Die seit fast einer Woche anhaltende Besetzung der Berliner Volksbühne ist von der Polizei geräumt worden. Den Besetzern sei angeboten worden, das Theater freiwillig bei Verzicht auf eine Strafverfolgung zu verlassen, teilte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) im Abgeordnetenhaus mit. Beamte nahmen die Personalien von den noch verbliebenden rund 15 Besetzern auf und begleiteten sie vor das Theater. Intendant Chris Dercon hatte die Besetzer wegen Hausfriedensbruchs angezeigt. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatte zuvor im Abgeordnetenhaus erklärt, den Besetzern sei angeboten worden, auf eine Strafverfolgung zu verzichten. Sie müssten das Theater aber freiwillig verlassen.

Lederer ergänzte, bei Gesprächen mit den Besetzern am Mittwochabend habe der Senat nochmals deutlich gemacht, "dass wir die Besetzung nicht akzeptieren werden". Sie seien aber auf Angebote, die Situation zu lösen, nicht eingegangen. Daraufhin hatte die Polizei am Donnerstag das Gelände rund um das Theater abgesperrt und sich auf eine Räumung vorbereitet. Drei Polizeihundertschaften postierten sich rund um das Gebäude, etwa 50 Polizisten betraten am Vormittag das besetzte Theater am Rosa-Luxemburg-Platz. Mehr als ein Dutzend Mannschaftswagen waren vor dem Theater aufgefahren.  

Seit sieben Tagen halten Polit- und Kunstaktivisten die Berliner Volksbühne besetzt. Sie wollen mit ihrer "transmedialen Theaterinszenierung" nach eigenen Angaben ein Zeichen setzen gegen die aktuelle Kultur- und Stadtentwicklungspolitik. Gegen den neuen, umstrittenen Intendanten Chris Dercon sei die Aktion nicht gerichtet. "Die Befreiung des Raumes und seine anschließende Selbstverwaltung verstehen wir als künstlerischen und deshalb politischen Akt: Die Stadt ist Theater, Theater ist Stadt", sagte eine Sprecherin in der vergangenen Woche.

Senat und Volksbühne hatten den Besetzern angeboten, zwei Räume in dem Theater zu nutzen. Kultursenator Lederer forderte in einer Mitteilung "Deeskalation statt Konfrontation". Anfang der Woche beschäftigte sich auch der Berliner Senat mit der Situation an der Volksbühne. Vize-Regierungschefin und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen) sagte auf die Frage, ob eine Räumung infrage komme: "Es wird gesprochen und verhandelt. Eine deeskalierende (...) Lösung ist bekanntermaßen immer die beste, die man anstreben kann."