Woher kommt eigentlich das Platin in unseren Handys? Woher nehmen wir Titan für die Schmuckindustrie? Und zu welchem Preis das alles? Die Antworten darauf liegen in Afrika. Nicht umsonst heißt es auf dem Kontinent, die Rohstoffe seien ein Fluch – und kein Segen. Kolonialismus und Apartheid stützten sich einst auf den Bergbau und die Ausbeutung billiger Arbeitskräfte. Heute ist es die neoliberale Ökonomie, die die Ausbeutung durch transnationale Unternehmen begünstigt. Auch deutsche Unternehmen sind daran beteiligt.

Tanja Tabbara ist Islamwissenschaftlerin und Juristin. Sie hat viele Jahre in Ägypten, dem Libanon und den palästinensischen Gebieten gelebt. Heute leitet sie das Afrikareferat der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin. Sie ist Gastautorin von "10 nach 8". © Yunis Nikro

2012 kamen mehr als 40 streikende Bergarbeiter bei Protesten im südafrikanischen Marikana ums Leben. Bis heute wurden nicht alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Das britische Unternehmen Lonmin, das die dortige Platinmine betreibt, hatte Zusagen gemacht, die Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Bergarbeiter zu verbessern, ist dem aber laut einem Bericht von Amnesty International bisher nicht nachgekommen. Auch das deutsche Unternehmen BASF trägt als Hauptabnehmer des Platins eine Mitverantwortung für die Achtung der Menschenrechte im Rahmen seiner Lieferkette. Die Kampagne Plough Back the Fruits fordert daher auch von BASF eine Entschädigung für die Hinterbliebenen der Opfer von Marikana.

Bislang wird es Unternehmen mit Niederlassungen im globalen Süden nämlich weitgehend selbst überlassen, dort dieselben Standards wie in ihren Heimatländern anzuwenden. Nationale Aktionspläne halten zwar dazu an, auch dort die Sorgfaltspflicht ernst zu nehmen, aber verbindlich ist das nicht. Immerhin gibt es Juristen, die sich dafür einsetzen, das internationale Recht an dieser Schwachstelle verbindlicher zu gestalten. Über ein entsprechendes Abkommen der Vereinten Nationen wird zur Zeit erhitzt auf internationalen Bühnen verhandelt.

Akhona Mehlo kämpft dafür, dass dabei auch die besondere Situation von Frauen bedacht wird. Ich traf sie im Februar bei einem Workshop während der Alternative Mining Indaba (AMI) in Kapstadt. Mehlo arbeitet für ein Rechtszentrum in Johannesburg und setzt sich dafür ein, dass die UN-Verträge nicht, wie es so schön heißt, "genderblind" ausfallen. Auch Judy Seidman, die zum Thema Frauen und Bergbau forscht, erzählte im Workshop, dass Frauen von den Mitbestimmungsprozessen meist ausgeschlossen seien. Dabei sind auch sie von den Menschenrechtsverletzungen im Bergbau stark betroffen: Sie müssen die schlechten Löhne der Männer kompensieren und sich gleichzeitig allein um die Familie kümmern, die oft weit entfernt von den Minen lebt. Durch die Kontaminierung von Boden und Wasser können sie der Land- und Viehwirtschaft nicht mehr nachgehen. Werden die Männer von der harten Arbeit in der Mine krank, müssen sie versorgt werden, und wenn sie früh sterben, liegt wiederum alle Verantwortung bei den Frauen.

Die negativen Auswirkungen des Bergbaus drohen seit geraumer Zeit auch den Menschen in Xolobeni, in Pondoland. Xolobeni liegt an der Wild Coast des Eastern Cape in Südafrika. Die Gegend ist für ihre Artenvielfalt bekannt. Der Landstrich mit seinen sechs Flüssen beherbergt viele Tierarten und die Menschen in der Region leben hauptsächlich von Land- und Viehwirtschaft. Auch die Umweltaktivistin Nonhle Mbuthuma stammt aus Pondoland. Seit Jahren setzt sie sich unermüdlich gegen den Bergbau in ihrer Region ein. Und auch sie sprach darüber im Februar bei einer Sitzung zu den Mitbestimmungsrechten lokaler Gemeinschaften auf der AMI. Über die fatalen Folgen, die ein geplantes Bergbauprojekt für ihre Heimat hätte.