Die Stasigedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat ihren Vizedirektor Helmuth F. nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Das habe Direktor Hubertus Knabe entschieden, teilte die Gedenkstätte mit.

Sieben ehemalige Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte werfen F. vor, sie sexuell belästigt zu haben. Sie wandten sich daher in einem Brief an Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Darin berichten sie über "eine erschreckende Regelhaftigkeit übergriffiger Verhaltensmuster" bis hin zu sexueller Belästigung. Der Stiftungsrat der Gedenkstätte wird sich am Dienstag in einer Sondersitzung mit den Vorwürfen befassen. Die Frauen sollen von 2011 bis 2018 als wissenschaftliche Volontärinnen, Freiwillige im Sozialen Jahr und Praktikantinnen in der Gedenkstätte gearbeitet haben.

Knabe hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe mitgeteilt, Belästigung am Arbeitsplatz sei "ein absolutes No-Go" und kündigte an, die Vorwürfe zu prüfen. Bereits im April 2018 habe er nach anonymen Beschwerden Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Das Verfahren sei jedoch eingestellt worden, da laut der Staatsanwaltschaft kein hinreichender Tatverdacht bestand. Konkrete Einzelheiten zu den neuen Vorwürfen habe er jedoch erst am Montag durch eine Anfrage des Senders rbb erfahren.

F. soll den Berichten zufolge über Jahre hinweg jungen Frauen in der Ausbildung über Kurznachrichten zu nahe getreten sein. Dabei habe er spätabends oder nachts Arbeitsaufträge erteilt und private Einladungen ausgesprochen – mit dem Angebot, bei ihm zu schlafen. Auch soll sich F. den Mitarbeiterinnen körperlich angenähert und über seine sexuellen Vorlieben berichtet haben. Der Vizedirektor hat über seinen Anwalt Fehlverhalten eingeräumt. Dieses habe er aber nach einem Gespräch mit dem Direktor der Gedenkstätte vor rund zwei Jahren abgestellt.

Die Mitarbeiterinnen erheben auch Vorwürfe gegen Hubertus Knabe. Demnach habe er sich gegenüber einigen von ihnen inadäquat geäußert und gemeinsam mit F. ein Klima geschaffen, dass einem "Frauenbild der Fünfzigerjahre" entspreche. Knabe wies das im rbb zurück. Anzüglichkeiten gehörten nicht zu seinem Sprachgebrauch.