Die Oscar-Akademie hat den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein ausgeschlossen. Das teilte die Organisation nach einer Dringlichkeitssitzung ihres Vorstands in Los Angeles mit. Schauspielerinnen, Models und andere Frauen werfen Weinstein vor, sie vergewaltigt oder sexuell belästigt zu haben. Derweil warf die britische Schauspielerin Lysette Anthony dem Filmproduzenten als fünfte Frau vor, sie vergewaltigt zu haben.

Weinstein verdiene nicht den Respekt seiner Kollegen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation. Die Entscheidung solle die Botschaft aussenden, dass "die Ära des vorsätzlichen Ignorierens und der schändlichen Komplizenschaft bei sexuell aggressivem Verhalten sowie Belästigung am Arbeitsplatz in unserer Branche vorbei ist".

Weinsteins Verhalten sei "widerlich, abscheulich und gegensätzlich zu den hohen Standards der Akademie und der kreativen Gemeinschaft, für die sie steht", hatte die Filmakademie bereits vor der Sitzung in einem Statement mitgeteilt. Die Akademie verleiht jährlich die Oscars, die als höchste Auszeichnung der Filmbranche gelten.

Weinstein wird jetzt von fünf Frauen beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Zahlreiche weitere Frauen, darunter Stars wie Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow und Rosanna Arquette, bezichtigen den 65-Jährigen sexueller Übergriffe anderer Art.

"Zutiefst verstörendes Problem"

Es handle sich um ein "zutiefst verstörendes Problem, das keinen Platz in unserer Gesellschaft hat". Die Akademie kündigte zudem an, dass sie "ethische Verhaltensstandards" festsetzen wolle, die alle Mitglieder der Akademie zu beachten hätten. Die Schauspielerin Mia Farrow äußerte sich am Samstag auf Twitter "stolz" über die Entscheidung der Oscar-Akademie. "Harvey Weinstein ist raus. Es gibt andere – aber hoffentlich erleben wir das Ende einer furchtbaren Ära."

Ins Rollen gekommen war der Sexskandal um Weinstein durch einen Bericht in der New York Times, in dem mehrere Frauen dem Produzenten sexuelle Belästigung vorwarfen. Wenige Tage später berichtete das Magazin New Yorker dann von weiteren Opfern und förderte auch Vergewaltigungsvorwürfe dreier Frauen zutage.

Nach dem Bekanntwerden des Skandals hatte Weinsteins eigene Produktionsfirma The Weinstein Company ihn entlassen. Die Polizeibehörden in New York und London haben Ermittlungen gegen den Fimproduzenten eingeleitet. Eine Sprecherin Weinsteins hatte die Anschuldigungen nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe zurückgewiesen: "Jegliche Vorwürfe von Sex, der nicht in beiderseitigem Einverständnis stattgefunden hat, werden von Herrn Weinstein eindeutig verneint."