Familie, das ist auch in meiner ganz persönlichen Erinnerung: Mama, meine Schwester, der Kater und ich. Meine Eltern ließen sich scheiden, als ich zehn war. Später waren wir Teenager und meine Mutter Mitte 40. Sie wünschte mir damals Gesundheit, Erfolg, aber vor allem Liebe. So stand es auf der Karte zu meinem 18. Freudentag. Wie absurd mir das erschien – strahlte meine Mutter ohne meinen Vater doch wie nie zuvor.

Bis heute ist die Möglichkeit einer Liebe eben nur ein Plus geblieben. Rein logistisch kommen wir allein wunderbar aus. Schlimmer noch, es würde uns schwer fallen, mit einem Mann zu schlafen, der eine Laterne bastelt oder unsere Kinder in einem Lastenfahrrad zum Kindergarten kutschiert. Weder meine Freundinnen, noch ich suchen einen Tüten-August oder den Multitasking-Held, der im Bad die Glühbirne wechselt, obwohl das sexy sein kann. Zusammenziehen, das klingt in unseren Augen nicht nach Abenteuer, sondern eher nach Filzuntersetzern für den Glastisch. Mit jemandem zusammenzuleben, das heißt Kompromisse einzugehen, gerade mit Kindern. Wie viel einfacher ist es doch, die täglichen To-Do-Listen selbst abzuarbeiten – ohne die großen Dramen und Diskussionen im Alltag.

Darauf gebracht hat mich Gustaf, der mich vor einem Jahr bei unserem ersten Treffen in einem Kreuzberger Kebab-Restaurant provokativ fragte, was ich mir als Single-Mama denn eigentlich so vorstelle. Ob ich auf der Suche nach einem Ersatzpapa für meine Kinder sei, jemanden, mit dem ich mir die Last der Erziehung und der Organisation teilen kann. "Nein", sagte ich schnell. Was für eine unverschämte Frage! Die Feministin in mir war beleidigt. Ich holte aus: "Ich suche jemanden, der mein Freund ist, vielleicht eine Liebe, aber hauptsächlich ein Freund fürs Leben." Gustaf hat darauf genickt und gesagt: "Na, das ist doch vorstellbar."

Gustaf, er ist übrigens nun derjenige, der mir gerade eine SMS schreibt, während ich die letzten Sätze dieses Textes vollende. "Komm nach Hause, Mama, deine Kinder haben Hunger und Anna und ich wollen ins Museum. Du bist eine Stunde zu spät", steht in der Textnachricht. Ich klappe den Laptop zu, zahle meinen Kaffee und mache mich hastig auf den Heimweg. "Oh, so spät. Ich bin in fünf Minuten da", tippe ich im Gehen noch ins Handy. Und so kommen wir zum wichtigsten Gebot der glücklich Alleinerziehenden von heute, die das Dorf nicht vergessen hat, das es laut Sprichwort braucht, um ein Kind großzuziehen. Was nützt am Ende der Prinz in Gedanken, wenn es Helden und Freunde gibt, die als Babysitter einspringen.