Das beste Beispiel ist Jan Böhmermann. Der Comedian und selbsternannte "Underdog" aus Bremen-Vegesack fühlt sich über jeden rassistischen und sexistischen Zweifel erhaben. Nicht ganz zu Unrecht: In seiner Show Neo Magazin Royale steht er für die Schwächeren ein, parodiert rechte Spinner und Spießer und beweist in bester Titanic-Tradition, dass dem Humor ein subversives, kritisches Potenzial innewohnt, wenn man ihn richtig zum Einsatz bringt. Dass er sich dabei gelegentlich auch rassistischer Klischees bedient, scheint Böhmermann dabei gar nicht zu bemerken (oder er stört sich nicht daran). Vielleicht fehlt ihm dazu die Sensibilität, weil seine Biografie als Beamten- und Polizistensohn durch und durch biodeutsch ist.

Es fällt ihm schwer, einen Schritt zurückzutreten und Vorwürfe nachzuvollziehen, wie sie ihm während der Erdoğan-Affäre begegneten: dass beispielsweise ein Begriff wie "Ziegenficker" nicht nur ein trefflicher Scherz sein kann, sondern eben auch eine rassistische Unterstellung – obgleich sie gegenüber einem Autokraten wie Erdoğan erhoben wird. Aus diesem Kontext herausgerissen, kann ein solcher Witz mehr Schaden anrichten, als er subversiven Nutzen hat. Denn auch alle Türken, die sich mit Erdoğan nicht gemeinmachen wollen, müssen das Rollenbild des hinterwäldlerischen, sodomitischen Muslim immer wieder von sich weisen. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein. 

Der Zusammenhang zwischen Rassismus und Humor

Wenn ein Mensch, so wie Jan Böhmermann, über eine höhere diskursive Macht verfügt, dann sollte man von ihm verlangen können, dass er sich in die Position des Schwächeren hineinversetzt. Wer zu so einer Empathieleistung fähig ist, könnte auch verstehen, warum Humor verletzend, rassistisch und herabwürdigend wirkt, wenn er auf gesellschaftlich Schwächere zielt. Hari Kondabolus sagt es selbst: Er will nicht die kathartische Wirkung des grenzüberschreitenden Humors unter Strafe stellen – denn Humor ist immer grenzüberschreitend –, sondern er will dazu anregen, dass sich Comedians über den Kontext ihrer Rede und die möglichen Kollateralschäden Gedanken machen. "Auf den Kontext kommt es an", sagt der Comedian zu Recht.

Vielleicht ist es ja tatsächlich etwas ganz anderes, wenn ein Angehöriger einer arabischen Minderheit beim Stand-up mit dem Rollenbild des Terroristen spielt, als wenn es ein weißer, westlich sozialisierter Mann tut. Vielleicht ist es etwas anderes, wenn eine Frau einen Blondinenwitz macht, als wenn es ein hochdotierter, alternder Entertainer tut. Denn während der oder die eine aus der Position des Schwächeren spricht und tradierte Erwartungshaltungen ad absurdum führt, bestätigt der andere mit einer solchen Aussage bloß seine eigene Machtposition. Und genau darin liegt der Unterschied zwischen Rassismus oder Sexismus und Satire.

Zur verhängnisvollen Beziehung zwischen Humor und Rassismus gibt es sogar Studien, etwa durchgeführt von der International Society for Humor Studies und einem Forscherteam um den Psychologen Thomas Ford von der Western Carolina University: Der Wissenschaftler hat die Auswirkungen von rassistischen Witzen auf die amerikanische Gesellschaft erforscht und in einer Studentenbefragung untersucht, inwiefern Witze zu einer Kultur des Mobbings und der Diskriminierung beitragen. Fords Ergebnisse zeigen, dass Menschen, die sexistische und rassistische Witze verteidigen, auch eine höhere Akzeptanz gegenüber sexistischen und rassistischen Straftaten aufweisen. Das allein beweist, dass man mit dem, was man sagt, vorsichtig sein muss. Auch wenn es nicht immer böse gemeint ist.