach Wien und er begann dort, die Sittenchronik der Stadt zu zeichnen: Kleinbürger, Kriminelle, Kinderschänder, Pfaffen, Politiker. Keiner von ihnen kam gut weg. Über seine treffliche Beobachtungskunst sagte der Zeichner lediglich: "Ich bin ein großer Stauner." Mit 67 Jahren ist Manfred Deix in der Nähe von Wien gestorben. Lesen Sie hier unseren Nachruf


Götz George im Jahr 2005 © Jörg Carstensen/dpa

19. Juni: Götz George

Schweiß und schwerer Atem: Götz George war der Tagebauer der deutschen Schauspielkunst. Geboren 1938 als Sohn des Schauspieler-Paars Heinrich George und Berta Drews, lässt sich sein Werk als lebenslange Flucht aus dem Schatten des übermächtigen Vaters lesen. In der Nachkriegszeit wurde George populär in deutschen Heimatfilmen und dem Karl-May-Kino. Dieses Image und möglicherweise auch die problematische Rolle seines Vaters während der NS-Zeit führten dazu, dass der Neue Deutsche Film von George nichts wissen wollte. Sein Weg führte ihn daher ins Fernsehen. Mit seiner Rolle des Schimanski revolutionierte George den Tatort. Die Figur war eine Sensation im Deutschland der achtziger Jahre: ein Ordnungshüter mit Schnauzer und Parka, der zur besten Sendezeit "Scheiße" sagte. Zehn Jahre lang, von 1981 bis 1991, spielte George den Ruhrpott-Ermittler.

Im Kino konnte er unter der Regie von Helmut Dietl in Schtonk! (1992) und Rossini (1997) sein großartiges komödiantisches Talent unter Beweis stellen. Seine eindrucksvollste Leistung zeigte er als Massenmörder Fritz Haarmann in Romuald Karmakars Kammerspiel Der Totmacher, für die George auf dem Filmfestival in Venedig den Darstellerpreis erhielt. Seine wohl persönlichste Rolle spielte er mit 75 Jahren: die seines Vaters Heinrich in dem Fernsehfilm George. Er starb im Alter von 77 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf


Der ehemalige Radprofi Rudi Altig im Jahr 2006 © Peter Bischoff/Freier Fotograf/Getty

11. Juni: Rudi Altig

Die Franzosen nannten ihn anerkennend Sacre Ruedi, den Heiligen Rudi, weil er immer bis zum Schluss kämpfte. Altig war einer der erfolgreichsten deutschen Radfahrer: Bei den drei großen Rundfahrten Tour de France, Giro d’Italia und der Vuelta errang er 18 Etappensiege, das Gelbe Trikot der Tour trug er 18 Tage. 1962 war er der erste Deutsche im grünen Trikot. 1966 wurde er Straßenweltmeister auf dem Nürburgring, im selben Jahr wurde er Deutschlands Sportler des Jahres. Auch im Bahnradfahren wurde er mehrfacher Weltmeister. 

Allerdings begleiteten auch ihn Dopingvorwürfe, sein Spitzname war "die radelnde Apotheke". 1969 wurde er bei der Tour überführt, er selbst sah die Tabletten als "Kleinkram" an. 1994 konnte er den Krebs besiegen, im Juni 2016 erlag er ihm. Er wurde 79 Jahre alt.



Sascha Lewandoswki im Februar 2012 © Jonas Güttler/dpa

8. Juni: Sascha Lewandowski

Der Dortmunder Fußballcoach schaffte den Aufstieg zum Bundesligatrainer, ohne eine Profikarriere als Spieler gemacht zu haben. Seinen guten Ruf erarbeitete sich Sascha Lewandowski über zehn Jahre lang als Jugendtrainer beim VfL Bochum, wo er zwei Mal westdeutscher Meister wurde. Anschließend übernahm er den Nachwuchs von Bayer Leverkusen. Nebenbei arbeitete er bis 2006 auch als Fußballjournalist und schrieb Taktikanalysen für Regionalzeitungen.

2012 wurde er zum Trainer der Profis von Leverkusen berufen und führte gemeinsam mit dem früheren finnischen Nationalspieler Sami Hyypiä die Mannschaft auf den dritten Platz der Bundesliga. Anschließend kehrte er zurück in die Jugendabteilung bei Leverkusen, 2015 wechselte er zum Zweitligisten 1. FC Union Berlin. Im Februar 2016 wurde bei ihm ein Burnout-Syndrom festgestellt. Lewandowski bat um die Veröffentlichung der Diagnose. "Ich hatte gehofft, dass eine kurze Pause reichen könnte", sagt er noch, doch im März musste er sich von seinem Trainerposten zurückziehen. Im Juni fand man ihn tot in seiner Bochumer Wohnung auf. Lewandowski wurde 44 Jahre alt.



