Ich weiß noch, als es aufregend war, etwas ironisch zu machen. Vor ein paar Jahren war ich mit zwei Freundinnen bei McDonald’s. Es war ein Industriegebiet, und wir hatten Hunger, und ich sagte "Wir können ja zu McDonald’s gehen!" Und die eine lachte und sagte "Haha, ja, da war ich schon lange nicht mehr!", und die andere lachte auch und sagte "ja, wie witzig, lass uns gehen". Also gingen wir ironisch zu McDonald’s.

Die anderen Kunden waren normal da. Unironisch, ziemlich traurig. Sie waren so, wie man sich an einem Wochentag kurz vor der Mittagszeit das Fastfood-Klientel ein wenig außerhalb der Stadt vorstellt: Unterschicht, Übergewicht. Wenig gesprächig, mit fünf Pommes auf einmal das Ketchup von der Papierunterlage auf dem Tablett wischend. Wir waren froh, nicht sie zu sein. Jeden Tag unseres Lebens waren wir schon froh gewesen, nicht sie zu sein, aber jetzt, in der direkten Gegenüberstellung, war uns das wieder einmal bewusst geworden. Sie waren auch froh, nicht wir zu sein. Unser Gelächter bestätigte sie in der Annahme, dass Hipstertussen kaltherzige Narzissten sind, halt Asoziale. Aber sie waren höflich genug, uns nur mit Blicken zu bestrafen.

Wir aßen ironisch zwei große Pommes, ein Menü und jeweils ein Eis und waren danach ironisch fertig von der Ladung Salz, Zucker und Fett.

Mittlerweile kotzt mich diese Allgegenwärtigkeit von Ironie einfach nur noch an. Das Internet macht mit Humor das, was die Pornografie mit Sex gemacht hat – Vervielfältigung, Verflachung, Abstumpfung. Alles muss immer milde funny sein und wird so oft humoristisch gebrochen, bis es zerbröselt. Wir leben in Zeiten der Hyperironie, nichts ist mehr heilig oder seriös.

"Herrjemine, etwas Grauenhaftes"

Jeder Tweet des Präsidenten ist sowohl ein Furz als auch der potenzielle Grund für einen Atomkrieg. Zeitungen sind witzig, Fußballer sind witzig, Musik ist witzig, Politiker sind witzig, und die Redaktion des Duden schreibt im Internet manchmal extra etwas falsch, weil auch das angeblich witzig ist. Es heißt dann immer: "Das ist ironisch gemeint alles, und es ist geil, gerade weil es scheiße ist, macht euch mal locker, alle!"

Ich habe nichts dagegen, Dinge mit Humor zu nehmen, und ich bemitleide Leute, die über nichts lachen können. Aber ich glaube auch, diese Ironiesucht trainiert uns allen noch eine emotionale Behinderung an. Wer nie etwas ernst nehmen kann, kann ja auch nie wirklich etwas richtig lustig finden. Wann hatten Sie denn eigentlich das letzte Mal ein normales, ernstes Gespräch mit einem Menschen unter 35, das nicht in Schulterzucken und einem Zitat der Popkultur geendet hat?

Vielleicht ist es nur mein Freundeskreis, aber wenn auf der Welt mal wieder etwas Schreckliches passiert, bricht mein Umfeld sofort in Panik aus. Keine Panik um die Schrecklichkeit der Welt, sondern Panik wegen einer schnellstmöglichen Äußerung dazu. "Herrjemine, etwas Grauenhaftes", scheinen dann alle zu denken, und sofort im Anschluss: "Wie packe ich das nur in einen frechen Tweet, der die Leute zum Schmunzeln und Liken bringt." Alle atmen entsetzt ein, ein Erster bricht das Eis, und dann beginnt im Netz das Wettrüsten mit Witzen über das Geschehene.