Sex and the City war eine Fernsehserie, die Frauen alles sein ließ, was sie wollten. Beinahe 15 Jahre nach der letzten Staffel will Cynthia Nixon, die darin die zynische Anwältin Miranda Hobbes spielte, jetzt Gouverneurin von New York werden. Ihr Rivale, der Amtsinhaber Andrew Cuomo, gegen den sie am Donnerstag in der Vorwahl um die Kandidatur für die demokratische Partei antritt, hat die mangelnde Erfahrung seiner Herausforderin im Laufe des Wahlkampfs immer wieder kritisiert. "Meine Gegnerin lebt in der Welt der Fiktion." Aber wenn Ronald Reagan und Arnold Schwarzenegger Gouverneure von Kalifornien und Jesse Ventura Gouverneur von Minnesota sein können, warum kann dann Cynthia Nixon nicht Gouverneurin des Staates New York sein? 

Seit Monaten versucht die 52-jährige Schauspielerin und Aktivistin die New Yorker Demokraten davon zu überzeugen, über ihre politische Unerfahrenheit hinwegzusehen. Promibonus hat sie keinen. Die Menschen haben angesichts Donald Trumps Präsidentschaft kein Interesse an weiteren Möchtegernpolitikern in öffentlichen Ämtern. "Wir werden bereits von einem Präsidenten in Stücke gerissen, der keine politische Erfahrung hat und in der Geschäftswelt ein Schuft, ein Schwindler und ein psychopathischer Narzisst ist, unfähig zu Empathie oder Reue", steht in einem Kommentar unter einem New-York-Times-Artikel.

Möglicherweise hat aber der 60-jährige Andrew Cuomo mehr gemeinsam mit Donald Trump als Cynthia Nixon. Beide Männer wurden von ihren mächtigen Vätern in das Familienunternehmen gebracht (Cuomos Vater war 1983-1994 Gouverneur von New York). Beide Männer kämpfen mit der freien Presse, obwohl die freie Presse vollkommen legitime Fragen stellt. Gegen beide Männer gibt es Korruptionsvorwürfe und beide sind bekannt dafür, dass sie sexuelle Belästigung nicht ernst genug nehmen. In einer Fernsehdebatte griff Nixon ihren Gegner direkt an: "Wir haben einen korrupten Konzernrepublikaner im Weißen Haus. Ich glaube nicht, dass ein korrupter Konzerndemokrat am besten geeignet wäre, sich ihm entgegenzustellen." 

In seinen zwei Amtszeiten seit 2011 als Gouverneur hat Andrew Cuomo bedeutende Leistungen erbracht. Aber er hat wenig getan, um die Korruption in seiner eigenen Regierung zu bekämpfen und er hat das U-Bahnsystem, das Fundament der New Yorker Wirtschaft, verfallen lassen. Die New Yorker sehnen sich nach Veränderung, und dennoch war Cynthia Nixon die einzige Demokratin, die den Mut hatte, gegen Cuomo und seine fast 30 Millionen US-Dollar schwere Kampagne anzutreten.

Die gebürtige New Yorkerin ist nicht mit dem ehemaligen US-Präsidenten verwandt, aber sie ist keine Unbekannte in der Politiklandschaft. Ihr Interesse an politischem Aktivismus begann, als sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere mit Sex and the City stand und ihr ältestes Kind in den Kindergarten kam. Im Jahr 2002 wurde sie verhaftet, als sie gegen Budgetkürzungen in öffentlichen Schulen protestierte. Zusammen mit ihrer heutigen Ehefrau Christine Marinoni, einer Aktivistin, setzt sich Nixon für mehr Fördermittel in den öffentlichen Schulen von New York City ein. Und sie ist Sprecherin der Alliance For Quality Education, einer in New York ansässigen Organisation, die sich für qualitativ hochwertige akademische Möglichkeiten stark macht.