Muhammad Ali im Jahr 1965 © Harry Benson/Express/Hulton Archive/Getty Images

3. Juni: Muhammad Ali

Er war der erste politische Sportler. 1964, während der Kämpfe um die Gleichberechtigung von Schwarzen, legte einer der bekanntesten Athleten der Welt seinen, wie er selbst sagte, Sklavennamen Cassius Clay ab. Fortan nannte er sich Muhammad Ali und konvertierte zum Islam. Als er in die Armee eingezogen werden sollte und wahrscheinlich im Vietnamkrieg hätte kämpfen müssen, verweigerte er den Dienst 1967 mit den Worten: "Kein Vietcong nannte mich jemals Nigger." Drei Jahre lang dufte er nicht mehr boxen, sein Weltmeistertitel von 1964 wurde ihm aberkannt.  

Es hielt ihn nicht davon ab, weiter gegen Amerika, Rassismus und seine sportlichen Gegner auszuteilen. Zu seinen berühmtesten Siegen zählt der nur 105-sekündige Kampf gegen Sonny Liston. Der Moment des Triumphs, in dem Ali über seinem Gegner steht, wurde zu einer der bekanntesten Sportikonografien des 20. Jahrhunderts. Seine provokative Art zu boxen, mit herunterhängenden Armen auf den Gegner zu warten, ihn mit kleinen Trippelschritten zu umkreisen und oft minutenlang in den Ringseilen zu taumeln, war neu. "Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene", moderierte Ali 1974 seinen Jahrhundertkampf gegen den als unbesiegbar geltenden George Foreman an. Der Rumble in the Jungle wurde zum wichtigsten Sportereignis des 20. Jahrhunderts und zugleich zu einem Meilenstein der Bürgerrechtsbewegung.

Bis zuletzt hatten seine Auftritte etwas Symbolhaftes: 1996 entzündete der vom Parkinsonschen Syndrom schwer gezeichnete Ali zitternd die olympische Flamme, eine tief bewegende Szene. Nach langer Krankheit starb er mit 74 Jahren. Lesen Sie unsere Themenseite, u.a. mit Nachrufen von Georg Seeßlen und Hartmut Scherzer


Mai

Rupert Neudeck © Reuters

31. Mai: Rupert Neudeck

Rupert Neudecks Lebensmission war, Menschen zu retten. Selbst 1945 mit seiner Familie aus Danzig geflohen, gründete der Journalist 1979 mit seiner Frau Christel und der Unterstützung des Schriftstellers Heinrich Böll die Hilfsorganisation Cap Anamur. Sie rettete 11.000 vietnamesische Flüchtlinge aus dem Südchinesischen Meer und brachte sie in die Bundesrepublik. Später leistete die Organisation Hilfseinsätze auf der ganzen Welt für Menschen in Not.

2003 gründete Neudeck zusammen mit Aiman Mazyek, dem späteren Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, die Grünhelme. Die Organisation schickt junge Handwerker in Krisengebiete, wo sie beim Aufbau von Häusern, Schulen oder zerstörten Wasserleitungen helfen. Dabei arbeiten Christen und Muslime Hand in Hand – Neudecks pragmatische Antwort auf den zunehmenden Hass nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Der rastlose, querköpfige Helfer starb mit 77 Jahren an den Folgen einer Herzoperation. Lesen Sie hier unseren Nachruf


18. Mai: Fritz Stern

Als kleiner Junge entkam Fritz Stern den Nazis erst in letzter Sekunde, dennoch glaubte er schon früh, dass es irgendwo ein "anderes Deutschland" geben musste. Er wurde zu einem der bedeutendsten Deutschland-Historiker in den USA und fand sein "anderes Deutschland" in dem Exilanten Willy Brandt, in Richard von Weizsäcker und seiner lebenslangen Freundin Marion Dönhoff. Es bedrückte ihn, dass die Deutschen den Widerstand gegen Hitler, den es auch während des Zweiten Weltkrieges im eigenen Land gegeben hatte, nicht ausreichend würdigten.

Stern hatte großen politischen Einfluss, er beriet mehrere US-Regierungen in deutschland-politischen Fragen. Die Wiedervereinigung begrüßte er als "Deutschlands zweite Chance". Für seine Bücher wurde der Historiker unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Sein wohl erfolgreichstes Werk war Unser Jahrhundert, das Protokoll eines Gesprächs mit dem verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt. Fritz Stern wurde 90 Jahre alt. Lesen Sie hier unseren Nachruf

15. Mai: Erika Berger

Sie propagiere den Seitensprung, lautete ein Vorwurf, den manche Erika Berger zu Beginn ihres Erfolges als Fernsehmoderatorin machten. Das war in den achtziger Jahren, ihre Sendung, die Call-in-Show Eine Chance für die Liebe auf RTL war ein Tabubruch, der Millionen Zuschauer erreichte. Niemand hatte zuvor das Thema Sex im deutschen Fernsehen so direkt und unverkrampft besprochen. "Hallo, hier ist Erika Berger, wer spricht?" begann die Münchnerin jede ihrer Sendungen und schlug dann elegant die Beine übereinander.

Berger avancierte zu Deutschlands Sex-Expertin. 1991 löste sie die Sendung durch ihre Talkshow Ein flotter Dreier ab. Statt klein beizugeben, nannte sie die Dinge beim Namen. Das bewahrte sie davor, jemals peinlich zu wirken. Berger starb im Alter von 76 Jahren in Köln.



