Ich erinnere mich an einen Filmausschnitt über Flüchtlinge auf Arabisch: Der eine begrüßt den anderen neu Angekommenen in der Unterkunft: "Ah, wieder ein Tier mehr, willkommen!" Der andere fragt: "Wer bist du denn?" "Ich bin auch eins von den Tieren, die hier leben", sagt der eine. "Warum bist du ein Tier?", lacht der andere. "Ich bin ein Tier, weil ich immer noch nicht meine Aufenthaltserlaubnis habe. Sobald ich eine habe, werde ich zum Menschen!"

Nach Deutschland zu kommen, hat mein ganzes Leben verändert und nicht zuletzt auch mein Verhältnis zu Tieren. Die deutsche Familie, bei der ich lebe, hat einen Hund, Asten genannt, ein großes, haariges, blondes Wesen. Als ich hier einzog, schnüffelte er überall an mir herum. Ich fand das anfangs so eklig, dass ich täglich extra duschte, nur um seine Spuren und seinen Atem loszuwerden, ja, sogar seine ganze Existenz zu vergessen. Doch blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit ihm zu arrangieren. Ich begann zu lernen und mich mit ihm zu beschäftigen, nahm ihn auf Spaziergänge mit. Als Kind hatte ich niemals ein Tier auch nur berührt, geschweige denn mit einem Tier gemeinsam etwas unternommen. Ich veränderte mich. Nun machte es mich sogar glücklich, Asten anzusehen, in seine wunderschönen, lieben, braunen Augen zu blicken.

Hunde haben eigene Schulen, es gibt sogar Steuern für sie

Mir kam ein Gedanke: Ist ein Leben als Tier in Deutschland nicht einem Leben als Mensch in einer Diktatur vorzuziehen? Ernsthaft! Die Hunde in Deutschland werden viel besser behandelt als die Menschen im Nahen Osten. Hunde in Deutschland haben eigene Schulen, sie gehen zum Friseur, es gibt extra Parks für sie, sie können versichert werden, es werden Steuern für sie bezahlt, und sie haben Zugang zu allem, was uns im Nahen Osten so oft fehlt, zum Beispiel Essen, sauberes Wasser und medizinische Versorgung.

Aber der Genuss dieser Privilegien ist wohl nicht das, was der Flüchtling in dem Filmausschnitt meint, wenn er sich selbst als Tier bezeichnet. Er muss sich in Deutschland durch eine Maschinerie entmenschlichen lassen, um aus dieser Maschinerie als Mensch hervorzugehen. Was für ein Widerspruch!

Allerdings, wenn ich an mein anfängliches Verhältnis zu Asten denke, werde ich nachsichtiger mit den Deutschen, denn auch Asten musste ja ertragen, dass ich ihn und seine Existenz erst einmal verarbeiten musste, um ihn zu akzeptieren und lieb zu gewinnen. Manche Deutsche haben das Gefühl, dass ihnen die Flüchtlinge aufgezwungen wurden, mitsamt den Veränderungen, die ihre Anerkennung mit sich bringt. Ich kann verstehen, dass sie sich erst einmal unwohl fühlen und sich nicht freiwillig diesen neuen Wesen aussetzen.

Die Tatsache, dass Asten so süß ist, dass man sich als Mensch in ihn verliebt, wenn man ihn erst näher kennenlernt, hat meine Sichtweise und meine Gefühle gegenüber Hunden grundsätzlich verändert. Hunde können süß und friedlich sein, sie sind nicht pauschal aggressiv oder Furcht einflößend oder gar terroristisch. Aber was wäre denn nun, wenn Asten ein böser Hund wäre? Würde das etwas ändern? Würde das den Schluss zulassen, dass an Hunden generell etwas schlecht ist? Oder müsste man nicht etwa sagen, dass Hunde schlecht sind, weil sie in schlechten Umgebungen gelebt haben? Soll es an Asten liegen, ob ich Hunde liebe oder hasse?

Hätte ich als Kind mit der Tierwelt Umgang gehabt, hätte ich Tiere von Anfang an besser akzeptieren können. Mir wurde immer gesagt, ich müsse mich von Hunden fernhalten, weil sie beißen und schmutzig sind. Ein ähnlich negatives Bild wird jetzt von Flüchtlingen vermittelt: Sie wären bedrohlich; wenn man sie um sich habe, müsse man um sein Leben fürchten, oder es würden einem durch sie Änderungen zugemutet, die man nicht wolle.

Ich habe meine Sichtweise auf Tiere geändert, ich mag sie jetzt, gehe sehr gerne morgens mit Asten spazieren und liebe es, seine aus tierischen Bedürfnissen gespeisten Handlungen und Reaktionen zu deuten. Bedauere ich es, meine Angst vor Hunden verloren zu haben? Keineswegs! Selbst wenn Asten ein schlechter Hund wäre, und manchmal ist er ja auch ein bisschen schlecht, denn er ist ja auch nur ein Tier, hätte ich es nicht bereut, weil es mich dazu gebracht hätte, mit seinen schlechten Handlungen umzugehen. Das Gleiche gilt für Flüchtlinge, sie sind schließlich auch nur Menschen, also sollte man ihnen nicht alle Schuld für alles Schlechte aufbürden. Sie können schlecht sein oder gut. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Deutschen, auch sie sind nur Menschen, können schlecht sein oder gut und brauchen Zeit, Geduld und das richtige Bewusstsein, um sich den großen Veränderungen anzupassen.

Schlussfolgernd würde ich sagen, dass es viel besser ist, die deutschen Papiere eines Hundes zu haben als den jemenitischen Pass eines Menschen. Schön für die Hunde, sie sollten auch weiterhin gut behandelt werden. Aber es sollte auch ein Mensch, der Hilfe braucht und darum bittet, nicht erst entmenschlicht werden, um diese Hilfe zu bekommen. Sich um Hunde zu kümmern, ist menschlich. Aber sich umeinander und um unsere Mitmenschen zu kümmern, ist ein Gebot.

Übersetzt aus dem Englischen von Marion Detjen.