"Welters, Fachbereich Sport, guten Tag." Sein Büro, Zimmer Nr. 3, liegt über einem Schwimmbad der Gründerzeit. © Meiko Herrmann für ZEIT ONLINE

Durch Aachens Straßen laufen die ersten Karnevalisten, die ersten Zelte stehen, später für die Feiern, bei denen Karlheinz Welters auch vorbeischauen wird. Dieses Jahr als Quietscheentchen, es fehlen noch ein paar Requisiten, sie hängen irgendwo in der Post, sagt seine Frau am Telefon. Welters, verheiratet, ist Vater von vier Kindern, drei Jungs, einem Mädchen, 20, 18, 16, 14. "Wie ein ordentlicher Beamter", sagt Welters, "alle zwei Jahre. War so gar nicht geplant, ist aber lustig zu erzählen."

Oft sei er gefragt worden, warum er nicht woanders eine Karriere gemacht habe, Bekannte fragen das, weil doch irgendwo auf dem freien Markt mehr Geld stecke als in den strikten Besoldungstabellen des öffentlichen Dienstes, mehr als A9 und A11, größere Büros ohne Lamellenrollos, dafür vielleicht mit Strandkörben, Kickertischen, Dachgärten mit Blick nach Südwest, mit denen die neue Arbeitswelt, um die es in Hochglanzmagazinen geht, andauernd lockt. Mit Werbebildern von agilen jungen Menschen, die ihren Laptop auf den Knien balancieren, mit Wörtern wie Selbstverwirklichung, Leistungsbereitschaft, Kreativität und Business-englischen Jobbeschreibungen. Welters' Beruf hieße dort vermutlich Senior Sports Director. Oder so. Karlheinz Welters sagt, wer wirklich zufrieden sein wolle, kann nicht sein Leben lang etwas angeblich Besserem hinterherjagen. Das könne doch nicht der Sinn sein, sich am Ende irgendwann enttäuscht zu fragen: Wofür habe ich gelebt? "Am Ende hätte ich nur ein Magengeschwür."

Natürlich kenne er Stress, natürlich klingelt sein Handy, wenn er nicht im Büro ist, aber er sei "gut durchorganisiert". Wichtig sei, dass man sich Ziele setze. Während seiner Arbeit hat er vor ein paar Jahren BWL an der Fern-Uni studiert, alle zwei Wochen sitzt er als Personalrat der komba-Gewerkschaft in Beratungen. In der Woche steht er um sechs auf, um das Frühstück für die Familie zu machen. Samstags gönnt er sich eine Stunde länger. Dann fährt er früh einkaufen, Aldi, Lidl, Edeka, das dauert eine Stunde. Karlheinz Welters vergleicht manchmal Preise. Der Samstag ist auch Sportschau-Samstag, Bundesliga. Er backt immer Pizza für seine Familie. Das Ritual gibt es seit Jahren in dem weißen Einfamilienhaus, dem letzten in einer Siedlung im Stadtteil Laurensberg, ringsherum friedliches Doppelgaragenwestdeutschland im Schnee, dahinter kommt schon bald die deutsche Grenze.

Welters’ älteste Söhne studieren, einer Biologie, einer Medizin, sie beide sind Trainer beim VfJ Laurensberg, in dem Karlheinz Welters als Jugendleiter arbeitet. Der Verein sei wie eine zweite Familie. Heute werden endlich Spielerbänke geliefert, überdacht, so wie im Fernsehen, eine halbe Tonne Metall pro Stück. Am Sportplatz zieht Welters seine Handschuhe an, die mit dem Wappen von Alemannia Aachen, gelber Adler im schwarzen Dreieck. Welters' Herz aber gehört dem FC Bayern. Welters früher als Fußballer: immer Libero. Wegen Franz Beckenbauer, "der Dinge konnte, die damals noch niemand konnte".