9. Mai: Walther Leisler Kiep

21 Jahre lang war er Bundesschatzmeister der CDU, zudem außenpolitischer Sprecher, stellvertretender Vorsitzender der Unions-Fraktion, Finanzminister in Niedersachsen und Bürgermeisterkandidat in Hamburg. Walther Leisler Kiep war ein liberaler Brückenbauer – zwischen der CDU und der SPD, zwischen Deutschland und Amerika als langjähriger Chef der Atlantik-Brücke, zwischen der Bundesrepublik und der DDR, zwischen Israel und den Palästinensern und nicht zuletzt zwischen Deutschland und der Türkei als Beauftragter des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt.

In Verbindung bleibt sein Name aber vor allem mit mehreren Parteispendenaffären. In den 1970er Jahren zahlten Unternehmen Geld über die Staatsbürgerliche Vereinigung an die CDU und andere Parteien und konnten dies so von der Steuer absetzen. Kiep wurde dafür verurteilt, das Urteil wurde aber wieder aufgehoben. Auch in der Spendenaffäre von Helmut Kohl spielte er eine Schlüsselrolle: 1991 hatte er von dem Waffenhändler Karl-Heinz Schreiber eine Spende von einer Million Mark entgegengenommen, die im Rechenschaftsbericht der Partei nicht auftauchte. Das führte zur Aufdeckung eines ganzen Systems von schwarzen Kassen der CDU. Kiep starb mit 90 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Margot Honecker bei einer Jubiläumsfeier zur Sandinistischen Revolution 2008 in Managua © Miguel Alvarez/AFP/Getty Images

6. Mai: Margot Honecker

In der DDR war sie noch verhasster als ihr Mann, der SED-Generalsekretär Erich Honecker. Als Ministerin für Volksbildung prägte Margot Honecker 36 Jahre lang von 1963 bis 1989 mit stalinistischem Stil und brutaler Hand die Erziehung der DDR-Jugend im Sinne des Sozialismus. So war sie hauptverantwortlich dafür, dass Kinder von Eltern, die wegen Republikflucht oder Spionage inhaftiert waren, zur Zwangsadoption freigegeben wurden. Im geschlossenen Jugendwerkshof Torgau und anderen Einrichtungen wurden schwer erziehbare und kriminelle Jugendliche einer Umerziehung unterzogen. 1978 führte Honecker an den Schulen trotz Protesten der Kirchen und vieler Eltern den Wehrkundeunterricht ein. Dazu gehörte auch eine paramilitärische Ausbildung an Waffen.

Am 20. Oktober 1989 wurde sie zum Rücktritt gezwungen, zur Rechenschaft gezogen wurde sie jedoch nie. Mit ihrem Mann fand sie zunächst Zuflucht bei einem Pfarrer in Lobetal, dann flüchteten die Honeckers nach Moskau und ließen sich schließlich in Santiago de Chile nieder, wo Margot auch nach dem Tod ihres Mannes 1994 wohnte. Bis zu ihrem Ende hielt sie eisern an ihren sozialistischen Überzeugungen fest, pries die DDR als bessere Gesellschaft, die irgendwann wiederkommen werde, und verteidigte ihre Arbeit wie auch das menschenfeindliche SED-Regime. Mit 89 Jahren starb sie an Krebs. Lesen Sie hier unseren Nachruf

April

30. April: Uwe Friedrichsen

Er spielte unter Gustav Gründgens und in der Sesamstraße, er inszenierte den Faust auf Platt und lieh Inspektor Columbo seine Stimme: Uwe Friedrichsen war einer der populärsten Schauspieler und Synchronsprecher Deutschlands. Mit nur 19 Jahren gründete er mit Freunden das innovative Theater 53 in Hamburg. 1956 holte Gustaf Gründgens ihn für seine legendäre Faust-Inszenierung ans Deutsche Schauspielhaus.

Kindern wuchs Friedrichsen durch seine Auftritte in der Sesamstraße ans Herz. Seine ausdrucksstarke Stimme lieh der Hamburger unter anderem Gérard Depardieu, Donald Sutherland und Peter Falk. Auch wenn er seine größten Erfolge im Fernsehen feierte, gehörte Friedrichsens Herz dem Theater. Bis ins hohe Alter trat er im Ernst Deutsch Theater, den Hamburger Kammerspielen und dem Ohnsorg-Theater auf. Mit 81 Jahren ist Uwe Friedrichsen in Hamburg gestorben.



Papa Wemba © STR/AFP/Getty Images

24. April: Papa Wemba

Papa Wemba war einer der bekanntesten Künstler des Kongo, aber seine Inspirationskraft reichte weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus. Die Säle waren nicht nur voll, wenn er auf dem afrikanischen Kontinent auf Tour war, sondern auch in Paris, Brüssel und London.

