An der Spitze von zwei der größten deutschen Onlinemedien stehen künftig erstmals Frauen: Barbara Hans wird neue Chefredakteurin von Spiegel Online. Bei SZ.de rückt Julia Bönisch zum Jahresanfang auf den Posten der Chefredakteurin neben Stefan Plöchinger.

Der seit Januar 2015 amtierende Chefredakteur von Spiegel Online, Florian Harms, verliert seinen Posten. Wie der Spiegelverlag mitteilte, wurde der 43-Jährige von seinem Amt abberufen. Er werde das Unternehmen verlassen. Gründe für die Abberufung wurden nicht mitgeteilt.

Das Fachblatt Horizont hatte berichtet, dass es Uneinigkeit über den Umgang mit Bezahlinhalten und über die publizistische Weiterentwicklung gegeben habe. Im Spiegelverlag hatte es mehrfach heftig ausgetragene Konflikte zwischen Chefredaktion und Redaktion gegeben, Ende 2014 sorgte das monatelange Ringen um die Absetzung von Wolfgang Büchner für Schlagzeilen. Jetzt hatte die Redaktion von Spiegel Online in einem Sammelbrief gegen eine mögliche Abberufung von Harms protestiert.  

Geschäftsführer Jesper Doub nannte die neue Chefredakteurin Hans eine exzellente Journalistin, die das publizistische Profil von Spiegel Online weiter schärfen und das Angebot ausbauen werde. Dem scheidenden Harms dankte er "für sein überaus großes Engagement". Harms habe das journalistische Angebot des Portals zu einer starken Position ausgebaut.

Der Islam- und Politikwissenschaftler Harms arbeitete seit 2004 in verschiedenen Funktionen für Spiegel Online. Nach Bekanntgabe der Entscheidung bedankte er sich per Twitter bei seiner Redaktion. Er werde sie vermissen. 

Das Onlineportal der Süddeutschen Zeitung wird künftig von einer Doppelspitze geführt. Chefredakteur Plöchinger bleibt im Amt, er soll die Redaktion mit seiner bisherigen Stellvertreterin Bönisch leiten – "auf Augenhöhe", wie die Südwestdeutsche Medienholding in München bekannt gab. 

Der 40-jährige Plöchinger werde sich noch mehr als bisher vor allem strategischen Themen der Marke widmen. Bönisch solle insbesondere die Geschäfte der Nachrichtenseite führen und die Weiterentwicklung mitverantworten. Bönisch arbeitet seit 2007 bei SZ.de.