Der Weltfrauentag soll ein Day Without A Woman sein, ein Tag ohne Frauen. Dieser Massenstreik, der für den 8. März in den USA, aber auch in Deutschland und anderen Ländern auf der Welt geplant ist, löst bei mir gemischte Gefühle aus. Soll ich mitmachen? Soll ich mein Seminar an der Universität von Kentucky ausfallen lassen? Ich bin unentschlossen. 

Susan Bordo, geboren 1947, ist eine amerikanische Feministin. Sie ist Professorin für Gender and Women's Studies an der Universität Kentucky. Ihr neues Buch "The Destruction of Hillary Clinton" erscheint im April bei Melville House. © privat

Einerseits hat es mich entsetzt, dass Themen wie reproduktive Rechte, Geschlechterdiskriminierung und Sexismus kaum vorkamen, wenn über Hillary Clinton im Wahlkampf 2016 geschrieben, gesprochen und nachgedacht wurde. Hohn und Spott über feministische "politische Korrektheit" – übrigens von links wie von rechts – haben die Begeisterung erstickt, eine Frau zur Präsidentin wählen zu können. Es schien, als hätten wir vergessen, wie zerbrechlich schwer erkämpfte Rechte sind. Der erfundene E-Mail-"Skandal" einer hochqualifizierten weiblichen Kandidatin wurde als gröberer Fehltritt angesehen als das frauenfeindliche Geprahle eines rüpelhaften Pussy-Grapschers. Jetzt erkennen wir, wie ernst das alles war – wir haben nicht über einen neuen Popstar abgestimmt, sondern tatsächlich einen Präsidenten gewählt – und wenn daraus ein neues feministisches Bewusstsein entsteht, dann bin ich absolut dafür.

Andererseits bezweifle ich die Beweiskraft einer Lysistrata-haften Demonstration, wie sehr Frauen gebraucht werden (entsprechende Lippenbekenntnisse gab es immer). Streiks funktionieren dann am besten, wenn sie ein konkretes Ziel verfolgen. Gewiss wäre es fabelhaft, der Welt zu zeigen, dass sie ohne uns Frauen vollständig lahmgelegt würde – aber dass es auch nur annähernd so weit kommt, ist unwahrscheinlich. Streiks gegen Missstände am Arbeitsplatz genießen gesetzlichen Schutz, aber Generalstreiks (ähnlich wie Vorwahlen) begünstigen diejenigen, die daran teilnehmen können, ohne ihren Arbeitsplatz zu gefährden: Studenten also oder solche, die es sich leisten können, die Arbeit ausfallen zu lassen und/oder eine Kinderbetreuung zu bezahlen, Menschen, die ihr eigener Chef sind. All jene, denen es nicht möglich ist, mitzumarschieren, können "teilnehmen", indem sie nur in von Frauen oder Minderheiten geführten Geschäften einkaufen (schwierig für Menschen, die auf Discounterpreise angewiesen sind) oder indem sie aus Solidarität rote Kleidung tragen. Das erscheint mir alles recht diffus und erinnert an die Tage, als das feministische Bewusstsein noch in der Entwicklung begriffen war. Wir haben es aber seitdem weit gebracht, auch wenn man das angesichts des derzeitigen US-Präsidenten nicht vermuten sollte.

Etwas aufregend Neues

Die Proteste am Tag nach Donald Trumps Amtseinführung, die Millionen auf die Straßen gebracht haben, wurden als Women's Marches, als Frauendemonstrationen, angekündigt. Sie waren organisiert von Frauen und geprägt von Bildern pinker Pussyhats, Mützen mit Katzenohren. Und ja, die Frauen waren eindeutig in der Mehrzahl gegenüber ihren männlichen Partnern, Freunden und Kindern. Dennoch war da etwas aufregend Neues an den "Frauen"-Demos des jungen Jahres 2017.

In den alten Zeiten der Frauenbewegung waren mitmarschierende Männer dabei, um ihre weiblichen Freunde und Partner in deren Sache zu unterstützen. Wir waren froh, dass sie mitmachten, aber wir wussten, dass die meisten von ihnen es doch nicht hundertprozentig kapierten. Wie auch? Waren sie weiß oder hetero, dann war es nicht ihr Kampf. Mit dem Verlangen nach wirtschaftlicher und ethnischer Gerechtigkeit konnten sie sich identifizieren, auch wenn sie nicht selbst in Gefahr waren. Aber reproduktive Rechte? Kinderbetreuung? Sexuelle Belästigung? Frauenthemen. Die Feministinnen versuchten, die Männer davon zu überzeugen, dass es bei der Befreiung der Frauen letztlich auch um die Befreiung der Männer ging, aber nur mit wenig Erfolg.

Im Januar 2017 hingegen nahmen die Männer aus Schock, aus Empörung, Trauer und Angst an den Demonstrationen teil – für sich selbst, für ihre Söhne ebenso wie für ihre Töchter, für ihr Land. Die Schilder, die sie alle trugen, waren vielgestaltig. Es ging da um sogenannte Frauenthemen ebenso wie um Wirtschaftsthemen, den Mindestlohn etwa, und um Menschenrechtsverletzungen in der Behandlung von Immigranten und Transgender. Trotz dieser Vielfalt ergab sich eine sehr klare Botschaft: Der (zu diesem Zeitpunkt noch angekündigte) Angriff auf demokratische Werte, dem wir in den USA gerade zur Macht verholfen hatten, darf nicht zur Normalität werden, ihm muss Widerstand geleistet werden, auf jede erdenkliche Art. Dies war nicht die erste Aktion einer neuen Frauenbewegung, sondern die erste Aktion einer Anti-Trump-Bewegung – und Frauen gingen voran.