Jahrzehntelang galt Papa Wemba, der mit bürgerlichem Namen Jules Shungu Wembadio Pene Kikumba hieß, als wichtigste musikalische Stimme seiner Heimat. Im April brach er während eines Konzerts in Abidjan (Elfenbeinküste) zusammen und starb wenig später. Er wurde 66 Jahre alt. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Prince 1984 auf seiner "Purple-Rain"-Tour © Getty Images

21. April: Prince

Er war einer der letzten Zauberer im Pop. Einer, dessen wahrlich magische Wirkung auf das Publikum sich immer wieder neu entfaltete. Prince Rogers Nelson – 158 Zentimeter Funk aus Minneapolis – war der Größte noch Verbliebene. Dieses Gitarrenspiel, diese Stimme.

Anfang der Achtziger war ihm der Durchbruch gelungen, 1984 gewann er mit dem Album und Musikfilm Purple Rain zwei Grammys und einen Oscar. Er hatte diese besondere Aura aus Narzissmus, Virtuosität und überbordender Sexyness, mit der er sich nahezu alles erlauben konnte. Sogar die Namensänderungen in "TAFKAP" und "Symbol", die jahrelangen Streitigkeiten mit seinen Plattenfirmen oder die Abmahnungsorgien gegen vermeintliche Urheberrechtsverletzungen. 

Prince kämpfte um seine Freiheit – gegen Konventionen, Regeln und Nutznießer. In den letzten Jahren brachte ihm das eine gewisse Außenseiterrolle im Musikgeschäft ein. Aber was kümmert es einen Prinzen, wenn das Volk lieber im Wirtshaus tanzt. Prince starb mit nur 57 Jahren an einer Überdosis des Schmerzmittels Fentanyl. Lesen Sie auf unserer Themenseite u. a. Nachrufe von Joachim Bessing, Bodo Mrozek und Diedrich Diederichsen

März

Zaha Hadid bei der Eröffnung des Maxxi-Museums 2010 in Rom © Alberto Pizzoli/AFP/Getty Images

31. März: Zaha Hadid

Zaha Hadid ließ zu Beginn ihrer Karriere nicht nur Häuser optisch explodieren, sie brachte auch die Vorurteile einer ganzen Branche ins Wanken, war sie doch die einzige Frau unter lauter männlichen Starkollegen. Als Dekonstruktivistin fragmentierte sie ihre Gebäude, ließ sie zersplittern wie die Feuerwache in Weil am Rhein.

Sie eckte an, das ist das Mindeste was man über Hadid sagen konnte. Erst als ihr 2004 und 2009 die wichtigsten Architektur-Preise verliehen wurden, erfuhr sie auch in der Branche Anerkennung. Ihre Formensprache wurde weicher und sie schuf Gebäude, die Raum völlig neu erleben ließen, wie das BMW-Werk in Leipzig. Geblieben ist ihr Ruf als Skulpteurin im ganz großen Stil. Sie starb mit 65 Jahren in Miami. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Imre Kertész im Jahr 1999 © Michael Brannas/Scanpix/Reuters

31. März: Imre Kertész

Zwei Jahrzehnte musste Imre Kertész, der als Jugendlicher Auschwitz überlebte, warten, bis sein beispielloser Roman eines Schicksallosen bekannt wurde. Als der Roman, der mit allen bis dato existierenden Erzählweisen über den Holocaust bricht, 1975 in Kertész' Heimat Ungarn erschien, wurde schnell die gesamte Auflage aus allen Buchhandlungen verbannt. So radikal, wie Kertész von Vernichtung und einer kulturellen Katastrophe aus Kinderperspektive erzählte und gleichsam eine neue, atonale Sprache schuf, geriet sein Roman zu einer Provokation.

Noch als Kertész im Jahr 2002 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, verunglimpften ihn die Anhänger der wachsenden nationalistischen Lager in Ungarn. Im März ist Imre Kertész im Alter von 86 gestorben. Lesen Sie hier die Nachrufe von Iris Radisch und Fokke Joel



Hans-Dietrich Genscher im April 1992 © Martin Gerten/dpa

31. März: Hans-Dietrich Genscher

Er war der ewige Außenminister. 18 Jahre lang amtierte Hans-Dietrich Genscher als westdeutscher und dann gesamtdeutscher Chefdiplomat, erst unter Helmut Schmidt, dann unter Helmut Kohl. Als FDP-Chef führte er seine Partei 1982 von der sozialliberalen in die christlich-liberale Koalition – eine Zerreißprobe. Aber nicht nur innen-, auch außenpolitisch war er stets anpassungsbereit, manche sagten: bis zur Prinzipienlosigkeit. In der Endzeit der Blockkonfrontation machte ihn das jedoch zu einem fast idealen Entspannungspolitiker, ultrarealistisch, pragmatisch und immer willens, auch die Interessen der Gegenseite zu sehen und mit ihr so lange zu verhandeln, bis man sich auf eine für beide Seiten tragfähige Lösung einigen konnte. In Moskau und anderen Hauptstädten des damaligen Ostblocks trug ihm das hohen Respekt ein, genauso wie in Washington, London oder Paris.

