Lassen Sie mich ganz ungeschützt sprechen: Menschen sind nicht gleich! Jedenfalls nicht, was ihre Fähigkeiten und Motivationen, ihre Handlungsziele und ihre innere Festigkeit betrifft. So gibt es insbesondere stets einen schmalen Prozentsatz von Individuen, die aus ihrer jeweiligen Handlungsgemeinschaft weit und nicht selten störend herausragen. Was diese Individuen herausragen lässt, sind ihre besonderen Talente und Sehnsüchte. Was sie zu sozialen Störenfrieden macht, ist ihr Beharren auf dem Willen zum exzellenten Ausscheren.

Diese Individuen – mehr als ein Prozent der Gesamtheit ist es eigentlich nie – lauschen gleichsam ihrer ganz eigenen Daseinsmelodie. Sie folgen höheren Zielen und messen sich selbst an anderen Maßstäben. "Elite" ist der gängige Begriff für sie, "Gründer" wäre ein weitaus treffenderer. Denn ihre eigentliche Funktion für das Ganze besteht eben darin: Sie gründen relevante Anfänge – sei es in Form einer Religion, einer Philosophie, einer Technik, eines Unternehmens, eines Stils, eines Systems oder auch nur Standards.

Uns allen geläufige Beispiele solcher "GründerInnen" wären Sokrates und Pep Guardiola, Sophie Scholl und Leonardo da Vinci, Muhammad Ali und Coco Chanel, Shakespeare oder Steve Jobs. Dazu zählen natürlich zudem die (namentlich leider unbekannten) Urindividuen, die einst das Feuer, die Schrift, den Bumerang, das Rad oder den tiefen Teller in die Welt brachten. Und zu ihnen zählt vor allem auch das edle Heer von Alltagshelden, die als Maurer oder Krankenschwester, Berufsschullehrer oder Kommissarin Tag für Tag ebenjene Exzellenzstandards verkörpern und damit wahren, die von ihren geschätzten KollegInnen – sei es aus Faulheit, Zynismus oder Selbstsucht – allzu regelmäßig unterlaufen werden.

Eigenschaften der Exzellenz

Wer nun fragt, wodurch sich diese "Gründer" oder eben "Wahrer" besonders auszeichnen und damit identifizieren lassen, dem wären insbesondere drei Eigenschaften zu nennen:

Erstens: Gründer sehen das Ziel ihres Wirkens in nichts anderem als dem Werk, das dieses Wirken hervorbringt. Sie arbeiten nicht für "andere" oder "anderes". Sie arbeiten insbesondere nicht des Geldes wegen. Und auch nicht für das soziale Äquivalent von Geld, nämlich Anerkennung. Diese Individuen sind also im denkbar produktivsten Sinne asozial und damit unbestechlich.

Zweitens: Gründer lieben Exzellenz um ihrer selbst willen – als markantesten Ausweis dessen, was menschenmöglich ist. Man könnte auch sagen, diese Menschen haben eine besondere Achtung vor der Menschheit, als dessen paradigmatische Verkörperung sie sich selbst erkennen wollen. Diese Individuen sind also im denkbar produktivsten Sinne selbstachtend und autonom.