Der 80-jährige Theaterregisseur Claus Peymann ist ungehalten. Über die Stadt Berlin, ihre Kulturszene und die heutige Theaterlandschaft. Im Interview mit der ZEIT sagte Peymann, Berlin sei nicht zum Aushalten. "Diese Stadt war ja immer auf eine schreckliche Weise mörderisch."

Peymann hat am 2. Juli seinen Posten als Intendant des Berliner Ensembles verlassen. Seinen Nachfolger Oliver Reese bezeichnet er in der ZEIT als "schnurrenden Stubenkater". Und gesteht, nicht frei von Eifersucht zu sein: "Das Theater ist ja mein Leben, meine Hülle, mein Schneckenhaus. Und wie das BE jetzt aussieht, wie es jetzt dasteht, das bin ja auch ich."

Sich selbst bezeichnet Peymann als einen "Weltverbesserer", der im Sinne der deutschen Klassik an die Verzauberung und Erziehung des Menschen durch die Kunst glaube. In der Zerstörung finde er keine Kraft.

"Ich bin der König der Herzen"

Der Theatermacher vergleicht sich auch mit Frank Castorf, dem früheren Intendanten der Berliner Volksbühne, der 2017 ebenfalls aus seinem Amt geschieden ist: "Wir sind die gleiche Gewichtsklasse. Ich sage immer: Er ist der König der Feuilletons, ich bin der König der Herzen."

Aber die Gesellschaft danke es ihm nicht. Peymann erinnert im Gespräch an seine Prügelei mit dem Lyriker Wolf Wondratschek: "Die Leute haben mir zuerst zugejubelt. Als er endgültig k. o. am Boden lag, haben sie mich ausgepfiffen. So geht unsere Gesellschaft mit Künstlern um: Kämpfen sie, werden sie gefeiert. Haben sie gesiegt, werden sie beschimpft."