Den Höhepunkt seiner Amtszeit erlebte Genscher während der Wende 1989/90: Zusammen mit Kohl rang er Michail Gorbatschow und später den Alliierten die Zustimmung zur Wiedervereinigung ab. Seinen eigenen historischen Augenblick hatte er im September 1989. Da konnte er Tausenden DDR-Flüchtlingen in der deutschen Botschaft in Prag im wohl berühmtesten unvollendeten Satz der Geschichte verkünden, dass sie in den Westen ausreisen durften. Nach der Einigung war Genschers Zeit bald vorbei. 1992 trat er zurück. Aber auch danach zog er als graue Eminenz im Hintergrund weiter Strippen in der FDP. Er starb mit 89 Jahren. Lesen Sie auf unserer Themenseite Nachrufe u.a. von Jürgen Trittin, Werner A. Perger und Matthias Naß    



Der Sänger Roger Cicero © Matthias Bothor

24. März: Roger Cicero

Es waren nur zehn Jahre in der großen Öffentlichkeit, aber Roger Cicero hatte sich mit harter Arbeit darauf vorbereitet. In der Hamburger Musikerszene war er längst eine Nummer, bevor sein Album Männersachen 2006 die sommermärchenträumenden Massen begeisterte. Big-Band-Swing mit deutschen Texten, Wortwitz, Machismo und Selbstironie – so locker wie er konnte es niemand.

Das lag nicht zuletzt an seiner "Stimme zwischen Raunen, Flüstern, Schmachten und Jubilieren", wie Daniel Haas es posthum in der ZEIT formulierte. Cicero war an den großen Stimmen des Jazz und Funk geschult, Prince, Stevie Wonder – er hatte sie tausendmal kopiert und war daran gewachsen. Zur glänzenden Unterhaltung des deutschen Publikums hätte er noch viel beitragen können, wenn er nicht, wie schon sein Vater, viel zu früh, mit nur 45 Jahren, an einem Schlaganfall verstorben wäre. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Die niederländische Fußballlegende Johan Cruyff © Ade Johnson/AFP/Getty Images

24. März: Johan Cruyff

Johan Cruyff war einer der bedeutendsten Fußballer der Geschichte. Mit Ajax Amsterdam und dem FC Barcelona gewann er alles, mit der hinreißenden Nationalelf Hollands war König Johan bester Spieler der WM 1974, auch wenn die Deutschen das Finale für sich entschieden. Die Eleganz des heringsdünnen Kettenrauchers war ikonisch. Immer verfolgt von den härtesten Abwehrrecken, konnte er sich im Sprint tot stellen und blitzschnell in eine andere Richtung schwenken. Nicht selten fielen dann die Gegner um und traten ins Leere. 

Später war Cruyff als Trainer und Denker noch erfolgreicher. In Amsterdam und Barcelona feiern ihn Fans und Schüler bis heute. Er pflanzte seinen Fußballstil in viele Köpfe: Eine Elf spielt gemeinsam Fußball, mit der Betonung auf "spielen". Kein anderer hat das so radikal und schön verstanden und vermittelt wie Cruyff.  Sein Einfluss auf die Fußballmoderne ist gar nicht zu überschätzen. Er starb mit 68 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf

18. März: Lothar Späth

Das "Cleverle" wurde er genannt, und es war durchaus eine Ehrenbezeichnung: Der unverkennbare Schwabe Lothar Späth, immer quirlig, blitzgescheit, offen für alles Neue, regierte in Baden-Württemberg 13 Jahre lang von 1978 bis 1991, immer mit absoluter Mehrheit, und wirbelte das Ländle ordentlich durcheinander. Es war die Zeit, in der die Bürger aufbegehrten, Mitsprache verlangten und überall Bürgerinitiativen entstanden. Späth forderte, man müsse ihnen zuhören – ganz neue Töne von einem Christdemokraten aus einem konservativen Land. Er hielt nicht viel von Parteilinien, auch nicht als Regierungschef. Er modernisierte das Land, die Wirtschaft, aber auch die Universitäten. 1989 wäre er beinahe noch weiter aufgestiegen: Er gehörte zu den sogenannten Frondeuren, die einen innerparteilichen Putsch gegen Helmut Kohl planten. Späth hätte neuer Kanzler werden sollen. Doch er zuckte zurück, der Aufstand brach zusammen.

1991 musste Späth wegen der Traumschiffaffäre zurücktreten, er hatte sich von Unternehmensbossen auf Ferienreisen einladen lassen. Nach kurzer Bußfrist ging er selbst in die Wirtschaft und übernahm die Spitze von Jenoptik. Quirlig wie eh und je moderierte er Talkshows und schrieb Bücher, und immer drehte es sich um dasselbe Thema: Der Zukunft auf die Spur kommen, den Anschluss ans Morgen nicht verpassen. Nebenbei führte er die Jenoptik AG an die Börse, als eines der wenigen ehemaligen DDR-Kombinate, das sich im vereinten Deutschland erfolgreich behaupten konnte. Späth starb mit 78 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf

18. März: Guido Westerwelle

Er war der schrillste Vorsitzende, den die FDP je hatte. Und der bislang erfolgreichste. Vor der Bundestagswahl 2002 sorgte Guido Westerwelle noch mit dem Projekt 18 und dem Guido-Mobil für Spott. 2009 führte er seine Partei dann zu ihrem bisher besten Ergebnis und in die schwarz-gelbe Koalition. Aber schnell häuften sich die Fehler, diezum Niedergang der FDP vier Jahre später beitrugen: Westerwelle wählte das falsche Ressort; statt als Finanzminister die Steuersenkungspläne seiner Partei anzugehen, wurde er lieber Außenminister wie sein Vorbild Genscher. Er räsonierte über "spätrömische Dekadenz", seine Partei verhakte sich mit der Union in ewige Streitereien – vom ursprünglichen Programm der FDP blieb am Ende nicht viel mehr übrig als die Mehrwertsteuersenkung für Hoteliers.

