Drei Journalisten, die mit ihren Recherchen die Missbrauchsvorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein aufgedeckt haben, sind mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet worden. Jodi Kantor und Megan Twohey sowie Ronan Farrow hatten im vergangenen Jahr in der New York Times sowie im New Yorker darüber berichtet. Sie hätten mit "explosivem, wirkungsvollem Journalismus Sexualtäter enthüllt, darunter auch Vorwürfe gegen einen der einflussreichsten Produzenten Hollywoods", sagte Dana Canedy, Vorsitzende der Verwaltung der Pulitzerpreise.

Durch die Berichterstattung seien die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden für "lang unterdrückte Vorwürfe über Nötigung, Gewalt und erzwungenes Schweigen der Opfer". Die Folge sei eine weltweite Abrechnung mit dem sexuellen Missbrauch von Frauen gewesen. Mehr als 70 Frauen hatten Weinstein beschuldigt, sie sexuell bedrängt oder vergewaltigt zu haben. Weinstein hat Fehlverhalten eingeräumt, weist aber Vorwürfe von nicht einvernehmlichem Sex zurück. Die Berichte legten den Grundstein für die #MeToo-Bewegung, in der sich Opfer sexueller Übergriffe zu Wort meldeten.

Die New York Times sowie die Washington Post wurden darüber hinaus für ihre Berichterstattung zur mutmaßlichen russischen Einflussnahme im US-Wahlkampf und zu möglichen Verbindungen Russlands zum damaligen Kandidaten und heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgezeichnet. In den journalistischen Kategorien wurden auch Preise für die Berichterstattung über die geplante Mauer an der US-Grenze mit Mexiko (Arizona Republic), die Opioidkrise im US-Bundesstaat Ohio (Cincinnati Enquirer) und Dylann Roof, der in einer Kirche in Charleston neun Afroamerikaner erschoss (GQ), vergeben.

Kendrick Lamar erhält Auszeichnung für bestes Album

In der Kategorie Musik erhielt der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar den Pulitzerpreis für sein 2017 veröffentlichtes Album Damn. Das Album sei eine "virtuose Liedersammlung, geeint durch ihre umgangssprachliche Authentizität und rhythmische Dynamik", sagte Canedy. Sie biete "eindringliche Momentaufnahmen, die die Komplexität des modernen afroamerikanischen Lebens einfangen". Lamar ist damit der erste Rapper und der erste Musiker außerhalb der Klassik und des Jazz, der mit dem Preis ausgezeichnet wurde.

Musikindustrie - Kendrick Lamar gewinnt Pulitzerpreis Er ist der erste Rapper, der den renommierten Journalisten- und Medienpreis erhält: Kendrick Lamar gewinnt den Pulitzerpreis. Sein Album »DAMN« zeige die Komplexität des afroamerikanischen Lebens in beeindruckender Weise, urteilte die Jury. © Foto: Christopher Polk/Getty Images

Der Autor Andrew Sean Greer erhielt für seinen Roman Mister Weniger (englischer Originaltitel: Less) die Auszeichnung in der Kategorie Belletristik. Jack E. Davis wurde für sein Geschichtsbuch The Gulf geehrt, Caroline Fraser für ihre Biografie Prairie Fires. Frank Bidart bekommt den Pulitzerpreis für seinen Gedichtband Half-light, James Forman Jr. für sein Sachbuch Locking Up Our Own.

Die Pulitzerpreise werden in diesem Jahr zum 102. Mal vergeben. 14 der 21 Preiskategorien sind journalistischen Arbeiten vorbehalten. Die restlichen Preise werden für Werke in den Bereichen Literatur, Musik und Theater vergeben. Die Preisträger bestimmt eine Jury, die an der New Yorker Columbia-Universität angesiedelt ist. Gewinner bekommen eine Urkunde und ein Preisgeld von 10.000 Dollar.