28. September: Schimon Peres

Schimon Peres könnte man auch "Mr. Regierung von Israel" nennen: In seiner politischen Karriere nahm er ein Dutzend Ministerposten ein und war zweimal Premierminister. Von 1959 bis 2007 saß er zudem als Abgeordneter in der Knesset, von 2007 bis 2014 war er Staatspräsident. Wahrscheinlich hat kein Funktionsträger eines demokratischen Staates jemals so viele politische Ämter und Befugnisse inne gehabt wie er.

Peres kam 1923 als Szymon Perski in Polen auf die Welt; als nicht in Israel Geborener nahm er daher eine gewisse Außenseiterrolle ein. Im Gegensatz zu den meisten seiner Politikergeneration war er kein Armeegeneral, er organisierte aber im Unabhängigkeitskrieg 1948 Waffen im Ausland. Im Laufe seiner Karriere wandelte sich Peres vom Falken zur Taube. Im Westen galt er vielen als Vordenker eines "neuen Nahen Ostens", während ein Teil seiner Landsleute ihn als Träumer abtaten.

Als Außenminister unter Itzhak Rabin setzte er sich für den Dialog mit der PLO des damaligen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat ein und trieb das im Geheimen ausgehandelte Osloer Abkommen mit voran. 1994 wurde ihm dafür zusammen mit Rabin und Arafat der Friedensnobelpreis verliehen. Peres starb im Alter von 93 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Arnold Palmer 2008 bei einem Golfturnier in Augusta, Georgia © Hans Deryk/Reuters

25. September: Arnold Palmer

Der Amerikaner Arnold Palmer war der erste Golfstar der Welt. In den Fünfzigern und Sechzigern machte er den Sport in seiner Heimat, aber auch über sie hinaus populär. Viermal gewann er in dieser Zeit das US Masters, zweimal die British Open. Durch seinen Sport wurde er Millionär, außerdem erzielte er als einer der ersten Sportler hohe Einnahmen durch Werbung. 

Auch wegen seiner freundlichen Art galt der King of Golf Nachfolgern wie Tiger Woods als Vorbild. Erst mit 77 Jahren zog sich Palmer aus dem Turnierbetrieb zurück. Zehn Jahre später starb er in Pittsburgh.



Max Mannheimer © Alexandra Beier/Getty Images

23. September: Max Mannheimer

Er war einer der letzten bekannten Überlebenden des Holocaust, der aus eigener Anschauung von den Schrecknissen des NS-Vernichtungssystems berichten konnte. Und er tat es mit der ihm eigenen Gabe, auch grauenvollste Erinnerungen mit einem Stück Humor und der Hoffnung auf das Bessere im Menschen zu verbinden. 1920 im mährischen Neutitschein (Nový Jičín) geboren, war Mannheimer 1943 mit seiner Familie und seiner ersten Frau Eva nach Theresienstadt und dann nach Auschwitz deportiert worden. Seine Frau, seine Eltern und seine Geschwister wurden dort ermordet, nur sein Bruder Edgar überlebte mit ihm. Gemeinsam durchlitten sie auch noch die KZs Warschau und Dachau.

Wie viele Überlebende war Mannheimer ein später Zeitzeuge. Zwar schrieb er schon in den sechziger Jahren für seine Tochter ein Spätes Tagebuch, veröffentlicht wurde es jedoch erst 1985. Zu dieser Zeit begann er über die Leidenszeit zu sprechen, er hielt Vorträge, sprach in Schulen und wurde Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau, eines Zusammenschlusses ehemaliger KZ-Häftlinge. Bis zuletzt blieb er unermüdlich in seinem Kampf gegen das Vergessen. Er wusste, dass es bald keine Zeitzeugen mehr geben wird. Mannheimer starb in München mit 96 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf

21. September: Klaus Harpprecht

Er hätte es sich gemütlich machen können, aber auf den Gedanken kam er nicht: Der Journalist Klaus Harpprecht hat bis ins hohe Alter geschrieben, gestritten, Artikelserien entworfen. Gut möglich, dass ihm die politische Öffentlichkeit einfach zu wichtig war, als dass er sie unbeaufsichtigt hätte lassen können.

Als Kind hatte er die Schrecken des Nationalsozialismus erlebt, seine zwei Brüder starben im Krieg. In der Bundesrepublik stieg er sofort im Journalismus ein, arbeitete für verschiedene Redaktionen, übernahm die Leitung des S. Fischer Verlags, bis ihn Willy Brandt als Redenschreiber ins Kanzleramt holte. Seine Bücher handelten von Thomas Mann und Marion Dönhoff. 2014 veröffentlichte er seine Memoiren. Klaus Harpprecht ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Lesen Sie hier unseren Nachruf

19. September: Karl Dietrich Bracher

Im Sommer 1955 veröffentlichte Karl Dietrich Bracher eines der noch heute bedeutendsten zeitgeschichtlichen Werke: Die Auflösung der Weimarer Republik. Eine Studie zum Problem des Machtverfalls der Demokratie. Es hat die Politikwissenschaft der Bonner Republik maßgeblich geprägt. Mit peinlicher Akribie, ohne Dramatisierung habe Bracher das Drama der Weimarer Republik erzählt, das zur Auflösung geführt habe, aber nicht hätte führen müssen, hieß es 1984 dazu in der ZEIT. "Er erfaßt den verwirrenden Komplex von Anlässen und Ursachen, löst die einzelnen Geschehen auf und verknüpft sie wieder zur Übersichtlichkeit. So zeigt er den Faden, der durch das Labyrinth führt." Und das, obwohl der Althistoriker – 1922 in Stuttgart geboren – die Erste Republik nie bewusst erlebt hatte.

Die Habilitation begründete Brachers Ruhm. Später war er Gastprofessor in den USA, Großbritannien, Israel und Japan. Als Mitglied renommierter Forschungseinrichtungen und Akademien erhielt der Althistoriker zahlreiche Auszeichnungen sowie Ehrendoktorwürden. Lesen Sie hier unseren Nachruf

Islam Karimow © Host Photo Agency/Ria Novosti/Getty Images

2. September: Islam Karimow

Zum Erbe der Sowjetunion gehörte ein Politikertyp, den man damals in der Kommunistendiktatur so nicht vermutet hatte: der Klanchef. So einer war Islam Karimow aus Usbekistan. Der 1938 in Samarkand geborene Karimow trat 1964 in die KPdSU ein. Der Ingenieur machte Karriere in der Staatsbürokratie und wurde 1989 noch von Michail Gorbatschow, dem letzten Staatschef der UdSSR, zum Vorsitzenden der Kommunistischen Partei der damaligen Usbekischen Sowjetrepublik ernannt.

Im August 1991 nutzte Karimow den gescheiterten Putsch gegen Gorbatschow, um Usbekistan von Moskau abzusetzen. Als geübter Apparatschik baute er dort eine der härtesten Diktaturen Zentralasiens auf, seine Familie beutete das an Rohstoffen reiche Land aus. Um die Nachfolge des mit 78 Jahren an den Folgen einer Hirnblutung verstorbenen Herrschers gibt es gewaltsame Auseinandersetzungen – auch innerhalb des Karimow-Klans.