Nach einer Reihe von Wahlniederlagen in den Bundesländern zwang ihn die Partei im Mai 2011 zum Rückzug. Westerwelle, der sich von Jugend an der Politik verschrieben hatte und im Grunde nichts anderes kannte, konzentrierte sich von da an ganz auf das Außenamt. Kritik musste er einstecken, weil sich Deutschland auf sein Geheiß im UN-Sicherheitsrat bei der Abstimmung über das militärische Eingreifen in Libyen enthielt – und sich damit gegen die Verbündeten stellte. Doch die spätere Entwicklung in dem Land gab ihm recht. Kritik nagte an ihm, Westerwelle war entgegen dem äußeren Bild recht empfindsam. "Ihr kauft mir den Schneid nicht ab", rief er Journalisten und intriganten Parteifreunden zu. Es war so etwas wie sein politisches Lebensmotto.

2014, ein Jahr nach seinem Ausscheiden aus dem Amt und dem Bundestag, wurde bekannt, dass er an Leukämie erkrankt war. Nach einer zwischenzeitlichen Besserung veröffentlichte Westerwelle, der seit 2010 mit seinem Mann Michael Mronz in einer eingetragenen Partnerschaft lebte, noch das Buch Zwischen zwei Leben. Dann erlag er mit nur 54 Jahren doch dem Krebs. Lesen Sie auf unserer Themenseite u.a. Nachrufe von Matthias Naß, Nora Bossong und Dominik Wichmann

17. März: Hugo Strasser

Mit den amerikanischen Soldaten kam nach dem Zweiten Weltkrieg auch der Jazz nach Bayern. Unter seinen ersten Fans: der junge Klarinettist Hugo Strasser, dessen außergewöhnliche Karriere ohne die ersten Auftritte in den amerikanischen Soldatenclubs kaum denkbar gewesen wäre. Als Teil des Max-Greger-Sextetts wurde er zum Star, 1955 gründete er sein eigenes Tanzorchester.

Seine Alben verkauften sich millionenfach. Zu den wichtigsten Auszeichnungen gehörten zwei Goldene Schallplatten, der Deutsche Schallplattenpreis und der Goldene Tanzschuh. Hugo Strasser starb kurz vor seinem 94. Geburtstag in Grasbrunn bei München.



Der Keyboarder Keith Emerson 2004 in Universal City © Frazer Harrison/Getty Images

12. März: Keith Emerson

Oft sind es die größten Missverständnisse, die einem ewig nachhängen: Einer der erfolgreichsten Songs von Keith Emersons Band Emerson, Lake and Palmer war Lucky Man, dabei war er den Musikern selbst eigentlich zu simpel und lediglich als Füllmaterial gedacht. Nach dem Ende seiner Band war Emerson, einer der progressivsten Keyboarder seiner Zeit, als Solokünstler auf den internationalen Festivals unterwegs. Er starb im Alter von 71 Jahren in seinem Haus in Los Angeles.



8. März: George Martin

Im Jahr 1962 hörte der britische Plattenproduzent George Martin zum ersten Mal Probeaufnahmen einer Band, die zu diesem Zeitpunkt schon von verschiedenen anderen Labels abgelehnt worden war. Die Band nannte sich The Beatles, Martin nahm sie unter Vertrag und blieb bis zum Schluss ihr Produzent. Gemeinsam brachten sie mehr als 700 Platten heraus. Mit 50 Nummer-eins-Hits wird Martin bis heute im Guinnessbuch der Rekorde als erfolgreichster Produzent der Welt geführt. 1963 stand eine seiner Aufnahmen 37 Wochen auf Platz eins der britischen Charts. Martin wurde 90 Jahre alt.



Nancy Reagan 2011 im Weißen Haus in Washington © Chris Carlson/Reuters

6. März: Nancy Reagan

Sie war die erzkonservative Frau an der Seite eines erzkonservativen US-Präsidenten: Nancy Reagan, geboren 1921, hatte den Ruf, die wichtigste Beraterin ihres Mannes Ronald zu sein. Ob das in politischen Fragen wirklich so war, weiß man nicht. Beide hatten in den 40er- und 50er-Jahren als Filmschauspieler gearbeitet, 1952 heirateten sie.

