Weil unter der Sonne Kaliforniens alles schöner aussieht als im Nieselregen auf Usedom und weil man in Kalifornien lernt, die Dinge von ihrer positiven Seite zu betrachten, muss man sagen: Es ist schon Schlimmeres ins Meer geworfen worden als Dwayne "The Rock" Johnson. Und das ist doch eine gute Nachricht, bei der man es belassen könnte, wenn der eigentliche Anlass nicht lautete: Baywatch wurde verfilmt. 

Und die Frage, ob das wirklich nötig war, ist möglicherweise weit weniger spannend als die Frage, wie das überhaupt passieren konnte. Wie eine Serie über Rettungsschwimmer zur erfolgreichsten TV-Produktion der neunziger Jahre aufsteigen konnte, und wer das überhaupt geguckt hat. Wie so oft bei dunklen Stunden der Vergangenheit: Hinterher will es ja niemand gewesen sein, bzw. Some people stand in the darkness, afraid to step into the light. So jaulte die Titelmelodie damals los, und in deren Takt hüpften die Körper von David Hasselhoff und Pamela Anderson in Superzeitlupe über den Strand von Malibu, was in den Zuschauern mehr oder weniger ozeanische Gefühle auslöste.

Dass das Original in der Gruselabteilung "Kult" mit anderen Geschmacksverirrungen nun sein Dasein fristet, kann man zumindest hinnehmen. Dass aber niemand dem Regisseur Seth Gordon abriet, Baywatch im Jahr 2017 ins Kino zu bringen, kann als ein mittleres Wunder gelten. Und da das Meer vorab sowieso nicht befragt worden ist, ob es das alles will, hat man eben den Salat. Deshalb, der Vollständigkeit halber: Dwayne Johnson spielt den Oberbademeister Mitch Buchannon, den einst Hasselhoff spielte, der im Film natürlich einen Gastauftritt hat. Das Model Kelly Rohrbach spielt C. J. Parker, einst von Anderson gespielt, die ebenfalls am Ende durchs Bild läuft. Und Zac Efron verkörpert (ein anderes Wort wäre zu viel) einen versoffenen Rettungsschwimmeranwärter und schaut ansonsten die meiste Zeit so, als wolle er nur nach Hause.

Klamotten ohne Klamotten

Kann man auch verstehen: Am Strand treibt eine skrupellose Investorin ihr Unwesen, verkauft Drogen an Badegäste und bringt einen Lokalpolitiker um die Ecke, und weil die Polizei ein trüber Haufen ist, müssen eben die Rettungsschwimmer ran, und mehr braucht man eigentlich nicht zu wissen. Man kann mit der Genrebeschreibung "Klamotte" einfach sein Genügen finden, wenn man darüber hinwegsieht, dass die Schauspieler kaum etwas anhaben, worin im Wesentlichen auch die Handlung besteht.

Nun könnten an dieser Stelle die übersexualisierten, dressierten Körper angewettert werden, aber das wäre als Anstandsübung so unergiebig, wie Birken anzubrüllen, weil man von ihren Pollen niesen muss. Die Push-up-Dekolletes, der Umkleidekabinenhumor, das alles gehört zum allgemeinen Verblödungszusammenhang, also der Existenzgrundlage dieses Films.

Dass er für die Albernheit seiner Geschichte obendrein ein Bewusstsein zu haben scheint, führt auch nirgendwo hin, außer ins Lallen der Selbstironie, der allerletzten Rettungsboje, die man sich selbst hinterherwerfen kann. Das ist aus anderen Bereichen bekannt: Wenn man ironisch schlechte Musik spielt, wird die Musik trotzdem nicht besser. Und wenn man mit einem Augenzwinkern verhauen wurde, ist man ja trotzdem verhauen worden.  

Also was hilft's: Der Film ist gedreht, die permanent feuchten Badeanzüge glühen nun sonnenbrandrot in HD, alles ist total lustig gemeint, und die Haie schauen alldem leider tatenlos zu, da draußen auf dem Meer. Die Wasseraufnahmen sind aber recht schön. Wie die Wellen so brausen, glitzern und schwappen und einen kurz an die weisen Worte des Franzosen Jules Michelet erinnern, der sagte, das Meer nähme alles, erstatte aber nichts zurück. Übrigens auch keine Eintrittspreise und keine Lebenszeit.