Nun sind alle Stars von Ocean's 8 eminent attraktiv und (mithilfe von Hollywoods kleinen Hilfstechniken) jung geblieben. Aber der Punkt ist natürlich, dass in einem weiblichen Ensemblefilm weniger die heterosexuelle Zweierbeziehung und damit der Grad der Begehrenswertheit der Frau eine Rolle spielt als die Gruppendynamik. Der Film inszeniert die eingeschworenen weiblichen Bande explizit, und die Darstellerinnen verschwestern sich auch außerhalb der Fiktion, wenn sie in Interviews immer wieder betonen, wie außerordentlich gut sich alle verstanden und miteinander amüsiert hätten, und wie ungewöhnlich und schön es gewesen sei, mit so vielen Frauen zusammenzuarbeiten. 

So plausibel und angenehm weibliche Solidarität im realen Hollywood des Jahres 2018, dem Jahr von MeToo und TimesUp, klingt: Natürlich gehört es auch zur fundierenden Mythologie der Ocean's-Filme, dass sie in ihrer Inszenierung einer lustvollen Gang die Grenze zwischen Realität und Fiktion, zwischen Darstellern und Dargestellten, verwischen. Die Story von den Schauspielern, die es genauso lustig miteinander hatten wie die von ihnen dargestellten Gentleman-Diebe, gehört seit jeher zu dieser Filmserie. Die Berichte der Damencrew sind etwas weniger von Alkohol und Verführungen durchtränkt als die ursprünglichen Eskapaden um Sinatras Rat Pack, aber immerhin: Allen Interviews zufolge haben die Darstellerinnen viel Zeit miteinander verbracht, viel gelacht – und sich über ihre Kinder und die Sorgen arbeitender Mütter ausgetauscht.

Wie bei allem, das aus dem hochartifiziellen Hollywood kommt, scheint es wenig sinnvoll, hier zwischen gespielt und echt, zwischen Marketing und Realität unterscheiden zu wollen. Darum verkennt auch der Einwand, die rein weibliche Besetzung eines Heist-Movies sei forciert und unrealistisch – schließlich höre man von weiblichen Diebesbanden viel seltener als von männlichen –, dass solche Filme mit Realität grundsätzlich wenig zu tun haben. Auch George Clooneys oder Frank Sinatras Macho-Orgien in Las Vegas waren für den real existierenden Mann kaum wegweisend. Auch ihre Filme waren vor allem elaborierte Fantasien in elegant durchgestylten Traumwelten, die den meisten von uns unzugänglich sind – und das schon ganz jenseits der Frage nach dem kriminellen Mastermind, das in der Natur in solcher Perfektion nicht zu finden ist, egal, ob es Danny oder Debbie heißt.

Hollywood wird vermutlich nie, wie man es etwa aus dem französischen Kino kennt, umwerfende Filme über die Sorgen und Nöte von alternden, übergewichtigen, kettenrauchenden Hausfrauen der petite bourgeoisie machen. Das war nie das Geschäftsmodell der Traumfabrik und wird es auf absehbare Zeit nicht werden. Es lohnt also kaum, in der Debatte über die Verbesserung der Situation von Frauen in Hollywood und dem Rest der Welt realistischere Darstellungen von weiblichen Lebenssituationen anzumahnen. Alles, was man von Hollywood erwarten kann, ist, dass es mehr Bilder von mehr Frauen in mehr unterschiedlichen Rollen liefert – solange die Kasse stimmt. Denn wenn Ocean's 8 eines zeigt, dann dies: Die weibliche Fortführung der Serie ist im Resultat genauso leichtherzig, sinnlos und lustvoll anzusehen wie die männlichen Versionen. Dass sie dabei auch noch bei aller Treue zu etablierten Genreformeln neue Rollenfelder für Schauspielerinnen erschließt – wer kann dagegen im Jahr 2018 ernsthaft etwas einwenden wollen? Oder wie Sandra Bullock in einem Interview mit dem Magazin InStyle meinte: "Ich habe immer gesagt, 'Ich will, was die Kerle bekommen' – egal, ob in einem Actionfilm, einer Komödie oder in einem sexy Heist-Movie. Ich meine, warum können wir Ladys das nicht haben?" Genau: Warum eigentlich nicht?