Der Ex-Hollywood-Produzent Harvey Weinstein ist in den USA wegen sexueller Übergriffe angeklagt worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft in New York mit. Es gehe um Vorfälle aus den Jahren 2013 und 2004. Die Kaution wurde auf eine Million Dollar festgesetzt. Weinstein bekomme ein Überwachungsgerät, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Er habe seinen Pass abgegeben und müsse um Erlaubnis bitten, wenn er die US-Bundesstaaten New York und Connecticut verlassen wolle. Die nächste Gerichtsanhörung wurde für den 30. Juli angesetzt.

Staatsanwalt Cyrus Vance sagte: "Die heutige Anklage zeigt bedeutenden Fortschritt in dieser andauernden Untersuchung." Sein Dank gelte "den mutigen Opfern, die sich gemeldet haben, und den Ermittlern meiner Behörde, die unermüdlich an dieser Untersuchung gearbeitet haben". Vance bat mögliche weitere Opfer von Weinstein, sich zu melden.

Zuvor hatte sich Weinstein der Polizei gestellt. In der kurzen Erklärung hieß es, Weinstein sei "festgenommen, erkennungsdienstlich behandelt und der Vergewaltigung, krimineller sexueller Handlungen, des sexuellen Missbrauchs und sexuellen Fehlverhaltens in zwei verschiedene Frauen betreffenden Fällen beschuldigt" worden.

Der 66-Jährige war vor dem Gebäude von zahlreichen Journalisten und Fernsehteams erwartet worden, passierte die Reporter aber wortlos. US-Medien berichteten, die Ermittlungen konzentrierten sich auf die Vorwürfe der ehemaligen Schauspielerin Lucia Evans, die dem Magazin New Yorker sagte, Weinstein habe sie zu sexuellen Handlungen gezwungen. Im Fall der mutmaßlichen Vergewaltigung werde Weinstein von einer Frau beschuldigt, die sich nicht öffentlich äußerte, hieß es aus Polizeikreisen. Bei einer Verurteilung drohen dem Produzenten bis zu 25 Jahre Haft. In der Vergangenheit hatte die New Yorker Polizei Ermittlungen wegen Evans' Vorwürfen bestätigt und außerdem mitgeteilt, dass gegen Weinstein wegen zwei mutmaßlicher Vergewaltigungen der Schauspielerin Paz de la Huerta Ende 2010 ermittelt werde.

Die Ermittlungen gegen Weinstein laufen seit Monaten: Mehr als hundert Frauen, darunter zahlreiche Stars, haben Weinstein vorgeworfen, sie sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt zu haben. Schon am Donnerstag hatten US-Medien berichtet, Weinstein wolle sich noch diese Woche den New Yorker Behörden stellen. Seine Kautionsbedingungen seien schon vorab festgelegt worden.

Aus den Anschuldigungen gegen Weinstein ging die Bewegung #MeToo hervor. Unter dem Begriff meldeten sich weltweit Frauen zu Wort und sprachen über sexuelle Übergriffe und Misshandlungen. Weinstein selbst musste sich wegen der Vorwürfe noch nicht verantworten. Das Verfahren in New York wäre das erste gegen den Produzenten, der zwar ein Fehlverhalten im Umgang mit Frauen eingeräumt, gewaltsame Übergriffe und die Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex jedoch bestritten hat.

Weinsteins Anwalt Benjamin Brafman ließ nach der Anklage eine Mitteilung verteilen, in der er die Unschuld seines Mandanten abermals beteuert: "Herr Weinstein hat immer gesagt, dass er niemals nicht-einvernehmlichen Sex mit jemandem hatte." Nichts an den heutigen Vorgängen ändere die Position Weinsteins. "Er ist weiterhin davon überzeugt, in den heute vorgebrachten Anklagepunkten unschuldig zu sein, und ist sicher, dass er komplett entlastet werden wird", so Anwalt Brafman.

Ermittlungen auf gesamtes Bundesgebiet ausgedehnt

Nicht nur in New York, sondern auch in London und Los Angeles laufen schon länger Ermittlungen gegen den Produzenten. Am Donnerstag wurden sie außerdem auf das ganze Bundesgebiet der Vereinigten Staaten ausgedehnt. Nun ermittelt auch die Generalbundesanwaltschaft der USA gegen Weinstein. Es soll geprüft werden, ob Weinstein durch die sexuelle Belästigung Frauen dazu gebracht habe, über Staatsgrenzen hinweg zu reisen. Nach Informationen der New York Times wird zudem geprüft, ob Weinstein gegen Stalking-Gesetze verstoßen hat. Sollte der Tatbestand des Stalkings vorliegen, könnte das eine Anklage rechtfertigen. 

Im vergangenen Herbst hatten zahlreiche Frauen, darunter Schauspielerinnen wie Salma Hayek, Ashley Judd, Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie, Weinstein sexuelle Gewalt und Übergriffe vorgeworfen.

Schauspielerinnen zeigen sich erleichtert

Mehrere Schauspielerinnen kommentierten die Nachricht von der anstehenden Verhaftung an diesem Freitag mit Erleichterung und Freude. "Heute sind wir der Gerechtigkeit einen Schritt näher gekommen", schrieb die Schauspielerin Rose McGowan auf Instagram. Möge Weinsteins Verhaftung allen Opfern, die ihre Erlebnisse schildern, Hoffnung machen, schrieb sie. Sie und andere Weinstein-Opfer hätten schon daran gezweifelt, dass er vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werde. McGowan war im vorigen Herbst eine der ersten Frauen, die Weinstein Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe vorwarfen.