Eine Abtreibung ist in Deutschland immer rechtswidrig, sie wird nur nicht immer bestraft. Und dass dieser Tage im Bundestag wieder über eine Reform des Paragrafen 219a diskutiert wird, der das sogenannte Werben für Abtreibungen verbietet, wird  – egal, wie es ausgeht – an der grundsätzlichen Illegalität von Abtreibungen nichts ändern. "Hände weg vom Paragrafen 219a", sagte der CSU-Generalsekretär Markus Blume dem Spiegel. Eine gesetzliche Änderung sei mit der CSU nicht zu machen, und ich stelle mir vor, wie Horst Seehofer zu diesen Worten sonntags nach der Kirche sein geliebtes Keyboard spielt. Die SPD will dagegen einlenken: Es gehe nicht um Werbung, entgegnete die Justizministerin Katharina Barley. Und dann überspitzt: Niemand wolle Werbespots für den Schwangerschaftsabbruch.

"Doch", will die junge Frau von damals in mir schreien. "Doch, bitte, das möchte ich." Weil ich als Schülerin, als Studentin und nach zwei Geburten bis heute absolut keine Ahnung habe, wo ich eine Abtreibung durchführen könnte, was sie kostet und was genau bei dem Eingriff passiert. Dabei wäre es die Chance der Großen Koalition, im Jahr 2018 endlich die fraglichen Formulierungen zu ändern. Nur Gesetze können für Betroffene Normalität schaffen. Wer die Ehe für alle durchwinkt, wirbt auch für mehr Toleranz und Offenheit. Wer Marihuana freigibt, entkriminalisiert Schmerzpatienten. Und wer Schwangerschaftsabbrüche – zumindest bis zur zwölften Woche – straffrei macht, überträgt Frauen die Selbstbestimmung über ihren Körper.

Denn durch die Gesetzeslage um Abtreibungen wird ein Klima der Angst geschaffen, der Ungewissheit, des Schweigens. Und ich befürchte, dass sich auch 30 Jahre nach Danicas Abbruch nichts geändert haben könnte.

Das heißt, sollte meine heute 14-jährige Tochter eines Tages ungewollt schwanger werden, wird sie weder mit ihren Lehrern noch mit einem Arzt, vermutlich nicht einmal mit mir darüber reden wollen. Sie wird ungefragte Ratschläge zu anonymer Geburt und Adoption in den Kommentarspalten von sozialen Netzwerken lesen, irgendwann auf eine Beratungsseite stoßen und eine einsame Entscheidung treffen. Sie wird allein sein, sich selbst ausschließen und sich schämen. Wie Danica. Jahrzehnte später. Und diese Vorstellung macht mich krank.

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