Im Alter litt ihr Ehemann Ronald lange an Alzheimer, bevor er 2004 mit 93 Jahren daran starb. Nancy setzte sich den Rest ihres Lebens für die Alzheimer-Behandlung ein. Weil sie deshalb auch für die Forschung an embryonalen Stammzellen eintrat, brachte sie das konservative Establishment der Bush-Junior-Regierung gegen sich auf. Sie starb mit 94 Jahren in Los Angeles an Herzversagen. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Nikolaus Harnoncourt 2012 in Salzburg © Herwig Prammer/Reuters

5. März: Nikolaus Harnoncourt

Wie versteht man den Kern jener Musik am besten, die über die Jahrhunderte hinweg schon zigtausendfach interpretiert wurde? Der Österreicher Nikolaus Harnoncourt fand seine eigene Antwort: Der Cellist gründete 1953 mit seiner Ehefrau das Ensemble Concentus Musicus Wien, das die Werke der Renaissance und des Barock möglichst originalgetreu spielte. Die sogenannte Historische Aufführungspraxis galt damals als Affront gegen den etablierten Orchesterbetrieb. Mehr als 60 Jahre lang verteidigte Harnoncourt diese Spielweise – auf Originalinstrumenten und in der interpretatorischen Mode der Entstehungszeit – und bereicherte die Musikwelt um ein Geschichtsbewusstsein und neue, alte Klangfarben. 

Kurz vor seinem 86. Geburtstag, drei Monate vor seinem Tod, zog er sich aus gesundheitlichen Gründen zurück und verabschiedete sich in einem Brief von seinem Publikum: "Zwischen uns am Podium und Ihnen im Saal hat sich eine ungewöhnlich tiefe Beziehung aufgebaut. Wir sind eine glückliche Entdeckergemeinschaft geworden. Da wird wohl vieles bleiben." Lesen Sie hier unseren Nachruf         

Februar

23. Februar: Peter Lustig

Der Mann mit der Latzhose, der Kindern die Welt erklärt. Das war Peter Fritz Willi Lustig für eine ganze Generation von Fernsehzuschauern, dabei war er, der gelernte Rundfunktechniker und studierte Elektrotechniker, eher durch Zufall zum Fernsehen gekommen. Schließlich aber residierte er in seinem öffentlich-rechtlichen Bauwagen mehr als zwei Jahrzehnte, von 1979 bis 2005. In der ZDF-Sendung Löwenzahn erfuhr man, ob man Kuhfladen essen kann oder wie man seinen Fernseher mit einem Dynamo betreibt.

Sein verwilderter Garten war eine nostalgische Wunschwelt, in die sich auch Eltern gern verliefen. Lustigs neugierige Fortschrittsgläubigkeit inspirierte viele weitere Jugendprogramme. Zu Unrecht hing dem selbstironischen Mann der Ruf nach, Kinder gar nicht zu mögen. Im Alter von 78 Jahren starb Peter Lustig in Husum. Lesen Sie hier unseren Nachruf



Umberto Eco 1998 in Berlin © Fabrizio Bensch/Reuters

19. Februar: Umberto Eco

Ein mit kulturgeschichtlichem Wissen und Texttheorie gesättigter Roman, der zum Weltbeststeller wird? Das klingt unmöglich. Der italienische Schriftsteller, Semiotiker und Philosophieprofessor Umberto Eco hat es mit seinem monumentalen Meta-Roman Der Name der Rose im Jahr 1980 dennoch geschafft. 

So wie dieser brillante Intellektuelle es überhaupt verstand, leichtfüßig zwischen den Disziplinen, zwischen Hoch- und Populärkultur zu wandeln. Wie kaum ein anderer hat Eco bewiesen, dass es kein Widerspruch ist, sich für Medientheorie und die Phänomene der unmittelbaren Gegenwart ebenso zu begeistern wie für die Wunderkammern des Barock. Kurz nach seinem 84. Geburtstag ist Umberto Eco in Mailand gestorben. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Harper Lee 2007 während einer Ehrung im Weißen Haus © Chip Somodevilla/Getty Images

19. Februar: Harper Lee

Manchmal genügt ein Werk, um zu Weltruhm zu gelangen. Wer die Nachtigall stört war so eines. Der Schriftstellerin Harper Lee gelang dies mit ihrem Roman, der aus der Sicht der siebenjährigen Louise "Scout" Finch über den Rassismus in den USA während der Großen Depression erzählt. 1960 wurde das Buch veröffentlicht, 1961 gewann Lee den Pulitzer-Preis. Im darauffolgenden Jahre wurde Wer die Nachtigall stört verfilmt.

Dann schwieg Harper Lee. Fünf Jahrzehnte lang schrieb sie nichts mehr, keine Zeile, kein Wort. Ein wiederentdecktes Manuskript, eine frühe Fassung ihres Erfolgsromans, sorgte für Furore, als es 2015 unter dem Titel Gehe hin, stelle einen Wächter erschien. Harper Lee starb im Alter von 89 Jahren in ihrem Heimatort Monroeville. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Roger Willemsen 2013 beim Literaturfest lit.COLOGNE © Ralf Juergens/Getty Images

7. Februar: Roger Willemsen

Roger Willemsen hatte viele Berufe, am Ende war er aber vor allem Publizist. Er bereiste und beobachtete die Welt und verpackte sie angemessen in Worte. Seine große Kunst war es, mit dem Ernsten zu unterhalten und das Unterhaltende ernst zu nehmen. Er arbeitete als Übersetzer und Journalist, machte Radio und Fernsehen, er schrieb eine Kolumne für das ZEITmagazin und Bücher, die zu Bestsellern wurden. Das Denken war sein Zuhause. Gerade erschien mit Wer wir waren ein letzter Essay von ihm. Willemsen starb im Alter von 60 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Januar

