Sie ist die Frau, von der Steve Bannon, wichtigster Berater Donald Trumps bis 2017 und Chefideologe der globalen populistischen Rechten, sagt: "Sie ist nicht nur ein aufsteigender Stern in Frankreich, sondern einer der beeindruckendsten Menschen dieser Welt." Marion Maréchal, 28 Jahre, Jura-Absolventin, Mutter einer vierjährigen Tochter, geschieden und mit einem Funktionär der rechtspopulistischen italienischen Lega Nord liiert, scheint für den ehemaligen Herausgeber von Breitbart News die wichtigste Hoffnungsträgerin in Europa zu sein. Mehr noch: Der geistige Begründer von Trumps America-First-Kampagne, der laut eigener Aussage den Rechten in Europa den Nationalismus näherbringen will, ist auch derjenige, der Maréchal in den USA hofierte.

Caroline Rosales, geboren 1982 in Bonn, arbeitet als Redakteurin der FUNKE Mediengruppe. Zudem ist sie Autorin von zwei Sachbüchern. Im Jahr 2012 gründete sie den Blog Stadtlandmama.de, der bis heute zu den größten Elternblogs in Deutschland zählt. Sie lebt mit ihren zwei Kindern in Berlin und ist Gastautorin von "10 nach 8". © Aram Pirmoradi

Und plötzlich ist sie da. Onduliertes blondes langes Haar, schwarzer Blazer, schwarze Hose, weiße Bluse, gewinnendes Lächeln. Marion Maréchal sieht aus wie der Inbegriff des American Dream, als sie Anfang des Jahres in Maryland auf der "Conservative Political Action Conference" an das Rednerpult tritt. Nach der Niederlage ihrer Tante, Marine Le Pen, 2017 gegen Präsident Emmanuel Macron hatte die einst jüngste Abgeordnete der Nationalversammlung Frankreichs ihren Rückzug bekannt gegeben – offenbar nur, um jetzt mit größerer Wucht auf die politische Bühne zurückzukehren.  

Stramm patriotische Rhetorik

"Bonjour, meine konservativen Gefährten. Ich hoffe, Sie mögen einen kleinen französischen Akzent", beginnt sie ihre Rede auf Englisch. Und sofort bekommt sie tosenden Beifall. Sie versucht es mit Humor und es funktioniert. Marion Maréchal ist die Jüngste der Dynastie Le Pen, Enkelin von Jean-Marie Le Pen, dem Gründer der rechtsradikalen Front National. Sie sei die "Macron der Rechten", ein Shooting-Star, der es nach dem Vorbild des französischen Präsidenten innerhalb von zwei Jahren an die Spitze schaffen könnte, sagen die französischen Medien.

Marion Maréchal dementiert bislang – lächelnd und freundlich. Stattdessen gibt sie die Gründung einer Akademie für Identitäre bekannt, die in Lyon im Oktober 2018 eröffnet wird, und die nach ihren Worten eine Alternative zum französischen Elitensystem darstellen soll.

Maréchal hat einen Masterplan. Im Gewand und mit der Rhetorik einer stramm patriotischen, aber niemals rechtsradikalen jungen Frau arbeitet sie sich Schicht für Schicht vor. Sie hat Zeit, sie ist jung. Im Gegensatz zu den wütenden alten weißen Männern und streng guckenden Frauen, die in den Führungsspitzen der neuen Rechten ihrer eigenen Karikatur entsprechen, umgibt Maréchal die Aura der Jugendlichkeit und des Aufbruchsgeistes. Sie wirkt dynamisch, fährt Motorrad ("Suzuki") auf den Straßen ihrer südfranzösischen Heimat Vaucluse. Einmal wird sie für das Magazin "Closer" beim Surf-Urlaub auf Korsika fotografiert

Bruch mit der Familie

Sie ist ein Kumpeltyp, ein feministisches Role Model und wäre sie nicht ultrarechts, würde sie als Vorbild für unsere Töchter taugen. Ihr Großvater, der alte Jean-Marie Le Pen, war für junge Französinnen wie mich vorhersehbar, seine politischen Aussagen plump und ein Fall für den Verfassungsschutz. Als Großmeister des Eigentors flog der ehemalige Fremdenlegionär im Jahr 2015 schließlich auf Initiative seiner Tochter Marine Le Pen aus seiner eigenen Partei. Er hatte die Gaskammern der Nazis wiederholt als "Detail der Geschichte" bezeichnet.

Jean-Marie Le Pen war immer schon inakzeptabel. Auch Marion Maréchal hatte keine Probleme, mit dem düsteren Großvater zu brechen. Sagte sie im Jahr 2014 noch zur Freude des Großvaters, sie habe mit der Geburt ihrer Tochter Olympe (benannt nach der Frauenrechtlerin Olympe de Gouges) ihre vaterländische Pflicht erfüllt, bemüht sie sich seit Kurzem um maximale Distanz zu ihren Wurzeln. Für ihre politische Neuausrichtung durchschnitt sie das familiäre Band: Den Familiennamen Le Pen legte sie Ende Mai ab und will seitdem nur noch Maréchal genannt werden.