Unterstützt wird Journalistenwatch allerdings auch vom deutschen Staat, zumindest indirekt: Mitte Februar stufte das Finanzamt Jena den Verein als gemeinnützig ein, weil Journalistenwatch zur "Förderung der Volksbildung" beitrage. Wer Geld an den Verein spendet, kann dies seitdem von der Steuer absetzen. Auf seiner Website werben die Macher: "Jouwatch unterstützen, Steuern sparen!"

Durch die Einnahmen aus Spenden, ausländischer Unterstützung und Werbeeinnahmen bezahlt Böhm seine Mitarbeiter. Im Impressum listet er seit diesem Frühjahr ein Redaktionsteam auf, zu dem mittlerweile fünf Personen gehören. Neben den festen Mitarbeitern erscheinen auf Journalistenwatch Texte führender Figuren der Neuen Rechten, zum Beispiel von dem Verleger Götz Kubitschek, dem wegen Volksverhetzung verurteilten Pegida-Redner Akif Pirincçi und dem AfD-Mann Michael Klonovsky.

Mit den Autoren steigt auch der Einfluss der Seite: Im April bediente sich der FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache eines Textes von Journalistenwatch, formulierte ihn minimal um und teilte ihn mit seinen mehr als 700.000 Followern auf Facebook, adressiert an die "Erdogan-Anhänger in Deutschland und Österreich". Diesen empfahl Strache (inklusive Rechtschreibfehler): "Tun Sie also sich und Ihrem Präsidenten einen Gefallen, und kehren Sie in ihr Land zurück."

Links-Rechts-Schwäche

Während einige der Beiträge auf Journalistenwatch eher verwirrt daherkommen ("Hitler war links. Rechte können damit keine Neonazis sein"), können andere nur als rechtsradikal und geschichtsrevisionistisch bezeichnet werden. Und das könnte für Böhm und Pipes zum Problem werden.

So schrieb einer der Journalistenwatch-Autoren, nachdem das Bundesinnenministerium eine unverändert hohe Zahl von Angriffen auf Flüchtlinge veröffentlicht hatte: Es sei an "Dreistigkeit nicht zu überbieten, wenn Volksverräter (Volksvertreter) der Linken sich zum Anwalt von 'Flüchtlingen' machen und darüber das eigene Volk (...) völlig vergessen, ja sogar dieses Volk in die Nähe von Mördern und Terroristen rücken, weil ihm nichts weiter bleibt, als sich selbst zu verteidigen, da die Polizei sich dazu nicht mehr in der Lage sieht."

Und der Autor Max Erdinger verteidigte im September AfD-Chef Alexander Gauland, der gefordert hatte, wieder "stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen". Selbst Gaulands Kritiker würden nicht behaupten, dass die Wehrmacht nichts geleistet habe, so Erdinger. "Im Nachhinein betrachtet haben sie halt das Falsche geleistet. Aber die Leistung als solche war nicht übel, so von 1939 bis 1941."

Zwei Monate später, Anfang November, pünktlich zum Jahrestag der Novemberpogrome legte derselbe Autor nach. Es folgte jene Tirade gegen obligatorische Besuche ehemaliger Konzentrationslager, in der Erdinger dem Zentralrat empfahl, den Mund zu halten. "Je mehr Zeit verstreicht, desto offensichtlicher wird, was den Zentralrat der Juden tatsächlich treibt: Die Perpetuierung deutschen Schuldbewußtseins den Juden gegenüber."