Alan Rickman beim Filmfstival in Toronto 2014 © Mark Blinch/Reuters

14. Januar: Alan Rickman

Seine Stimme oszillierte stets zwischen Verführung und Boshaftigkeit. Deswegen brillierte Alan Rickman auf der Bühne als skrupelloser Verführer Vicomte de Valmont in Gefährliche Liebschaften und erschreckte in den Harry-Potter-Filmen die Zauberschüler von Hogwarts. Es war dieses tiefe, leicht angeraute Timbre, mit einem Hauch britischer Herablassung, an dem man den Shakespeare-Darsteller erkannte. Bösewichte werden ohne die Kunst des britischen Schauspielers in Zukunft etwas weniger schillern.

Dabei konnte Alan Rickman auch ganz anders: nett, zugewandt, verletzlich. So wie in Snow Cake. Dort ließ er sich als entlassener Strafgefangener auf eine Freundschaft zu einer Autistin ein.Alan Rickman starb im Alter von 69 in London. Lesen Sie hier unseren Nachruf


David Bowie 1978 während eines Konzerts in London © Evening Standard/Getty Images

10. Januar: David Bowie

Ein Beben erschütterte den Globus, als David Bowie am 10. Januar die Welt verließ. Erst zwei Tage zuvor hatte er seinen 69. Geburtstag gefeiert, hatte sich und der Menschheit sein Album Blackstar geschenkt – das junge Jahr stand im Sternzeichen des Popmessias. Man hätte die Zeichen entziffern können: Blackstar nahm den Abschied des krebskranken Musikers voraus.

Aber David Bowie war weit mehr als bloß Musiker, er veränderte nicht nur den Pop, sondern mit seinem Konzept von Pop auch die Gesellschaft. Als Subjekt der Postmoderne stellte er Moralvorstellungen und Geschlechterverhältnisse infrage und war doch selbst kaum greifbar in seinem schillernden Kunstfigurenkabinett. Farewell Ziggy Stardust, Thin White Duke, Major Tom! Lesen Sie auf unserer Themenseite u. a. Nachrufe von Benjamin Lebert, Peter Kümmel, Diedrich Diederichsen und Jan Freitag

5. Januar: Pierre Boulez

"Sprengt die Opernhäuser in die Luft!" Zeit seines Lebens stellte Pierre Boulez die bürgerliche Klassik mit ihren traditionellen Formen infrage. 1925 in Montbrison geboren, avancierte er in den fünfziger Jahren zu einem der wichtigsten französischen Vertreter der Neuen Musik.

Als Dirigent schrieb er 1976 Musikgeschichte, als er gemeinsam mit dem Regisseur Patrice Chéreau Wagners Ring des Nibelungen in Bayreuth aufführte. Beide widersetzten sich den Protesten von Wagner-Puristen und dem Orchester und wurden schließlich gefeiert für ihren Jahrhundert-Ring. Boulez starb mit 90 Jahren in seiner Wahlheimat Baden-Baden. Lesen Sie hier unseren Nachruf

5. Januar: Paul Bley

Paul Bleys Schaffen war nahezu unermesslich, so viele Alben, so viele Konzerte, schon die schiere Menge ist beeindruckend. Als hochbegabter, junger Jazzpianist erlebte der Kanadier die fünfziger Jahre mit Legenden wie Coleman Hawkins, Charlie Parker oder Chet Baker. Aber erst der Kontakt mit den Paten des Free Jazz', Ornette Coleman und Albert Ayler, eröffnete ihm Perspektiven, in deren Fluchtpunkt er seinen eigenen Stil fand: frei und offen, aber introvertiert und leise.

Er wurde zu einem der bedeutendsten Avantgarde-Pianisten des 20. Jahrhunderts. Der große Jazzkritiker der ZEIT, Konrad Heidkamp, beschrieb ihn 2006 als "Klassiker der Moderne": "Er bleibt der gedankliche Einsiedler, der es ablehnt zu üben, nur spielt, wenn er Konzerte gibt oder Schallplatten aufnimmt, kaum Musik hört und alterssteife Finger für einen Vorteil hält." Paul Bley starb mit 83 Jahren im Kreise seiner Familie in Florida.



4. Januar: Achim Mentzel

"Fastehste?" Der Stimmungssänger und Fernsehmoderator Achim Mentzel war einer der bekanntesten ostdeutschen Komiker. Bekannt wurde er vor allem durch seine Schlagersendung Achims Hitparade im MDR. Mentzel war es nie peinlich, in Autohäusern zu singen, und er löste in Möbelhäusern und in Shoppingcentern Ekstasen aus. Als der Komiker Oliver Kalkofe ihn in den 1990er Jahren als "singende Spreewaldgurke" verunglimpfte, nahm Mentzel auch das mit Humor – mit dem Erfolg, dass er auch im Westen bekannt wurde. Mit 69 Jahren starb der Entertainer in Cottbus. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Diese rückwärts chronologische Liste erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.