Eine unglückliche Frau mit nur 42 Jahren. Der Film 3 Tage in Quiberon, der am 12. April in die Kinos kommt, behandelt nicht nur die versoffene Periode eines an Exzessen nicht armen Lebens, sondern den freien Fall der Romy Schneider, die sich für die rücksichtslose Demontage ihrer selbst entschieden hat. Und das ganz bewusst. Romy Schneider ist im Jahr 1981 nicht nur alkohol-, sondern auch pillensüchtig, ihre Ehe ist gescheitert, die Beziehung zu ihrem Sohn instabil und nur durch flüchtige, hektische Telefonate zusammengehalten. Ihre Lebensfreude scheint verschwunden zu sein, sie ist eine zerrissene Person.

Romy Schneider begibt sich in eine Entzugsklinik in der Bretagne, aber man kann sich vorstellen, dass sie das nur halbherzig tut. Die destruktive Kraft in ihr ist mächtiger als jegliche externe Motivation. Sie säuft im Bett, frisst die Zigaretten und greift beherzt nach den Schlaftabletten auf dem Nachttisch.

Christina Baniotopoulou, geboren 1990 in Thessaloniki, Griechenland, ist Psychologin. Sie lebt seit 2011 in Berlin. Gerade macht sie die psychotherapeutische Ausbildung. Sie ist Gastautorin von "10 nach 8". © privat

Die Freiheit erfordert bekanntermaßen Anständigkeit und Mut. Das Scheitern auch. Die Freiheit zum Scheitern scheint aber keine Option für Frauen zu sein. Sie ist, um Lenin zu paraphrasieren, bloß ein männlich-chauvinistisches Vorurteil. Eine süchtige Frau ist eine Außenseiterin, das Abstoßendste, was man sich vorstellen kann. Selbst in einer liberalen Gesellschaft. Irgendetwas in der weiblichen Natur, vielleicht ihre Vorsehung als Mutter oder die Illusion einer madonnenhaften Reinheit, verträgt sich einfach nicht mit solch einem Lebensstil. So weit das Vorurteil.

Die Schriftstellerin Marguerite Duras, selbst ein traumatisiertes Wesen, das immer wieder in die Tiefen der Sucht getaucht war, kleidete dieses Phänomen einmal schön in Worte: "Eine trinkende Frau, das ist, wie wenn ein Tier, ein Kind tränke. Der Alkoholismus wird mit der trinkenden Frau zum Skandalon: Eine Alkoholikerin, das ist selten, das ist schlimm. Da wird die göttliche Natur verletzt."

Das schrieb Duras Ende der Achtzigerjahre, aber bis heute bleibt ihr Zwischenruf genauso präzise und unumstößlich wie damals. Die Abhängigkeit als Lebensentscheidung, die Drogen- oder Alkoholsucht bleibt – gesellschaftlich gesehen – für Frauen ein Tabu. Süchtige Frauen müssen nicht nur mit ihren Dämonen kämpfen, sie müssen auch die kollektive Abscheu ertragen.

Das Scheitern der Männer hingegen, in der Kunst oder auch im realen Leben, wird zumeist romantisiert. Wie eine Don-Quijotesche Flucht aus der Realität. Die Windmühlen drehen sich unaufhaltsam für sie. Sei es für den Konsul – der Protagonist von Malcolm Lowrys Säuferbibel Unter dem Vulkan –, sei es für den Hardcore-Schlucker Don in Charles R. Jacksons The Lost Weekend oder für Nicolas Cage in der Verfilmung des Trinker-Requiems Leaving Las Vegas. Als Soundtrack dienen ihnen Songs wie die von Tom Waits, dessen Stimme in Whiskey getränkt ist: The Piano Has Been Drinking. Diese Männer gelten als sich selbst aufopfernde Revolutionäre, gescheiterte Helden eines Kampfes gegen die Fesseln des Alltags.

Elizabeth Taylor wiederum als alkoholsüchtige Ehefrau im Film Wer hat Angst vor Virginia Woolf? wirkt bestialisch, wenn sie mit einem Glas Gin in der Hand und mit schriller Stimme ihren Gatten Richard Burton provoziert: "Wirst du wütend, Liebling? Wirst du wütend, Liebling?"

Und Meg Ryan im Film When a Man Loves a Woman ist eine weitere Repräsentantin der latent aggressiven, kollektiven Haltung gegenüber dem weiblichen Scheitern. Im Zentrum des Films steht nicht sie als verwundete Person oder die Frage, was sie mit dem Alkohol zu vergessen oder zu verdrängen versucht, sondern die Vernachlässigung ihrer Töchter. Und die damit verbundenen Eheprobleme. Ihr Scheitern erlaubt weder eine Romantisierung noch einen Einblick in ihre psychische Labilität. Sie wird auf ihre Rolle reduziert – die einer rücksichtslosen, kranken Mutter.