1990 packten meine Eltern unsere Sachen und wir verließen den Sudan – unser Heimatland – für immer. Wir ließen Khartum, Familie und Freunde hinter uns und gaben ein beständiges Leben mit guten Jobs und guten Schulen auf. Ein Jahr zuvor, unmittelbar nach dem Putsch und der Machtergreifung Omar al-Baschirs, war mein Vater eines Abends von der Sicherheitspolizei abgeholt worden und blieb verschwunden. Es dauerte Monate, bis meine Mutter herausfand, wo er festgehalten wurde, ob er überhaupt noch lebte und es ihm gut ging. Auf Anordnung des Regimes wurde er an der Universität entlassen. Und wir verloren unser Haus, in dem wir dank seines Professorenjobs gelebt hatten.

Über Nacht war meine Mutter Alleinversorgerin dreier Kinder geworden und die Sicherheit meines Vaters war bedroht. Immerhin kam er nach einem Jahr in Haft unversehrt aus dem Gefängnis, anders als viele andere Regimekritiker, die gefoltert und getötet worden waren. Doch meine Eltern hatten genug. Und so trafen sie die schwierige Entscheidung, in die USA zu gehen.

Beinahe dreißig Jahre nach unserer Emigration ist im Sudan noch immer dieselbe Diktatur an der Macht, die uns damals aus dem Land trieb. Die Wirtschaft ist eine Katastrophe. Es hat endlose Bürgerkriege gegeben. Das Bildungssystem wurde zerstört und Menschenrechte wurden verletzt. Mein Onkel, der im Sudan geblieben ist, wurde erst dieses Jahr, im Alter von 70 Jahren, als Regimekritiker verhaftet.

Ich erzähle die Geschichte unserer Emigration so ausführlich, um deutlich zu machen, dass Menschen gute Gründe haben, wenn sie ihre Heimat verlassen. Menschen flüchten, weil sie in Gefahr sind. Weil ihre Kinder in Gefahr sind, weil ihre Lebensgrundlage zerstört wurde und weil sie sich großen Risiken aussetzten, wenn sie blieben. Menschen lassen nicht alles zurück, weil sie arbeitsscheue Gammler sind, die den Wohlstand des Westens ausnutzen wollen, so wie es zuweilen dargestellt wird. Sie gehen aus Not und nehmen in Kauf, in der Fremde vielleicht nie ganz anzukommen.

Meine Mutter bewarb sich in New York für eine Stelle bei den Vereinten Nationen, sie hatte im Sudan bereits für die UN gearbeitet. Und wie durch ein Wunder bekam sie die Stelle. Ihr Job bedeutete Privilegien, er bedeutete, dass wir mehr oder weniger reibungslos von einem Mittelschichtsleben in Khartum in ein Mittelschichtsleben in New York wechseln konnten. Dass wir in guten Wohngegenden lebten und meine Schwestern und ich gute Schulen und Universitäten besuchen konnten.

Unser Umzug in die USA verlief leichter und problemloser als viele der traumatischen Übersiedlungen anderer Migranten und Geflüchteter. Und doch kamen mit dem Wechsel auch Probleme. Aus der Ferne hatte unsere neue Heimat mit dem Versprechen des utopischen Schmelztiegels gelockt. Doch von Nahem betrachtet wurde klar, dass die USA ein Land waren, dessen Geschichte untrennbar mit rassistischer Gewalt verknüpft ist. Ein Land, das auf dem Völkermord an den First Nations und der Versklavung von Afrikanern gründet. Ein Land, das Donald Trump zum Präsidenten gewählt hat und in dem die Tötung afroamerikanischer Männer, Frauen und Kinder durch die Polizei keine Seltenheit ist. 

Die USA brüsten sich damit, "ein Land der Migranten" zu sein, doch den meisten Migranten gelingt die Anpassung an eine amerikanische Identität, wie Toni Morrison einst schrieb, nur "auf dem Rücken von Schwarzen". Indem sie sich den tief verwurzelten Rassismus gegenüber Afroamerikanern aneignen, der wesentlicher Bestandteil der amerikanischen Gesellschaft ist.