Singapur-Gipfel - Donald Trumps Werbevideo für das Treffen mit Kim Jong Un US-Präsident Donald Trump hatte für den Gipfel ein Video in Auftrag gegeben, das Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un adressiert. Hier ist das Originalvideo. © Foto: Destiny Productions

Im Zuge des mittlerweile zur Genüge als "historisch" beschriebenen Treffens zwischen Donald Trump und Kim Jong Un wurde ein Video gezeigt. Das Weiße Haus selbst hatte den vier Minuten langen Clip produzieren lassen, um die Dimension des Gipfels in Singapur zu verdeutlichen. So gesehen: der offizielle Trailer. Man kann lange darüber grübeln, inwieweit dieses Video eine weitere Stufe der Eventisierung von Politik ist, die seit Trump (eigentlich bereits seit Obama) zur gängigen Praxis gehört. Man kann natürlich über die Bilder lachen, mit denen die Trump-Regierung das Versprechen dekoriert, das sie dem Diktator Kim Jong Un unterbreitet, die Ankunft in einem Idyll, in dem man mit übermotorisierten Booten in den Sonnenuntergang der Florida Keys fährt und untermotorisierte Pferde durchs Wasser galoppieren.  

"Zwei Männer, zwei Anführer, ein Schicksal", sagt im Werbefilm die dramatisch belegte Off-Stimme im Duktus von Schwarzenegger-Kinoorgien, ein Mann, eine Pistole, ein Ziel. Mag sein, dass sich die Presseabteilung der US-Regierung direkt bei den pompösen Pathosformeln aus Hollywood bedient hat. Allerdings führt sie über diesen ästhetischen Trick ein Wort wieder in die Politik ein, das eigentlich zu den Begriffsmajestäten der Vormoderne gehört: das Schicksal. Und damit ein altes, metaphyselndes Weltbild, das sich dieses Video ("Destiny Pictures präsentiert") zu Eigen macht, den Glauben an den Weltenlauf als unendliche Wiederkehr des Gleichen: Elend, Gewalt, Tod, Krieg, Licht gegen Finsternis. Geschichte sei zyklisch, heißt es im Video. Sie ist also eine Tautologie, in der passiert, was passiert, was ohnehin passiert ist und immer schon passieren wird. Wer diesen, im antiken Sinne tragischen Kreislauf ändern wolle, müsse titanische Kräfte besitzen. In dieser Logik wird das Wesen moderner, demokratischer Politik zu bedeutungslosem, verweichlichtem Geschwätz degradiert, es bleibt bloß archaisches Heldentum. Nur wenige seien dazu berufen, sagt die Stimme im Video wie in einer längst vergessenen Prophezeihung.

In dieser Selbstheroisierung und Selbstmystifizierung steht Donald Trump im Video als "Hand des Friedens" und Überbringer des "Lichts der Hoffnung" da, der Kim Jong Un ein Angebot macht, das dieser nicht ablehnen kann –  es sei denn, gnadenloser Kreislauf der Geschichte, Nordkorea möchte noch mal in die Dunkelheit gebombt werden. Kim Jong Un könne aber selbst zu Trump in heroische Sphären aufsteigen, wenn er bereit sei, das "Fenster der Möglichkeiten" aufzureißen und sich der freien, reichen Welt anzuschließen, die im Video aussieht wie eine Welt aus McDonald's-Filialen, technoider Utopie und dem Vorspann von Miami Vice. Nun steht es außer Frage, dass sich jeder eine Öffnung von Nordkorea gegenüber der Welt nur wünschen kann. Und vielleicht hatte ja der Schriftsteller Milan Kundera recht, als er schrieb, die Verbrüderung aller Menschen werde letztlich nur durch den Kitsch zu begründen sein. Der totale Kitsch des Schicksals allerdings war in Hollywood besser aufgehoben.