Damit war eine Linie überschritten – zumindest für einige Publizisten und Wissenschaftler aus Deutschland, die ebenfalls Geld vom Middle East Forum erhalten. Der Politologe Clemens Heni, der das Berlin Center for the Study of Antisemtitism leitet, das maßgeblich von Pipes finanziert wird, sagt ZEIT ONLINE: "Ich verstehe nicht, wieso Pipes das tut." Pipes wisse offenbar nicht, was er da finanziere, so Heni. "Er muss damit aufhören."

Das fordert auch die israelische Journalistin Esther Scheiner. Seit Jahren verfolgt sie, was das Middle East Forum veröffentlicht, und sagt, sie schätze Pipes sehr. Doch der müsse "Journalistenwatch sofort den Geldhahn zusperren".

Unterstützt werden Heni und Scheiner von der früheren Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch. "Die Förderer sollten sich sehr genau überlegen, ob es sich bei Journalistenwatch um ein unterstützenswürdiges Anliegen handelt oder um ein neurechtes Portal, das destruktive Tendenzen in unserer Gesellschaft befördert und befeuert", sagte Knobloch zu ZEIT ONLINE.

Keine Distanzierung von den Schmuddelkindern

Ob das geschieht, ist allerdings fraglich. Das Finanzamt Jena will mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht begründen, warum es den Verein als gemeinnützig einstufe. Ebenfalls nicht äußern will sich Daniel Pipes. Detaillierte Fragen von ZEIT ONLINE, etwa zu der Förderung von Journalistenwatch, beantwortet er nicht. Stattdessen teilt er mit, dass es wichtigere Probleme gebe als die neurechte Plattform: etwa die "unkontrollierte Einwanderung in Europa". Offenbar fällt es Pipes schwer, zwei Themen gleichzeitig zu bearbeiten – oder aber er will sich nicht von seinen deutschen Schmuddelkindern distanzieren.

Die bewiesen zuletzt ein weiteres Mal, welch merkwürdiges Verständnis von Pressefreiheit sie haben: Kaum hatte ZEIT ONLINE eine Reihe von Fragen über Pipes' Unterstützung und die inhaltliche Ausrichtung von Journalistenwatch übermittelt, erschien in verschiedenen konservativen und rechten Blogs, darunter Journalistenwatch selbst, eine Beschwerde, in der in bestem Extremistendeutsch von "Systemmedien" und einer "Meinungsmafia" die Rede ist, zu der offenbar auch die ZEIT gezählt wird. Während Journalistenwatch ein "vehementer Verteidiger des Staates Israel" sei, handele es sich bei der ZEIT um "Palästinenser-Presse". Es gehe bei der Recherche zu Journalistenwatch vor allem darum, "die israelfreundliche Szene zu spalten". Und angesichts dessen ist der Autor überzeugt: "Das Ende der bürgerlichen, demokratischen Gesellschaft ist nicht mehr weit."

Nachtrag vom 18.12.2017: Wie der Leiter des Berlin International Center for the Study of Antisemitism, Clemens Heni, mitteilt, hat das Middle East Forum sämtliche finanzielle Unterstützung seines Zentrums eingestellt. Grund sei ein Artikel gewesen, den Heni Ende November in der "Times of Israel" veröffentlicht hatte. Darin kritisiert er ebenfalls Daniel Pipes Unterstützung von "Journalistenwatch".