Der international anerkannte russische Theaterregisseur Kirill Serebrennikow ist in Russland wegen eines Betrugsverdachts festgenommen worden. Der Leiter des Moskauer Gogol-Theaters wird beschuldigt, zwischen 2011 und 2014 Steuergelder von umgerechnet knapp einer Million Euro veruntreut zu haben. Das teilte das staatliche Ermittlungskomitee mit.

Serebrennikow wies den Vorwurf zurück. Seinen Angaben zufolge behaupten die Ermittler, dass eine bestellte Inszenierung von Shakespeares' Sommernachtstraum nicht zustande gekommen sei. Die Aufführung ist allerdings mehrfach in Russland und im Ausland gezeigt worden. Im Mai setzte das Bolschoi-Theater in Moskau ein Ballett des Regisseurs über den russischen Startänzer Rudolf Nurejew kurz vor der Welturaufführung ab.

Serebrennikow ist ein auch in Deutschland gefeierter Theatermacher. Er steht der russischen Führung kritisch gegenüber. Im September soll er in Stuttgart die Märchenoper Hänsel und Gretel inszenieren. Er inszenierte zuletzt auch an der Komischen Oper in Berlin den Barbier von Sevilla

Serebrennikow gilt als Vertreter einer liberalen Öffentlichkeit in einem zunehmend nationalistisch gestimmten Russland. Im vergangenen Jahr wurde sein viel beachteter Film Der die Zeichen liest veröffentlicht. Er erzählt die Geschichte eines Jungen, der die gesellschaftliche Ordnung herausfordert.

Die russischen Behörden hatten die Wohnung des Regisseurs und das Gogol-Theater bereits im Mai durchsucht. Drei frühere Mitarbeiter des Theaters wurden damals mit Untersuchungshaft oder Hausarrest bestraft. Serebrennikow sollte zunächst Zeuge in dem Verfahren sein. Weil aber sein Pass eingezogen war und er nicht ins Ausland reisen durfte, fürchtete auch er eine Verhaftung.

In ersten Reaktionen haben viele russische Künstler eine Freilassung des inhaftierten Theatermachers gefordert. Auch die Staatsoper Stuttgart setzte sich für Serebrennikow ein.