Dieser Krieg, der nun im Inneren auch gegen die geführt wurde, die sich an das vertragstheoretische Modell der Demokratie halten wollen. In diesem Krieg ist eine wichtige Schlacht gewonnen. Und. Es ist viel zu lernen gewesen.

So war es doch gut, wieder in Erinnerung gebracht zu bekommen, welche Rolle der Katholizismus doch noch spielt. Viele Katholiken konnten van der Bellen nicht wählen, weil er einmal Kommunist gewesen war. Es war gut, daran erinnert zu werden, dass Regionalismen nicht immer verständlich sind. Jedenfalls nicht von außen. Dass das einmal sozialdemokratische Burgenland Hofer bevorzugen musste, kann nur auf Regionalstolz zurückgeführt werden. Wenn Hofer aber für Demokraten wählbar wird, weil er aus der Region kommt, dann überschießt die Herkunft die Staatsform. Gefühle und Verbundenheiten. Sentimentalität ist immer undemokratisch.

Wir wissen jetzt nach der Wahl, dass junge Personen die Freiheit der Demokratie schätzen und sich nicht auf gegebene Vorrechte stützen wollen. Wir wissen einmal mehr, dass Männer und Frauen, die sich der Emanzipation in eine eigene Autonomie verwehren, patriarchale Rechte zurückfordern, um ihren Abstieg abzuwehren. Wir können sehen, dass eine patriarchal männliche Sozialisation antidemokratisches Verhalten fördert. Wir konnten lernen, dass populistische Sprechweisen die Zeit nicht gut überdauern.

Es ist immer eine Selbstrettung

Die sogenannte Flüchtlingskrise wurde bei dieser Wahl zum Medium populistisch geschürten Neids auf das Schicksal der Flüchtenden selbst. Zur Befriedung dieses Neids wurde die Privilegierung durch nationale Geburt angeboten. Das Einzelschicksal sollte im Volkskörper aufgenommen werden. Demokratie meinte das nicht. 

Nun müssen wir uns immer erinnern, dass Österreich seit der Reformation und dann wiederum seit der französischen Revolution die führende Macht der europäischen Reaktion war. Demokratie ist hier nicht selbstverständlich und muss jedes Mal neu argumentiert werden. Das uralte Begehren, endlich selbst privilegiert zu sein. Dieses Begehren ist mit dem Ergebnis dieser Wahl abgewehrt. Bestehen wird dieses Begehren weiterhin. Weiterhin wird es Emotionen ausbeuten und Populismen formulieren.

Aber. Das kann nur bedeuten, im Bestehen auf Demokratie noch beständiger zu bleiben. Am Ende geht es eben um die Welt. Es war ein Schock, in der sogenannten Flüchtlingskrise lernen zu müssen, dass universelle Ansprüche nicht mehr gelten. Zusehen zu müssen, dass im eigenen Staat nicht mehr der Satz "Jedes Leben zählt" gilt, ist erst einmal verstörend. Dann aber. Am Ende geht es ohnehin nur um Selbstrettung, wenn die Freiheit der anderen verteidigt wird. Das Leid der anderen kann ja ganz rasch das eigene Leid geworden sein. Die Rettung. Wie in allen Katastrophen muss sie schon lange vor der Katastrophe bereitstehen, um wirksam sein zu können. Genau das ist mit dieser Wahl erreicht. Die Katastrophenübungen werden weitergehen müssen. Aber wir werden sie immer besser im Griff haben.