Sie war eine der bedeutendsten deutschen Bühnenschauspielerinnen und trug zum großen Ansehen des Deutschen Theaters bei: Inge Keller. Nun ist sie im Alter von 93 Jahren in Berlin verstorben.

Als Fabrikantentochter in Berlin geboren, besuchte sie die Schauspielschule dort und debütierte 1942 am Berliner Theater am Kurfürstendamm. Nach Engagements in Sachsen kehrte sie 1947 in die Hauptstadt zurück – zunächst ans Hebbel-Theater. Drei Jahre später wechselte sie zum Deutschen Theater (DT) im Osten der Stadt, dem sie ununterbrochen bis zum Jahr 2001 treu blieb. Auch nach ihrer Zeit als Ensemblemitglied übernahm sie Gastrollen am DT, dessen Ehrenmitglied sie war.

Kluge, stolze und emanzipierte Frauenrollen

Ihren ersten großen Erfolg feierte Inge Keller als Eliza Doolittle in Shaws Pygmalion unter der Regie Rudolf Noeltes. Später arbeitete sie eng mit Regisseuren wie Wolfgang Langhoff und Wolfgang Heinz zusammen. Unter ihrer Leitung brachte sie es zu einer der bedeutendsten deutschen Bühnenschauspielerinnen. Schön, elegant und preußisch distanziert, gab es für ihre "Ausstrahlung in dem Lande DDR keine Entsprechung", wie es der Theaterkritiker Henryk Goldberg ausdrückte. In ihren etwa 50 Bühnenrollen spielte sie vor allem kluge, stolze und emanzipierte Frauen, und immer wieder gewann sie dem Klischee der Dame von Welt neue Nuancen ab. Selbstironisch bezeichnete sie sich als die "diensthabende Gräfin der DDR".

Bis ins hohe Alter trat sie auf; so verkörperte sie zwischen 1999 und 2001 die Titelrolle in Thomas Langhoffs Inszenierung von Dürrenmatts Besuch der alten Dame – die knapp 90 Vorstellungen waren fast alle ausverkauft.

Außer am Deutschen Theater spielte Keller unter anderem bei den Wiener Festwochen 1989 als Frau Alving in Ibsens Gespenster. Berühmt waren auch die Matineen des Deutschen Theaters seit Mitte der 1980er Jahre, in denen Keller Werke von Stefan Zweig, Thomas Mann, Ingeborg Bachmann, Anna Seghers, Christoph Hein oder Grete Weil las.

Leinwand-Comeback mit Aimée und Jaguar

Regelmäßig übernahm Inge Keller auch Film- und Fernsehrollen. Dabei überzeugte sie in Gegenwartsfilmen ebenso wie in literarischen Stoffen; sie konnte komisch sein, aber auch erschüttern. 1999 feierte sie nach längerer Drehpause in Max Färberböcks Aimée und Jaguar ein Leinwand-Comeback. In der im Jahr 1943 in Berlin angesiedelten Liebesgeschichte zwischen der Mutterkreuzträgerin Lilly und der Jüdin Felice spielte sie die Lilly des Jahres 1997.

Keller hat ihr schauspielerisches Talent vererbt. Aus ihrer kurzen Ehe mit dem DDR-Fernsehmoderator Karl-Eduard von Schnitzler ging die Tochter Barbara Schnitzler hervor, ebenfalls Schauspielerin. Auch deren Tochter Pauline Knof arbeitet als Schauspielerin.