Die Sache mit dem Verbrennungsmotor ist so ein Beispiel. Die Koalitionäre sitzen beisammen und verhandeln, was sie in den kommenden vier Jahren politisch umsetzen möchten. Die Medien befinden sich in der Nähe der Parlamentarischen Gesellschaft, wo man sich häufiger zum Sondieren traf. Das ARD-Hauptstadtstudio liegt ohnehin vis-à-vis, das Berliner Büro von ZDF und Spiegel zehn Gehminuten entfernt. Eine Handvoll Restaurants befinden sich in diesem Radius, von dem man weiß, dass da immer ein paar Leute sitzen, die gerne plaudern. Wer sich schon eine Weile in dem Geschäft bewegt, weiß, wen man wo treffen kann, die Telefonnummern der Referenten von Spitzenpolitikern hat man ohnehin. Man ist also bestens präpariert, damit man keine einzige Entscheidung verpasst.

Seit bald drei Wochen geht das nun so. Die Medien filmen und begleiten, wie die Verhandlungsführer sich dem Gebäude nähern, es betreten oder verlassen. Wie sie vor die Kameras treten und Stimmungen verkünden. Jede Bewegung, jedes Zucken eines Augenlids, alles erlangt Bedeutung, denn es passiert ja nichts. Und dieses große Nichts gilt es einzuordnen, zu analysieren, zu drehen und zu wenden, wie ein Stück Fleisch in der Pfanne.

Dabei gäbe es viel zu entscheiden. Eine Sache wie der Dieselskandal ist eine durchaus freche Verarsche, die die Automobilindustrie ihren deutschen Kunden und der Politik aufgebürdet hat. Dass man mit Interesse verfolgen möchte, mit welchem Engagement die Grünen ihr Kernthema, nämlich den Umweltschutz, in den Koalitionsverhandlungen verteidigen, ist verständlich. Die zur Sektengröße geschrumpfte grüne Wählerschaft hat ja auch ein Recht auf Information. Sie will natürlich wissen, ob es sich beim grünen Koalitionspartner um Pittbulls oder Pudel handelt. Die Kamera also immer schon draufhalten auf den Mini-Kensington-Palast mit Winke-Winke-Balkon namens Parlamentarische Gesellschaft.

Schrecklich und anstrengend

Dann, erstes Ergebnis, wie gesagt, nach fast drei Wochen: Die Grünen jedenfalls halten an keinem Datum fest, weder beim Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor noch aus der Kohle. Kurz, die Umweltpartei verfolgt keine umweltpolitischen Ziele.

Es bedeutet, dass die gesamte Koalition auf die Riesen-Industrieverarsche mit einem großen Nichts reagiert.

Nun folgen erste Statements der Parteispitzen, dass man ungeachtet dessen an den "klimapolitischen Zielen" für 2030 und 2050 festhalten werde. Es soll schließlich nicht so aussehen, als ob den Parteien alles egal wäre. Ob irgendein Bürger aus dem Effeff diese Ziele benennen kann? Wahrscheinlich nein. Ist nicht schlimm, denn bis dahin sind es noch drei Bundestagswahlen und gefühlt 100 Landtagswahlen.

Jetzt aber "zügig" weiter zur nächsten "Einigung" und immer schön versichern, dass man einander überaus wohlgesonnen ist.

Vielleicht sollte man als Bürger den Druck aus der Sache nehmen und zurückspiegeln, dass man das Schauspiel als verlogen wahrnimmt. Wenn drei Leute heiraten, die vor der Hochzeit stritten, und anschließend versichern, dass die Liebesnächte zärtlich und aufregend sind, nimmt man die Eheleute nicht als seriös und aufrichtig wahr. Es wäre erwachsener, wenn jemand vor die Kamera träte und sagte, wie es ist. Nämlich schrecklich und anstrengend.